PLATINMARKT IM LETZTEN JAHR WIEDER MIT ÜBERHANG
MARKTPROGNOSE ERWARTET ÜBERANGEBOT AUCH FÜR 2012
Die Bruttonachfrage nach Platin verzeichnete 2011 einen Anstieg um 2 Prozent auf 251,8 Tonnen mit Wachstum in allen Branchen mit Ausnahme des Investment-Sektors, so das Ergebnis des Berichts "Platinum 2012", der heute von Johnson Matthey veröffentlicht wurde. Die Lieferungen erreichten mit 201,6 Tonnen ein Vierjahres-Hoch. Sie wurden in der zweiten Jahreshälfte ergänzt durch die Freigabe von Beständen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen aus Südafrika, während die Recyclingbestände einen Anstieg auf 63,6 Tonnen verzeichneten. Daher konnte auf dem Platinmarkt wieder ein Überhang von 13,4 Tonnen festgestellt werden.
Das weltweite Angebot an Platin verzeichnete im letzten Jahr eine Zunahme um 7 Prozent auf 201,6 Tonnen. Die zugrunde liegende Produktion in Südafrika ging um ca. 3,7 Tonnen zurück. Metall-Lieferungen aus Beständen führten jedoch dazu, dass sich die Gesamtlieferungen aus Südafrika um 5 Prozent auf 151,0 Tonnen erhöhten. Ein steiler Anstieg der Fördermengen in Nordamerika im Anschluss an die Schließungen im Jahr 2010 und neue Kapazitäten und Kapazitätserweiterungen in Simbabwe trugen gemeinsam zu einer signifikanten zusätzlichen Produktionssteigerung bei.
Die Bruttonachfrage nach Platin für Autokatalysatoren stieg um 1 Prozent auf 96,6 Tonnen. Der Ankauf von Platin für schwere Lkw-Dieselfahrzeuge stieg im letzten Jahr um 27 Prozent auf 16,0 Tonnen. Ein großer Teil dieses Wachstums ist auf den Nachholbedarf bei der Nachfrage nach großen Lastkraftwagen in Nordamerika zurückzuführen, wo viele Fuhrparkbetreiber nach der Rezession der Jahre 2009-2010 wieder auf den Markt zurückkehrten. Aufgrund der Substitution durch Palladium bei Abgasnachbehandlungssystemen für leichte Fahrzeuge und der nachlassenden Nachfrage japanischer Hersteller infolge des großen Erdbebens im Osten Japans kam Platin jedoch seltener zum Einsatz.
Der Ankauf von Platin für industrielle Anwendungen verzeichnete einen Anstieg um 17 Prozent auf 63,6 Tonnen. Die Erholung von der Rezession in entwickelten Märkten und das rasche Wachstum in Schwellenländern führten zu einer Phase des Kapazitätsaufbaus in vielen Industriesektoren. Insbesondere die Nachfrage nach LCD-Bildschirmen in der Unterhaltungselektronik-Branche führte zum Bau einer Reihe neuer Schmelzwannen in Asien, die für die Herstellung von LCD-Glas benötigt werden.
Schmuckhersteller kauften im letzten Jahr 77,1 Tonnen Platin. In der zweiten Jahreshälfte, als die Platinpreise nachgaben und Gold zu Spitzenpreisen gehandelt wurde, initiierten chinesische Hersteller einen Wachstumsschub, als sie die Bruttogesamtnachfrage nach Schmuck für das ganze Jahr um 2 Prozent auf 52,3 Tonnen ansteigen ließen. In Indien führten das gestiegene Platin-Einzelhandelsangebot und das günstige Verbraucherverhalten zu einem Anstieg der Nachfrage nach Platinschmuck um ein Drittel auf 2,5 Tonnen.
