Von Ursula Quass und Markus Klausen
Siemens reagiert mit einer Rosskur auf die schwache Profitabilität und den hohen Kostendruck. Deutschlands Technologieriese will bis 2014 insgesamt 6 Milliarden Euro sparen. Damit soll die Rentabilität deutlich steigen. Im Geschäftsjahr 2013/14 wollen die Münchener eine Marge von mindestens 12 Prozent nach 9,5 Prozent im abgelaufenen Jahr erreichen.
Der DAX-Konzern will damit verlorenes Terrain im Vergleich zu Wettbewerbern wieder aufholen. Zu einem möglichen Jobabbau machte Siemens bisher keine Angaben.
Aber nicht nur sparen hat sich Siemens auf die Fahnen geschrieben. Die Münchener wollen auch durch Zukäufe und einen Umbau des Portfolios zulegen. Dazu soll das wichtige Industriesoftwaregeschäft mit der Übernahme des belgischen Konzerns LMS für rund 680 Millionen Euro gestärkt werden. Im Industry-Sektor will Siemens das Wassergeschäft neu ordnen. Künftig will sich der Konzern auf das Automatisierungtechnik fokussieren und das Geschäft mit Wasseraufbereitung verkaufen.
Siemens-Chef Peter Löscher hatte den Konzern schon bei Vorlage der schwachen Zahlen zum dritten Quartal im Sommer auf einen Sparkurs eingestimmt. Seitdem geht die Angst bei den Siemens-Mitarbeitern um. In der Presse war über den Abbau tausender Stellen spekuliert worden.
Einzelne Elemente des Programms hatten die Münchener schon in den vergangenen Wochen mitgeteilt. Zwei Jahre läuft die Rosskur, mit der unter anderem die Kernaktivitäten gestärkt werden sollen. Löscher hatte zwar zuletzt betont, Jobstreichungen seien nicht der Ausgangspunkt des Programms. "Wir geben eben keine Arbeitsplatzzahl vor, sondern legen Handlungsfelder fest." Grundsätzlich ausgeschlossen hatte der Siemens-Chef einen Stellenabbau aber nicht.
Siemens ist im Vergleich zu seinen Rivalen zuletzt ins Hintertreffen geraten. Wettbewerber wie der US-Konzern General Electric oder die Schweizer ABB hatten eine deutlich bessere Entwicklung aufzuweisen. Die Münchener mussten im Jahresverlauf einen massiven Auftragseinbruch verkraften und hatten ihre Jahresprognose über den Haufen geworfen.
Analysten hatten die Schwierigkeiten des Konzerns vorwiegend als hausgemacht bezeichnet. Siemens habe sich zu sehr auf Umsatzwachstum konzentriert, zum Teil zu Lasten der Margen. Doch trotz konjunktureller Warnzeichen investierte Siemens bis zuletzt stetig in weiteres Wachstum, das aber zunehmend ausblieb. So hatte der Konzern allein seit April 2011 insgesamt 23.000 Mitarbeiter eingestellt, davon allein 6.000 in Deutschland. Weltweit beschäftigt Siemens etwa 360.000 Mitarbeiter.
Allein ist Siemens mit seinem Sparprogramm nicht. Die Wettbewerber haben sich ebenfalls Einsparziele auf die Fahnen geschrieben. So wollen Philips aus den Niederlanden und Schneider Electric aus Frankreich ihre Kosten bis 2014 jeweils um 1,1 Milliarden Euro drücken. Das geht bei Philips mit dem Abbau von weltweit rund 6.700 Stellen einher. Der Schweizer Technologiekonzern ABB hat vom zweiten Quartal 2009 bis Ende 2011 bereits 4,1 Milliarden Euro eingespart.
Siemens holt damit nun das nach, was die Rivalen schon auf den Weg gebracht haben.
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November 08, 2012 01:00 ET (06:00 GMT)
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