--Gewinn sinkt um ein Zehntel, schwaches Investmentbanking belastet
--Bereinigte Eigenkapitalquote mit 6,6 Prozent enttäuscht
--Renditeziel von 13 Prozent 2013 könnte verfehlt werden
--Bonuspool um ein Drittel gekürzt
(NEU: Infos zu Dividende, Boni, Aktienkurs)
Von Max Colchester DOW JONES NEWSWIRES
LONDON (Dow Jones)--Das schwächere Geschäft im Investmentbanking hat auch die britische Bank Barclays im vergangenen Jahr belastet. Der einstige Gewinntreiber verbuchte angesichts des schwierigen Marktumfelds einen Einbruch und ließ den Konzerngewinn um fast ein Zehntel sinken. Ihr kurzfristiges Renditeziel stellte die Bank zudem in Frage. Die Boni für die Mitarbeiter kürzte Barclays dem Branchentrend folgend deutlich - die Dividende wurde dagegen erhöht.
Wie zuletzt auch Credit Suisse, UBS und Deutsche Bank strich Barclays den Pool an Aktien und Barmitteln für Bonuszahlungen an die Mitarbeiter um fast ein Drittel auf 1,5 Milliarden Pfund zusammen. Die Barkomponente der Boni wird bei 65.000 Pfund pro Person im Investmentbanking gekappt.
Wie genau der restliche Teil der Vergütung gezahlt werde, sei unklar. Kreisen zufolge dürften die Barclays-Boni damit unter den niedrigsten der großen Investmentbanken sein. Morgan Stanley hatte den Mitarbeitern im Januar angekündigt, die Barkomponente auf 125.000 US-Dollar zu begrenzen, wie von anderen informierten Personen zu hören war.
Barclays-CEO Diamond äußerte sich nicht dazu, ob er selbst für das vergangene Jahr einen Bonus erhält. "Es geht hier um die Jahreszahlen", sagte er.
Hohe Zusatzvergütungen erscheinen angesichts des schlechten Abschneidens der Finanzhäuser im Sog der Finanzkrise nicht mehr opportun. Die Chefs der Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking Group hatten wegen des politischen Drucks auf ihre Boni verzichtet. Im Gegensatz zu den heimischen Konkurrenten musste Barclays in der Krise allerdings nie direkte Staatshilfen in Anspruch nehmen. Folglich kann auch die britische Regierung keinen Druck auf das Institut ausüben, die Zahlungen zu senken.
Diamond erklärte jedoch, es sei wichtig in Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung der Banker-Gehälter "sensibel zu bleiben". "Wir müssen der öffentlichen Stimmung Rechnung tragen."
Auf Konzernebene fiel der Nettogewinn 2011 um 8 Prozent auf 3 Milliarden britische Pfund. Enttäuscht hat das Geldhaus auch bei der Eigenkapitalrendite. Die von Investoren und Analysten stark beachtete Kennziffer fiel auf 6,6 von 6,8 Prozent. CEO Bob Diamond bezeichnete dies als "inakzeptabel". Die für 2013 anpeilte Rendite von 13 Prozent könnte möglicherweise verfehlt werden, warnte er. Trotz des Gegenwindes sei dieser Wert aber weiterhin "das richtige Ziel".
Bei Barclays Capital, traditionell für kräftige Gewinne bekannt, sank das Vorsteuerergebnis um ein Drittel auf 2,97 Milliarden Pfund. Wegen der unsicheren Lage in der Eurozone hätten sich die Kunden mit ihren Kapitalmarktgeschäften zurückgehalten. Die Kosten will das Management nun weiter senken, um die Profitabilität zu erhöhen.
Aus dem Jahresbericht gibt es aber auch Positives zu berichten: Im Privatkundengeschäft erzielte Barclays höhere Gewinne. Diese reichten aber nicht aus, den Gewinnrückgang im Investmentbanking zu kompensieren.
Von den Zahlen zeigten sich Marktteilnehmer enttäuscht. Sie sind nach Aussage von Guardian Stockbrokers "unter Erwartung" ausgefallen. "Wie zu erwarten, leidet das Investmentbanking von Barclays - wie bei den Wettbewerbern", so die Analysten. Die Anhebung der Dividende sei sicherlich leicht positiv. Barclays hat die Ausschüttung um 9 Prozent auf 6 Pence je Aktie erhöht.
Die Barclays-Aktie handelte um die Mittagszeit 4,8 Prozent im Plus bei 244,17 Pence.
-Von Max Colchester, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 72 51 10, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/kla/sha
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February 10, 2012 06:04 ET (11:04 GMT)
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