Die Nachfrage nach physischem Platin- Investitionen blieb positiv, lag jedoch mit 14,3 Tonnen um 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Es gab Nettoinvestitionen in börsengehandelte Fonds (ETF), die tendenziell in Phasen steigender Preise verwirklicht wurden. Umfangreiche Käufe großer Platinbarren durch japanische Investoren wurden dagegen erneut in Phasen rückläufiger Preise getätigt.
Das Recycling von Platin verzeichnete ein Wachstum um 12 Prozent auf 63,6 Tonnen. Die Platinrückgewinnung aus Altkatalysatoren stieg im letzten Jahr um 4,4 Tonnen auf 38,1 Tonnen, da mehr füllstoffreiche Katalysatoren aus ausrangierten Fahrzeugen gesammelt und aufbereitet wurden. Stimuliert von höheren Metalldurchschnittspreisen verzeichnete das Recycling von Platin im Schmucksektor eine Steigerung um 10 Prozent auf 25,2 Tonnen.
Die Bilanz auf dem Platinmarkt wird in diesem Jahr voraussichtlich insgesamt ähnlich ausfallen wie im Vorjahr. Ein vergleichsweise niedriges Niveau der Bestände in Südafrika nach dem umfangreichen Abbau im letzten Jahr beeinträchtigt nun die Flexibilität der Branche, ihre Versorgung mit Metall aus Lagerbeständen sicherzustellen. Die jüngsten Produktionsstörungen durch Streiks und Arbeitsunterbrechungen vergrößern die Wahrscheinlichkeit eines geringeren Angebots in diesem Jahr. Flaue Nachfrage nach Autokatalysatoren und eine moderate Kaufbereitschaft im Hinblick auf zyklische Industrieanwendungen sollten einen leichten Rückgang der Bruttonachfrage nach sich ziehen. Der Platinmarkt wird voraussichtlich auch 2012 durch einen Überhang gekennzeichnet sein. Der Preis pro Unze wird in den nächsten sechs Monaten wahrscheinlich zwischen 1.450 und 1.750 US-Dollar liegen. Dies entspricht einem Durchschnittspreis von 1.600 US-Dollar.
PALLADIUMMARKT IM LETZTEN JAHR MIT ÜBERANGEBOT
MARKT BEWEGT SICH 2012 WIEDER AUF EIN DEFIZIT ZU
Der Palladiummarkt war im Jahr 2011 durch einen Überhang von 39,0 Tonnen gekennzeichnet. Obwohl die Nachfrage nach Autokatalysatoren und die industrielle Nachfrage nach Palladium zulegten, trugen die Verkäufe aus russischen Staatsbeständen sowie eine große freigesetzte Metallmenge aus börsengehandelten Fonds dazu bei, dass der Palladiummarkt im letzten Jahr durch ein Überangebot gekennzeichnet war.
Das Palladiumangebot blieb 2011 mit 228,9 Tonnen nahezu unverändert. Erneut wurden beträchtliche Palladiummengen aus russischen Staatsbeständen verkauft. Das Volumen dieser Lieferungen war mit 24,1 Tonnen jedoch auf dem niedrigsten Stand seit einigen Jahren. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr kompensierte weitgehend das Wachstum der Primärausbeute in Nordamerika und Simbabwe. In Südafrika führte die Aufstockung der Bestände seitens der Hersteller zu einem geringeren Angebot, während die Primärausbeute in Russland weitgehend unverändert blieb.
Die Bruttonachfrage nach Palladium ging im letzten Jahr um 13 Prozent auf 262,8 Tonnen zurück. Die Kaufneigung auf dem Kernmarkt Autokatalysatoren und im Industrie-Sektor verzeichnete einen Anstieg. Diese Märkte machen 94 Prozent der Bruttonachfrage aus. Der gegenüber dem Vorjahr beobachtete Rückgang der Nachfrage im Jahr 2011 war in erster Linie auf den Investment-Sektor zurückzuführen, der nach einer extrem hohen Nettonachfrage im Jahr 2010 (mehr als 30 Tonnen) nun praktisch über 17 Tonnen in den Markt zurückführte.
