Von Jacob Bunge DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die auf der Kippe stehende Fusion der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext soll nun mit intensiver Lobbyarbeit gerettet werden. Beide Unternehmen würden direkt bei den 27 EU-Kommissaren in Brüssel für die Transaktion werben wollen, heißt es in Kreisen. "Jetzt steht ein Monat mit intensiven Aktivitäten an, dies wird die Dinge in die eine oder in die andere Richtung in Bewegung bringen", sagte ein Informant.
Allgemein wird erwartet, dass die Kartellwächter der EU den Kommissaren empfehlen werden, die Börsenfusion zu stoppen. Die Wettbewerbshüter haben Bedenken, dass die Fusion den Unternehmen eine marktbeherrschende Position im börslichen Derivatehandel verschafft. Der Entwurf ihrer Empfehlung soll in den kommenden Tagen vorliegen. Die 27 EU-Kommissare werden dann am 1. Februar zusammenkommen, um über die Transaktion zu sprechen. Eine Entscheidung muss bis zum 9. Februar getroffen werden.
Zur Rettung ihrer Fusion wollen sich die beiden Börsenbetreiber nun darum bemühen, die Analyse der Wettbewerbsbehörde in Frage zu stellen. Zudem soll bei den EU-Kommissaren hervorgehoben werden, welchen Nutzen der Zusammenschluss für das europäische Bankensystem und auch für die Regulierung durch die EU haben kann.
Der 17 Milliarden US-Dollar schwere Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber war vor elf Monaten angekündigt worden und muss laut Fusionsunterlagen bis Ende März mit allen Genehmigungen in trockenen Tüchern sein. Danach ist der Deal geplatzt. Die beiden Börsen könnten dann zwar nochmal ganz von vorn beginnen, wahrscheinlich ist das aber nicht.
Ins Wanken geriet die Transaktion, weil die EU besorgt über die Marktmacht der beiden Unternehmen bei Derivate-Börsen in Europa ist. Hier haben Deutsche Börse und NYSE mit ihren Tochtergesellschaften Eurex bzw Liffe mit über 90% eine marktbeherrschende Stellung. Mit ihrem Argument, dass der Derivatemarkt global betrachtet und auch der außerbörsliche Handel mit einbezogen werden müsse, stießen die beiden in Brüssel bisher auf taube Ohren.
Beide haben deshalb mit Zugeständnissen versucht, die Zustimmung der Wettbewerbsbehörde zu gewinnen. Unter anderem wollen sie das europäische Derivategeschäft auf Einzelaktien der NYSE verkaufen, den Zugang zum Clearing der Eurex für Wettbewerber öffnen sowie ihre Gebühren für die Handelsteilnehmer im Derivatebereich für drei Jahre einfrieren. Der Erfolg der Bemühungen ist bislang jedoch ausgeblieben.
-Von Jacob Bunge, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 104, unternehmen.de@dowjones.com (Ulrike Dauer hat zu diesem Bericht beigetragen) DJG/DJN/jhe
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January 08, 2012 06:05 ET (11:05 GMT)
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