Von Christopher Bjork und David Roman DOW JONES NEWSWIRES
MADRID (Dow Jones)--Bei spanischen Banken brennt es an allen Ecken. Im März ist nun auch der Anteil notleidender Kredite auf den höchsten Stand seit 17 Jahren gestiegen. Wenig überraschend kletterten daraufhin am Freitag die Kosten für eine Absicherung gegen den Zahlungsausfall der beiden größten spanischen Banken auf einen Rekordstand. Am Donnerstag hatte eine Ratingagentur die Bonität eines Großteils der Branche herabgestuft. Spaniens Banken stehen fünf Jahre nach Ausbruch der Immobilienkrise noch immer vor großen Problemen.
Die Zentralbank teilte mit, dass inzwischen 8,37 Prozent aller Kredite bei Banken - das sind rund 148 Milliarden Euro - seit mindestens drei Monaten nicht mehr bedient werden. Zuletzt lag der Anteil im September 1994 so hoch. Einen Monat vorher waren es nur 8,3 Prozent. Die Gesamtzahl der faulen Kredite ist jetzt zehn Mal so hoch wie 2007, als der Immobilienboom in Spanien seinen Höhepunkt erreicht hatte.
Die deutliche Verschlechterung der Kreditbücher war einer der vier Gründe, mit der Moody's am späten Donnerstag die Abstufung von Banco Santander, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) und 14 anderen spanischen Banken begründete.
Der Preis für eine Kreditausfallversicherung (CDS) auf Santander und BBVA stieg am Freitag auf ein Rekordhoch. Auch die Zinskosten Spaniens blieben auf hohem Niveau: Die zehnjährige Anleihe rentierte deutlich über der Marke von 6 Prozent. Nervöse Anleger flüchten offenbar weiter in Anleihehäfen wie Deutschland, die als sicher gelten. Die Renditen für deutsche Kurzläufer lagen nur noch knapp über der Nulllinie. Spanische Aktien zeigen sich etwas stabiler um den Vortagesschluss.
"Die Ankündigung von Moody's wird die Erwartung verstärken, dass der spanische Staat auf Hilfe von außen angewiesen ist, um seine Bankenkrise in den Griff zu bekommen", urteilte ein Analyst der Lloyds Bank WBM.
Rezession in Spanien belastet Bankengeschäft
Die inzwischen amtliche Rezession in Spanien hat die Lage vieler einheimischer Banken deutlich verschlechtert. Analysten fürchten, dass der Staat nicht mehr in der Lage sein wird, die finanziellen Probleme des Finanzsektors zu lösen. Spanien kämpft schon jetzt mit einem zu hohen Haushaltsdefizit, einer schrumpfenden Wirtschaft und einer extrem hohen Arbeitslosigkeit.
In der vergangenen Woche hatte sich die Situation verschärft, die Regierung musste mit der Bankia SA eines der großen Kreditinstitute vor der Pleite retten. Die Bankia hält rund ein Zehntel aller spanischen Einlagen und Kredite und wurde kurzerhand verstaatlicht. Die Regierung bestritt Berichte, dass Bankia-Kunden ihre Konten räumten, rief sie allerdings zur Ruhe auf.
Zentralbankdaten zeigen, dass die Einlagen bei spanischen Banken im März gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr aber um vier Prozent auf 1,16 Billionen Euro zurückgegangen sind. Der leichte Abwärtstrend seit Juli vergangenen Jahres setzt sich damit fort. Damals hatte die spanische Regierung ein Gesetz verabschiedet, dass es für Banken teurer machte, Hochzinskonten anzubieten. Sie wollte damit verhindern, dass die Banken zu sehr ihre Margen strapazieren, um an Kundengelder heranzukommen.
Angesichts der Schwierigkeiten, neue Kundengelder und erneuerte Finanzierungslinien von ausländischen Investoren zu bekommen, sind spanische Banken immer stärker auf Gelder der Europäischen Zentralbank angewiesen. Auch darauf wies Moody's jetzt hin.
Spanischer Staat kann wohl nicht mehr helfen
Moody's begründete ihre Ratingsenkungen um ein bis drei Stufen zudem mit der geminderten Fähigkeit der spanischen Regierung, ihre Banken finanziell zu unterstützen. Die Aktienkurse der spanischen Banken - einschließlich BBVA und Santander - zeigten sich am Freitag von der Abstufung jedoch unbeeindruckt und erholten sich.
Der spanische Leitindex IBEX schloss mit 0,4 Prozent im Plus. Die Aktie von Bankia haussierte sogar um über 23 Prozent, nachdem sie am Vortag um 14 Prozent nachgegeben und bereits zehn Tage mit Verlusten hinter sich hatte. Die Papiere von BBVA und Santander schlossen nach den jüngsten Abschlägen mit einem Plus von 3,7 und 3,0 Prozent.
Laut Finanzzeitung Cinco Dias haben spanische Banken die Börsenaufsicht gebeten, zeitweilig wieder Leerverkäufe bei den einheimischen Bankentiteln zu verbieten, um die Kurse zu stützen. Im Februar war dieses Verbot aufgehoben worden.
Die Börsenaufsicht wollte diesen Bericht nicht kommentieren. Ein Sprecher des Sparkassenverbandes CECA sagt, man habe nicht nach einem Verbot gerufen. Die AEB, ein weiterer Bankenverband, war für einen Kommentar zunächst nicht erreichbar.
- Von Christopher Bjork und David Roman, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 72 51 10, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/reh/kla -0
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