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Tipps für Ihre Anlagestrategie 2012

von Torsten Ewert

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, dass der Verlust der Topbonität von Frankreich und Österreich (sowie die Abstufungen weiterer europäischer Staaten) für so wenig Verunsicherung an den Märkten sorgt. Die Kurse steigen einfach munter weiter. Nun könnte man sagen, nach der Ankündigung von Standard & Poor's im Dezember, die Ratings zu überprüfen, waren diese Bonitätsverschlechterungen bereits eingepreist worden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Sind Ratingabstufungen jetzt uninteressant?

Denn auch die Abstufung der USA Anfang August erfolgte sozusagen mit Ankündigung. Damals begleitete S&P die monatelange Diskussion zwischen Regierung und Opposition um die Schuldengrenze der USA mit ganz klaren Bedingungen für eine Beibehaltung des AAA-Ratings. Dazu kam es nicht, folglich gab es eine Abstufung - und danach eben den Crash.

Die Euroländer sind scheinbar in einer viel schlechteren Situation: Griechenland steht vor der Pleite, Italien auf der Kippe und der Hebel für den Eurorettungsfonds dürfte ohne ein französisches Toprating nicht zu stemmen sein. Trotzdem bleiben die Märkte gelassen.

Die häufig genannte "Krisenmüdigkeit" dürfte bei dieser Reaktion jedoch nur der dritte Grund sein. Zwei andere sind viel wichtiger.

Zwei wichtige Gründe für das Desinteresse der Anleger

Da ist zum einen die jüngste, in der Öffentlichkeit wenig beachtete Liquiditätsmaßnahme der EZB. Im Dezember bereits stellte die EZB den Banken 489 Mrd. Euro für drei Jahre zu Zentralbankkonditionen zur Verfügung. Damit haben die Banken vorerst ausreichend Liquidität für die kommenden Monate. Und die Banken arbeiten mit dem Geld auch bereits genau im Sinne der EZB bzw. der Politik:

Eine Auktion französischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche, also nach der Abstufung, verlief mit der üblichen hohen Nachfrage, so dass Frankreich trotz schlechteren Ratings kaum einen Zinsaufschlag zahlen musste. Zuvor wurde eine deutsche Anleihe sogar mit negativen Zinsen vergeben (siehe Steffens Daily vom 09.01.2012), was bedeutet, dass Deutschland mit der Aufnahme von Schulden Geld verdient!

Zum anderen wenden sich die Anleger inzwischen wieder anderen Themen zu. So sind die starken Rezessionsängste mittlerweile deutlich abgeebbt, die uns noch vor ein paar Monaten gefangen hielten. In der laufenden Quartalssaison finden sich wieder mehr optimistische Töne, und so suchen auch die Investoren verstärkt neue Chancen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Diese sehen sie weniger in Europa, denn hier sind die oben genannten Probleme tatsächlich noch sehr bedeutsam, auch wenn sie durch die jüngste EZB-Aktion zunächst wohl erneut übertüncht werden. Die USA, aber auch die Schwellenländer erscheinen hingegen als Anlagethema inzwischen wieder relativ verlockend, und folglich stiegen dort die Kurse auch zuletzt am stärksten: Der NASDAQ 100 steht bereits vor einem möglichen Ausbruch über seine Hochs von 2011 (siehe Steffens Daily vom 19.01.2012).

Bemerkenswert ist, dass einige einflussreiche Vermögensverwalter diesen Optimismus nicht 100%ig teilen. So waren auf der jüngsten Kapitalanlegertagung in Zürich von Leuten wie Felix Zulauf oder Marc Faber durchaus auch kritische Töne zu hören.

Und dies nicht von ungefähr. Schließlich ist die Aktion der EZB keine Lösung, sondern sie erkauft den Banken und Staaten allenfalls nur ein wenig Zeit. Da mag ihr noch das eine oder andere Mal gelingen, aber keineswegs bis zur Sanierung der Staatsfinanzen der Eurokrisenländer.

Wichtige Schlussfolgerungen für Ihre Anlagestrategie 2012

Daraus ergeben sich einige wichtige Schlussfolgerungen für Ihre Anlagestrategie 2012. Welche das sein sollten, erfahren Sie zum einen im Stockstreet-Jahresausblick 2012, der Ihnen auch konkrete Szenarien für das bevorstehende Aktienjahr liefert. Den Stockstreet-Jahresausblick erhalten Sie hier.

Zum anderen haben Sie Gelegenheit beim 10. Kölner Tradertreffen am 26.01.2012, die Einschätzung von unserem Kollegen Daniel Haase dazu zu hören. Er wird in einem Vortrag unter dem Titel "Bärenmarkt oder Hausse?" einen Ausblick auf die Trends 2012 geben und über die bereits erwähnte 27. Internationale Kapitalanlegertagung in Zürich berichten, an der er teilnahm. Weitere Informationen zum Tradertreffen finden Sie hier.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

© 2012 Börse-Intern
Software vor dem Comeback – diese 5 Aktien könnten durchstarten!
Während Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte von einem Hoch zum nächsten jagen, wurden viele Software-Aktien in den vergangenen Monaten regelrecht aus den Depots gedrängt. Die Angst vor Disruption hat Investoren zu einem radikalen Strategiewechsel veranlasst – mit der Folge, dass zahlreiche Qualitätsunternehmen heute auf Mehrjahrestiefs notieren.

Doch genau hier entsteht eine seltene Chance. Denn während die Bewertungen im Halbleitersektor inzwischen auf ambitionierten Niveaus liegen, ist der Bewertungsabschlag bei Software-Titeln so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig liefern viele Unternehmen weiterhin starke Wachstumszahlen und integrieren KI erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle. Die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und operativer Stärke könnte sich schon bald auflösen.

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