ATHEN (Dow Jones)--Immer mehr Griechen unterstützen die kompromisslose Haltung der linksradikalen Syriza-Partei im Streit um die Sparpolitik des Landes. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pulse kommt die Partei um Anführer Alexis Tsipras mittlerweile auf 22 Prozent der Stimmen und würde damit stärkste Kraft im Athener Abgeordnetenhaus. Tsipras lehnt die von den internationalen Geldgebern geforderten weiteren Einschnitte bei den Ausgaben vehement ab und fordert die Neuverhandlung der Bedingungen für die Hilfsgelder. Bei der jüngsten Parlamentswahl am 6. Mai wurde Syriza zweitstärkste Kraft und wollte sich bei den Koalitionsverhandlungen nicht an einer Regierung der nationalen Einheit beteiligen.
Gefolgt wird Syriza in den Umfragen von den jahrzehntelang dominierenden Parteien Pasok und Nea Dimkokratia. Beide hatten den brutalen Sparkurs mitgetragen und wurden von den Wählern abgestraft. Allerdings können sie in Umfragen leicht zulegen. Die sozialistische Pasok könnte jetzt 14 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, statt wie zuvor 13,2 Prozent. Die konservative Nea Dimokratia würde um knapp einen Prozentpunkt zulegen und käme auf 19,5 Prozent. In der aktuellen Umfrage wenden sich die Wähler von den kleinen Parteien am rechten wie linken Rand ab. Sie verlieren an Zustimmung, würden aber ins Parlament einziehen.
Unterdessen hat der am Mittwoch aus dem Amt geschiedene Ministerpräsident Lucas Papademos die Griechen vor einem Austritt aus der Eurozone gewarnt. Ein solcher Schritt sei ein "wirtschaftliches Desaster" und würde die Griechen vielleicht sogar die Mitgliedschaft in der Europäischen Union kosten. Er rief die Bürger dazu auf, die schmerzhaften Reformen weiter zu ertragen. Am Morgen wurde in Athen ein Experten-Kabinett um den Übergangspremier Panagiotis Pikrammenos vereidigt. Es soll das Land bis zu den Neuwahlen führen, die wahrscheinlich am 17. Juni stattfinden werden.
-Von Nektaria Stamouli und Jenny Paris, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, konjunktur.de@dowjones.com DJG/DJN/chg/mgo
(END) Dow Jones Newswires
May 17, 2012 08:33 ET (12:33 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.
