19. April. Investitionen in neue Chip-Generationen sollen Intels Position im Markt für Notebooks und Smartphones voranbringen, beim Rennen um die Pfizer-Babynahrungssparte scheint Nestlé im Vorteil, bei Ebay sorgt PayPal für gute Laune und Goldman Sachs könnte ein massives Aktienrückkaufprogramm starten.
Steigende Nervosität über das erneute Hochkochen der Eurokrise bestimmt laut Spezialisten im Handel für Auslandsaktien das Bild an den internationalen Aktienmärkten. Derzeit beschäftigten sich Börsianer wieder intensiver mit der Bonität Spaniens und Italiens. Die aktuelle Euphorie nach erfolgreicher Platzierung spanischer Staatsanleihen in dieser Woche hält Walter Vorhauser für ein eher kurzes Intermezzo. "Denn der Internationale Währungsfonds wägt spanische Banken in Not und ist besorgt über möglicherweise zusätzlich benötigte Finanzspritzen für den Sektor", erklärt der Händler der Close Brothers Seydler Bank.
"Die Unternehmenszahlen vom ersten Quartal diesen Jahres fallen hingegen bislang überwiegend positiv aus", bemerkt Roland Stadler von der Baader Bank. Auf den zweiten Blick erkennt Vorhauser auch hier Wermutstropfen. Bisher hätten Unternehmen wie Intel und IBM die guten Ergebnisse auch durch ein starkes Drehen an der Kostenschraube erreicht. Nun stünden größere Investitionen in Forschung und Entwicklung an, um Innovationen voranzutreiben und so den Wachstumsmotor in Gang zu halten." Das werde an den Gewinnen zehren. Insbesondere an den Aktienmärkten in den USA wurde eine Fortsetzung der jüngsten Unternehmenserfolge vielfach vorweggenommen, meint Vorhauser.
Intel-Zahlen überzeugen nicht ganz
Diese zusätzlichen Forschungsaufwendungen machten sich bei Intel (WKN 855681) bereits bemerkbar. Bei gleichbleibenden Umsätzen musste sich der US-Chipgigant im ersten Quartal 2012 mit einem von 3,16 Milliarden auf 2,74 Milliarden US-Dollar geschrumpften Gewinn zufrieden geben, wie Vorhauser berichtet. Der Aktienkurs gab nach Veröffentlichung der Ergebnisse zwischenzeitlich um 3 bis 4 Prozent auf 21,20 Euro nach. Vorhauser vermutet dahinter überwiegend Gewinnmitnahmen. Seit Jahresbeginn stünde ein Plus von 50 Prozent zu Buche. Außerdem sei der Technologiekonzern auf einem guten Weg.
Mit der nächsten Generation von Server-Chips will Intel vom stetig wachsenden Datenverkehr profitieren, neue Ivy Bridge-Chips sollen den Markt für extrem leichte Notebooks, die Intel als 'Ultrabooks' anbietet, bedienen. Für das Smartphone-Geschäft konzentriere sich der Konzern auf die Einführung der neuen Generation von Atom-Chips, um dem Stromspar-Chips des britischen Platzhirschen ARM (WKN 913698) Paroli bieten zu können
Nestlé - die Nase vorn für Übernahme von Pfizer-Babynahrung
Bis zu zehn Milliarden US-Dollar will sich Nestlé (WKN A0Q4DC) die Babynahrungssparte von Pfizer (WKN 852009) kosten lassen und damit insbesondere seine Position in den Schwellenländern stärken, wie Stadler berichtet. Der Schweizer Lebensmittelkonzern scheine die Nase vor dem Bieterkonsortium Danone (WKN 851194) und Mead Johnson (WKN A0RFXZ) zu haben. "Die Transaktion könnte der weltgrößte Lebensmittelkonzern mit den Erlösen aus dem Verkauf des Augenmittelherstellers Alcon stemmen", bemerkt Stadler. Rund 2,1 Milliarden US-Dollar habe Pfizer im dynamischen Geschäft mit Babynahrung zuletzt umgesetzt, davon rund 70 Prozent in den Schwellenländern, insbesondere China.
Ebay-Tocher PayPal zieht davon
Florierende Geschäft bei Ebay (WKN 916529) und insbesondere der Bezahltochter PayPal beschert Aktionären ein deutliches Plus der Aktie von 6 Prozent nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das erste Quartal. Der US-Online Marktplatz überraschte mit einem Umsatzschub von 29 Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn lag bei 55 Cent pro Aktie oder 570 Millionen US-Dollar. "Insbesondere das elektronische Bezahlsystem PayPal entwickelt sich immer mehr zur Goldgrube", bemerkt Roland Stadler. PayPal wachse schneller als der Marktplatz. Der Jahresumsatz von Ebay insgesamt solle nun auf 14,1 Milliarden US-Dollar klettern. Zuvor seien 11,7 Milliarden US-Dollar im Gespräch gewesen.
Als Vorreiter der elektronischen Bezahlsysteme freue sich PayPal inzwischen über annähernd 110 Millionen Konten. Mittlerweile könnten Kunden auch in ersten Läden vor Ort wie etwa 2.000 US-Baumärkten von Home Depot über PayPal bezahlen. Steigende Umsätze vermelden zudem American Express (WKN 850226) und Amazon (WKN WKN 906866), der größte Marktplatz-Konkurrent von Ebay, der zuletzt ebenfalls rasant gewachsen sei. "Zumindest bei diesen Anbietern ist von Konsumschwäche nichts zu spüren", meint Stadler.
Massives Aktienrückkaufprogramm bei Goldman Sachs
Insbesondere ein erstarktes Investment Banking bescherte dem Bankhaus Goldman Sachs (WKN 920332) im ersten Quartal mit 2,1 Milliarden US-Dollar doppelt so viel Gewinn wie im Schlussquartal 2011. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stünde ein Minus von 23 Prozent zu Buche. "Die Rückzahlung einer früheren Geldspritze von Warren Buffet im vergangenen Jahr macht sich bemerkbar", weiß Vorhauser. Mit 1,15 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu 1,27 Milliarden US-Dollar Dollar im Vorjahreszeitraum habe das Investment Banking über Erwarten zu den Gewinnen beigetragen. An seine Aktionäre schütte das 32.400 Mitarbeiter starke Unternehmen eine erstmals seit 2006 höhere Quartalsdividende von 46 Cent aus.
Wie von der US-Börsenaufsicht gefordert, habe Goldman Sachs seine Risiken von 29 auf 16 Prozent insbesondere durch Verkäufe von Beteiligungen etwa an der chinesischen Bank ICBC verringert sowie Aktien in Höhe von 362 Millionen US-Dollar zurückgekauft. "Insgesamt ist ein 60,3 Millionen Aktien schweres Aktienrückkaufprogramm von den US-Behörden genehmigt worden."
© 19. April 2012 / Iris Merker
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