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DEVISEN-AUSBLICK/Kein Athener Selbstmord aus Angst vor dem Tod

Von Jörg E. Jäger 
DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--In den kommenden Tagen steht das Endspiel um die griechische Mitgliedschaft im Euroraum an. Zwar sind angeschlagene Boxer erfahrungsgemäß gefährlich, dass die bei den Verhandlungen um Schuldenschnitt und Rettungspaket in die Ecke getriebenen Hellenen jedoch gleich Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen werden, ist aber wenig wahrscheinlich. Daher dürfte Athen das bis Mittwoch laufende Ultimatum der Geber erfüllen. Die Gemeinschaftswährung allerdings wird davon nicht mehr profitieren, ist ein abermaliges Hilfsprogramm für Griechenland doch bereits eingepreist.

Angesichts des auf einen weiteren Höhepunkt zusteuernden Dramas um Hellas bleibt den für die kommende Woche avisierten makroökonomischen Kennziffern lediglich die Statistenrolle. Den Auftakt macht am Dienstag in Deutschland der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen. Volkswirte rechnen für Januar mit einem Anstieg auf minus 15,0 von minus 21,6 Punkten im Januar. Manchen Ökonomen gilt der Indikator als guter Vorläufer des als wichtiger erachteten ifo-Geschäftsklimaindex, der am 23. Februar auf dem Programm steht.

Aus den USA wird ebenfalls am Dienstag der Umsatz des Einzelhandels im ersten Monat des laufenden Jahres erwartet. Für Volkswirtschaften wie die US-Ökonomie, die den Feldversuch unternehmen, ohne Verarbeitendes Gewerbe zu bestehen, ist der Private Konsum überlebenswichtig. Volkswirte rechnen für Januar mit einem Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 0,7 Prozent binnen Monatsfrist. Für den guten Start 2012 dürften vor allem die Autohändler gesorgt haben. Sie verkauften auf das Jahr hochgerechnet 14,1 Millionen Fahrzeuge, 4,7 Prozent mehr als im Dezember. Dies war der stärkste Absatz seit dem Frühjahr 2008, sieht man von der durch die Abwrackprämie zwischenzeitlich ausgelösten Spitze einmal ab. Da der Benzinpreis im Januar um 3 Prozent anzog, dürften auch Umsätze an den Tankstellen deutlich zugelegt haben.

Am Mittwoch steht dann die US-Industrieproduktion auf der Agenda. Sie sollte im Januar angesichts der Kauflust der Privaten Verbraucher um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen sein. Im Verarbeitenden Gewerbe zog die Fertigung angesichts des Anstiegs der Arbeitsstunden um 1,3 Prozent wohl sogar noch stärker an. Bremsspuren dürfte jedoch die Produktion der Energieversorger hinterlassen haben, die aufgrund des milden Winters wohl den sechsten Monat in Folge zurückgegangen ist.

Ebenfalls zur Wochenmitte werden die Schnellschätzungen zum Wirtschaftswachstum im Euroraum im vierten Quartal erwartet. Während das deutsche Bruttoinlandsprodukt um lediglich 0,3 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr gesunken sein dürfte, wird die Wirtschaftsleistung Italiens wohl gleich um 0,7 Prozent zurückgegangen sein. Für das gesamte Gemeinsame Währungsgebiet erwarten Ökonomen ein Minus von 0,3 Prozent.

Mit dem Empire-State-Manufacturing-Index ist darüber hinaus der erste regionale US-Stimmungsindikator für Februar avisiert. Hier lautet der Volkswirtekonsens auf plus 14,5 nach plus plus 13,5 Punkten. Der Index misst die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe der Region New York. Das als weniger volatil und damit aussagekräftiger geltende Pendant für die Region Philadelphia steht am Donnerstag auf dem Programm. Ökonomen rechnen mit plus 8,4 nach plus 7,3 Punkten im Vormonat. Beide Stimmungsindikatoren gelten als wichtige Vorläufer des landesweiten ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe, der für den 1. März angekündigt ist.

Die Protagonisten in den kommenden Tagen werden allerdings ohne Zweifel die Hellenen sein. Denn nachdem sich die Geber angesichts der vorangegangenen Enttäuschungen entschlossen haben, Athen noch stärker an die Kandare zu nehmen, müssen sie bis Mittwoch beweisen, dass sie die beschlossenen Sparmaßnahmen auch umsetzen können. Dabei sind drei Bedingungen zu erfüllen: Das Parlament muss am Sonntag dem mit der EU und dem IWF ausgehandelten Abkommen zustimmen. Zudem müssen 2012 weitere 325 Millionen Euro eingespart werden. Und schließlich müssen sich alle Athener Regierungsparteien schriftlich zum Spar- und Reformprogramm bekennen.

Allerdings hat der Führer der rechts-populistischen LA.O.S, Giorgios Karatzaferis, bereits angekündigt, er werde keine "Demütigung" des Landes hinnehmen und nicht zustimmen. Doch das kann nicht sonderlich überraschen, steht die Mehrheit für die Zustimmung doch rechnerisch auch ohne LA.O.S. Und angesichts des im April anstehenden Urnengangs macht solch patriotisches Gehabe beim Wahlvolk einen schlanken Fuß.

Doch letztlich werden es sich die Griechen auch unabhängig davon sehr genau überlegen, ob sie nicht das Lied derjenigen singen wollen, deren Brot sie essen. Denn die Alternative wäre wohl noch schmerzhafter, das zeigt der Blick nach Argentinien, das nach dem Staatsbankrott 2001 kurz vor einem Bürgerkrieg stand. Und letztlich war auch Zeus so sehr in Europa verliebt, dass er mit ihr drei Kinder zeugte.

-Von Jörg E. Jäger, Dow Jones Newswires; 
 + 49 (0)69 29 725 221, joerg.jaeger@dowjones.com 
 DJG/jej/flf 

(END) Dow Jones Newswires

February 10, 2012 10:11 ET (15:11 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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