Essen (ots) - Die Gewerkschaften und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen spielen mit der Verleihbranche "guter Polizist, böser Polizist", und es scheint zu funktionieren. Beide halten die Zeitarbeitgeber für schuldig, ihre Mitarbeiter zu schlecht zu bezahlen. Der gute Polizist ist bereit zu verhandeln. Darauf lassen sich die Arbeitgeber ein, allerdings nur, weil im Hintergrund die böse Polizistin mit der Höchststrafe droht: Ohne Tariflösungen werde sie per Gesetz gleiches Geld für gleiche Arbeit durchsetzen, warnt von der Leyen. Das wirkt. Ergebnis dieser Methode sind Branchenzuschläge für Hunderttausende Leiharbeiter in der Metall-, Elektro- und Chemie-Industrie. Dass ihre Löhne mit der Einsatzdauer im Betrieb steigen, führt die Leiharbeit wieder auf ihren eigentlichen Zweck zurück: kurzfristige Einsätze für Auftragsspitzen. Es gibt nur einen Haken: Wenn die Ministerin ihren Job weiter von den Gewerkschaften erledigen lässt, entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb der Leiharbeit. Wer in schwach organisierten Branchen eingesetzt wird, hat Pech gehabt. Genau deshalb sind klare Regeln für die Leiharbeit nicht Sache der Gewerkschaften, sondern der Politik. Sie hat in Person von Wolfgang Clement die Branche liberalisiert. Und nur sie kann das zurücknehmen.
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