Die Bruttonachfrage nach Palladium für Autokatalysatoren erreichte 2011 mit 187,6 Tonnen ein neues Rekordniveau. Höhere Fahrzeugzahlen in allen Ländern mit Ausnahme von Japan sowie die zunehmende Verwendung von Palladium für Autokatalysatoren leichter Diesel-Fahrzeuge vergrößerten die Nachfrage nach Palladium zur Emissionsbegrenzung.
Die Nachfrage nach Palladium im Rahmen von Industrieanwendungen legte 2011 leicht zu und erreichte 77,1 Tonnen. Die erholte Nachfrage in der chemischen Industrie in China führte zu neuen Bestellungen von Palladium-Prozesskatalysatoren. In der Elektrobranche war die Nachfrage nach Palladium rückläufig, da kostengünstigere Alternativen den Palladium-Marktanteil reduzierten.
In der weltweiten Schmuckbranche war die Nachfrage nach Palladium 2011 erneut rückläufig. Auf dem Schlüsselmarkt China war Palladium weiterhin nicht gut positioniert. In Europa und Nordamerika reagierte die Nachfrage auf gestiegene Preise. Palladium wurde durchschnittlich um 39 Prozent höher bewertet als 2010, was dazu führte, dass Hersteller ein geringeresGewicht und Legierungen mit geringerem Feingehalt anboten, um die gestiegenen Einzelhandelspreise aufzufangen.
Die Nachfrage nach Investitionen in Palladium fiel 2011 in den negativen Bereich, denn 17,6 Tonnen wurden in den Markt zurückgeführt. Umfangreiche ETF-Liquidierungen, insbesondere im letzten Quartal des Jahres, als die Preise rückläufig waren, ließen die physische Investitionsnachfrage zum Jahresende stark negativ ausklingen. Dies stand im Gegensatz zu den hohen Nettoinvestitionen des Vorjahres.
Das Recycling von Palladium in den Bereichen Autokatalysator, Elektronik und Schmuck nahm um 15,4 Tonnen auf 72,9 Tonnen zu. Die Aufbereitung von ausrangierten Fahrzeugen verzeichnete eine Zunahme um 26 Prozent auf 51,5 Tonnen, da füllstoffreiche Katalysatoren aus Benzinfahrzeugen dem Recycling zugeführt wurden, insbesondere in Nordamerika. Das Palladiumschmuck-Recycling konnte aufgrund der Rückgabe nicht verkaufter Einzelhandelsbestände und alter Schmuckstücke mehr als verdoppelt werden.
Der Palladiummarkt wird sich in diesem Jahr voraussichtlich wieder auf ein Defizit zubewegen. Wir gehen von einem weiteren Jahr mit Verkäufen aus russischen Staatsbeständen aus, wenn auch in weit geringerem Umfang als im Vorjahr. Diese repräsentieren den Großteil der verbliebenen staatlich kontrollierten Bestände. Die Bruttonachfrage nach Palladium für Autokatalysatoren wird aller Voraussicht nach infolge zunehmender Verkaufszahlen bei Benzinern und zunehmender Verwendung des Metalls zur Emissionskontrolle bei leichten Dieselfahrzeugen weiter steigen. Dies wird zu einer leichten Zunahme der Gesamtbruttonachfrage führen und den Markt auf ein Defizit zubewegen. Die positiven Grundtendenzen werden in den nächsten sechs Monaten wahrscheinlich zur Stabilisierung des Preises zwischen 620 US-Dollar und 800 US-Dollar pro Unze beitragen. Dies entspricht einem Durchschnittspreis von 715 US-Dollar.
"Platinum 2012" ist die jüngste kostenlose Markterhebung von Johnson Matthey zu Platinmetallen. Johnson Matthey ist die weltweit führende Autorität im Bereich der Produktion, Lieferung und Nutzung von Platinmetallen.
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