STUTTGART (Dow Jones)--Der Celesio-Chef Markus Pinger hat auf der Hauptversammlung des Pharmagroßhändlers für seinen Kurs geworben. "Wir wollen die negative Ergebnisentwicklung schnell stoppen und wieder in eine positive Entwicklung drehen", sagte der Vorstandsvorsitzende auf seiner ersten Hauptversammlung in Stuttgart. Das laufende Jahr 2012 bezeichnete er als "Übergangsjahr". An erster Stelle steht dabei die Stabilisierung der Ergebnisse.
Der ehemaliger Beiersdorf-Manager hatte den Konzern im vergangenen Sommer inmitten einer handfesten Krise übernommen und ihm eine strategische Neuausrichtung verordnet. Mit einem Mix aus Spar- und Strukturmaßnahmen will Pinger den Konzern wieder auf Kurs bringen: Dazu gehören die Konzentration auf die Kerngeschäfte Pharmagroßhandel und Apotheken und der Verkauf des Dienstleistungsbereichs Manufacturer Solutions. Auch die Versandapotheke DocMorris steht zum Verkauf, nachdem die Übernahme für Streit mit der Stammkundschaft - den Apothekern - geführt hatte.
Zur Neuausrichtung gehört auch der Aufbau eines Apothekennetzwerkes, die Pilotphase ist für 2013 geplant. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Expansion in Schwellenländer, etwa Brasilien, wo sich Celesio bereits mit den Unternehmen Panpharma und Oncoprod ein Standbein geschaffen hat. Aber auch Sparmaßnahmen stehen auf dem Programm, der Konzern soll schneller, schlanker und effizienter werden, unter anderem durch die Bündelung der Einkaufsaktivitäten.
Die geplanten Verkäufe verteidigte Pinger: Die übernommenen Unternehmen Movianto oder Pharmexx hätten die Erwartungen nicht erfüllt. Der Geschäftsbereich Manufacturer Solutions habe sich zu keinem tragfähigen Standbein für Celesio entwickelt. 2011 lag der Ergebnisbeitrag aus diesem Bereich bei weniger als einem Prozent.
Nach einer langjährigen Wachstumsphase mit zahlreichen Übernahmen habe sich die bis 2007 positive Entwicklung Celesios ins Gegenteil verkehrt, sagte Pinger. In den vergangenen vier Jahren habe sich das Ergebnis vor Steuern mehr als halbiert, zugleich mussten auf Firmenwerte mehr als 700 Millionen Euro abgeschrieben werden. Der Versuch, jenseits des Kerngeschäfts neue Gewinnquellen zu erschließen, sei erfolglos geblieben, kritisierte der Manager.
Die zunehmenden Probleme gipfelten 2011 in drei Gewinnwarnungen und hohen Wertberichtigungen. Celesio musste einen herben Gewinneinbruch hinnehmen. Neben den Abschreibungen sorgte die Finanz- und Schuldenkrise für erhebliche Sparmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen und damit für schlechte Geschäfte des Unternehmens. Dazu belastete der scharfe Wettbewerb in Frankreich und Deutschland die Ergebnisse.
Doch nicht nur die schlechten Geschäfte sorgten für Unruhe: Mehrheitsaktionär Haniel lieferte sich einen handfesten Streit mit dem früheren Management um den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Fritz Oesterle über die strategische Ausrichtung. Haniel-Chef Jürgen Kluge forderte die Konzentration auf das Kerngeschäft. Spekulationen über einen Verkauf der Celesio-Beteiligung durch Haniel machten die Runde. An der Börse sank der Wert des Unternehmens unter den Buchwert.
Die Hauptversammlung im vergangenen Jahr war noch von einer hohen Emotionalität der Celesio-Aktionäre geprägt, die vor allem den Familienkonzern Haniel kritisierten und Oesterle den Rücken stärkten. Haniel setzte seine Linie schließlich durch: Oesterle, der den Expansionskurs fortsetzen wollte, musste schließlich seinen Hut nehmen.
Pinger soll nun das Ruder herumreißen. "Die langfristigen Perspektiven von Celesio sind gut und werden mit der Umsetzung unserer Strategie noch besser." Es werde jedoch kein leichter Weg, warnte Pinger. Weitere Herausforderungen warteten. "Um diese zu bewältigen, braucht dieses Unternehmen Ruhe und auch die notwendige Zeit", spielte Pinger auf die Querelen im vergangenen Jahr an. Er zeigte sich dabei überzeugt, dass "die Wende zum Positiven gelingt".
Erste Erfolge des neuen Kurses zeichneten sich bereits im ersten Quartal ab. Operativ kehrte das Unternehmen wieder zu einem Wachstum zurück - wenn allerdings auch nur auf bereinigter Basis. Erneute Abschreibungen auf Pharmexx verhinderten ein besseres Abschneiden.
-Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com DJG/nas/jhe
(END) Dow Jones Newswires
May 16, 2012 05:29 ET (09:29 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
