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Beendet der Nasdaq100 als erster Index die Finanzkrise?

von Jochen Steffens

Jetzt wird es spannend! Mehrere große Indizes stehen an wichtigen Marken. Der DAX hat gerade die 6.430er Marke erreicht. Wird er ein neues Hoch generieren und damit einen weiteren Hinweis auf diesen neuen Aufwärtstrend (hier grün eingezeichnet) geben?


Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht, aber wir erkennen im Chartbild auch, dass er sich noch ziert. Die gestrige Kerze hat einen langen Docht nach oben. Und auch heute wollte er nicht so recht. Hier muss mehr Dynamik aufkommen, sonst wird es eng.

Nasdaq100 an den Mehrjahreshochs

Aber auch der Nasdaq100 steht an höchst wichtigen Widerständen, nämlich an seinen Mehrjahreshochs:


Gestern hatte er bereits den wichtigen Widerstand bei 2.415 Punkten geknackt. Heute generiert er dadurch, dass er das vergangene Hoch aus dem Jahr 2011 bei 2.438 Zählern überwindet, ein neues Mehrjahreshoch. Dieses Kursniveau hat er seit dem Jahr 2001 (!) nicht mehr gesehen! Ein beeindruckendes Signal!

Das Ende der Krise aus Sicht der US-Anleger?

Sollte der Nasdaq100 nachhaltig über diesen Widerstand ausbrechen, wäre dies ein erstes Zeichen dafür, dass aus Sicht der US-Anleger die Krise vorbei ist. Hier fragt man sich zudem, wie dieses Ereignis, also ein Index-Kurs, der so hoch steht wie seit 10 Jahren nicht mehr, mit der ganzen Schwarzmalerei in den USA zusammenpasst.

Aber Sie müssen sich halt immer und immer wieder bewusst machen, dass nahezu alle großen Rallys mitten in der tiefsten und dunkelsten Krise gestartet sind und das mindestens ein Drittel einer großen Rally, oft auch sogar die Hälfte, in einem Krisenumfeld abgearbeitet werden!

S&P500 auf dem Weg zu den Hochs

Die Frage stellt sich, ob auch andere US-Indizes derart entscheidende Signale senden. Der S&P500 hat bereits gestern in seinem Aufwärtstrend die Mittellinie überwunden und ist damit einer der ersten Indizes gewesen, die ein neues bullishes Signal generieren. Nun ist eine Mittellinie nicht so prägnant und bedeutsam wie ein Mehrjahreshochs im Nasdaq100. Aber trotzdem muss man dieses Ereignis im Zusammenhang mit der Entwicklung im Nasdaq100 als wichtigen Hinweis werten.


Jetzt steuert der S&P500 direkt auf eine wichtige Widerstandszone zwischen 1.345 und 1.370 Punkten zu. Und erst hier liegen die Jahreshochs aus dem Jahr 2011. Der S&P500 hinkt demnach dem Nasdaq100 noch hinterher. Eigentlich müsste auch noch der S&P500 diese Hochs überwinden, um den Ausbruch im Nasdaqzu bestätigen.

Gerade wenn der finanzlastige S&P500 ein neues Mehrjahreshoch ausbildet, wäre dies ein sehr gewichtiger Hinweis darauf, dass sich die US-Märkte mit der Krise in der EU arrangiert hätten.

Zwischenfazit

Die Entwicklung des Nasdaq100 ist angesichts der allgemeinen Krisenstimmung beeindruckend. Häufig sind gerade die Technologieaktien die Vorreiter bei großen Trends. Normalerweise müsste man das als ein extrem positives Zeichen werten. Allerdings sollten Sie hierbei beachten, dass die enorme Rally der Apple-Aktie ein wichtiger Faktor für diese positive Entwicklung des Nasdaq100 gewesen ist (zu Apple in den kommenden Tagen vielleicht mehr).

Wenn jetzt, nachdem der Nasdaq100 bereits neue Hochs generiert hat, auch noch der DAX die Hochs aus 2011 überwindet und zum Schluss auch noch der S&P500 ausbricht, dann entsteht ein beachtliches bullishes Setup. Es bleibt also spannend.

Interessant und wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass auch von fundamentaler, sprich US-konjunktureller Seite sich die Datenlage immer mehr verbessert - langsam zwar, aber bis jetzt nachhaltig. Dazu gleich mehr weiter unten im Steffens Daily unter "US-Konjunkturdaten".

Für Euphorie ist es noch zu früh

Um eine möglicherweise zu früh aufkommende Euphorie etwas zu dämpfen: Etwas bedenklich ist, dass sich die Stimmung unter den Anleger zurzeit sehr schnell aufhellt. Das sah man unter anderem auch an dem stark gestiegenen ZEW-Index. Zudem befinden sich die Märkte aktuell in einer leicht überkauften Situation. Die Gefahr, dass die Indizes doch noch an diesen wichtigen charttechnischen Marken scheitern, beziehungsweise Fehlsignale ausbilden, ist also durchaus gegeben. Aber so ist die Börse.

viele Grüße

Jochen Steffens

PS: Verpassen Sie übrigens nicht den kostenfreien Vortrag auf unserem Kölner Tradertreffen kommende Woche Donnerstag. Infos dazu weiter unten.



US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist um 50.000 auf 325.000 zurückgegangen. Das ist der niedrigste Stand seit April 2008. Analysten hatten lediglich einen Rückgang um 19.000 erwartet. Der Wert für den gleitenden Vierwochendurchschnitt sinkt damit auf 379.000.

Die Zahl der Baubeginne in den USA ist im Dezember überraschend um 4,1 % auf annualisiert 657.000 gesunken. Allerdings gab es im Vormonat einen erheblichen Anstieg um 9,1 %. In diesem Zusammenhang ist der Rückgang wenig dramatisch. Analysten hatten allerdings einen Anstieg um 0,6 Prozent prognostiziert. Die Zahlen werden dann interessant, wenn man sie auf Jahresssicht betrachtet: Auf Jahressicht lagen die Baubeginne im Dezember um satte 24,9 Prozent höher. Im Gesamtjahr 2011 stiegen sie um 3,4 Prozent. Hier ist also schon eine klare Verbesserung zu erkennen.

Die Baugenehmigungen sanken im Dezember um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat: Analysten hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet. Die Baugenehmigungen gelten als Vorlaufindikator für die Baubeginne.

Interessanter wird die Entwicklung im Frühling sein - hier könnten neue Weichen gestellt werden. Sofern sich der US-Immobilienmarkt erholt, wird dies einen erheblichen Einfluss auf die konjunkturelle Situation in den USA haben.

Und von Inflation fehlt in den USA jede Spur: Die Verbraucherpreise sind dort im Dezember unverändert geblieben. Analysten hatten mit einem Anstieg um 0,1 % gerechnet, nachdem diese schon im Vormonat stagnierten.

© 2012 Börse-Intern
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