Als Lenker des größten deutschen
Industriekonzerns hat Martin Winterkorn eine Machtfülle, die sich
nur mit wenigen Spitzenämtern in Wirtschaft und Politik vergleichen
lässt. Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen
Dass der Weg nach ganz oben ohne Teamarbeit, doch vor allem ohne einflussreiche Förderer kaum gelingen kann, weiß Winterkorn nur allzu gut. Dem Ziehsohn von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch werden gute Chancen eingeräumt, in fünf Jahren oberster VW-Kontrolleur zu werden.
Bis es so weit ist, hat Winterkorn allerdings andere Ziele. Der detailversessene "Mr. Qualität", der am Donnerstag (24.5.) seinen 65. Geburtstag feiert, will noch als Leiter des operativen Geschäfts miterleben, wie Europas größter Autobauer zur weltweiten Nummer eins aufsteigt. Das Fundament dafür hat er gelegt: 2011, vier Jahre nach seinem Antritt, lieferte der VW-Konzern mit 8,3 Millionen Wagen so viele Fahrzeuge aus wie nie. Und auch die Gewinne sprudeln.
Der Vertrag des gebürtigen Schwaben läuft bis Ende 2016.
Analysten nehmen an, dass sich VW schon vor 2018, dem ursprünglichen
Zieldatum, an die erste Stelle schiebt. Derzeit fährt den
Wolfsburgern nur US-Konkurrent General Motors
Es war bereits ausgemacht, dass Winterkorn über das normale Rentenalter hinaus den Konzern führen soll. Die Bande zu VW-Patriarch Piëch sind jedoch so stark, dass er es dem gerade für fünf Jahre wiedergewählten Chefaufseher 2017 womöglich gleichtut.
Auch wenn es Kritiker einer denkbaren direkten Nachfolge gibt:
Winterkorn kennt das globale Autoimperium mit seinen inzwischen elf
Marken so gut wie kaum ein anderer. Nach dem Studium der
Metallphysik und der Promotion begann seine Laufbahn 1977 zunächst
bei Bosch. Eine entscheidende Weichenstellung war vier Jahre später
der Wechsel in die Audi
Aus dieser Zeit stammt sein Ruf, vernarrt in hochwertige Technik
und Verarbeitung zu sein - darin steht er Piëch in nichts nach. Als
der autoverrückte Maschinenbauer 1993 VW-Chef wurde, übertrug er
Winterkorn die Qualitätssicherung im Gesamtkonzern. Der Ruf an die
Audi-Spitze folgte 2002. Zur Jahreswende 2006/2007 trat Winterkorn
nach der Absetzung des glücklosen Bernd Pischetsrieder dann in die
Fußstapfen des Mentors, der zuvor vom Chefsessel im VW-Vorstand in
den Aufsichtsrat gewechselt war. Die Besetzung des Postens mit
Ex-BMW
Über Details kann sich Winterkorn immer noch ereifern: Auf der Automesse IAA im vergangenen Herbst inspizierte er ein neues Modell des Rivalen Hyundai und stellte beim Verstellen des Lenkrads erstaunt und sichtlich verärgert fest: "Da scheppert nix." Das YouTube-Video mit dem Probesitzen des VW-Chefs bei der Konkurrenz entwickelte sich zu einem Geheimtipp.
So anerkannt Winterkorn bei vielen Beschäftigten und Aktionären
ist, so umstritten ist sein enormes Gehalt. Die Rekordsumme von rund
17,5 Millionen Euro, die er für das Bestjahr 2011 kassierte, heizte
die Diskussion um die Vergütung von Top-Managern erneut an. Neben
IG-Metall-Chef Berthold Huber verteidigte Piëch die Spitzenposition
Winterkorns unter allen Dax
Weitaus stärker als die Gehaltsdebatte dürfte den VW-Chef die
nicht enden wollende Hängepartie um die Sportwagenschmiede Porsche
Zu Einzelheiten eines solchen Deals, der seine Arbeit krönen könnte, hält sich der zweifache Vater bedeckt. Ins Plaudern kommt Winterkorn dagegen bei seinem Lieblingsthema Fußball. Dann macht er aus seinen Leidenschaften jenseits der Welt der Baukastenstrategien und Absatzplanungen keinen Hehl - vor allem, wenn es um "seinen" VfL Wolfsburg geht: Bei der Meisterschaft der Werkself 2009 unter Trainer Felix Magath galt er als wichtiger Architekt und Strippenzieher./jap/DP/zb
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AXC0017 2012-05-19/11:05
