Von Christian Berthelsen und Liz Moyer
THE WALL STREET JOURNAL
NEW YORK (Dow Jones)--Die amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase hat ihr Aktienrückkaufprogramm gestoppt. Vorstandsvorsitzender James Dimon gab zur Begründung an, nach dem 2 Milliarden Dollar hohen Handelsverlust zu Beginn des Quartals habe zunächst die Stärkung des Eigenkapitals Vorrang.
Dimon und seine Bank kämpfen immer noch mit den Folgen der Verluste, die in den ersten sechs Wochen des zweiten Quartals im so genannten Chief Investment Office entstanden sind. Diese Abteilung soll eigentlich die Risiken in der Unternehmensbilanz absichern. Man mache Fortschritte beim Abbau der Risiken, sagte Dimon am Montag. "Wir werden dieses Problem niederringen, und hoffentlich werden wir am Ende des Jahres darüber nicht mehr reden müssen".
Zunächst setzt die Bank aber ihr 15 Milliarden schweres Programm zum Rückkauf von Aktien aus, dass nach dem bestandenen Stresstest Mitte März eingeleitet wurde. "Wir haben uns dazu entschlossen, das Programm zu unterbrechen", sagte Dimon. "Wir wollen es wieder aufnehmen, aber wir sagen noch nicht, wann".
Die Bank wolle laut Dimon aber ihre gegenwärtige Dividende aufrecht erhalten. Damit stellte er eine nicht eindeutige Aussage vom jährlichen Aktionärstreffen in der vergangenen Woche klar. In den sieben Handelstagen seit der überraschenden Mitteilung fiel die Aktie der Bank um etwa 20 Prozent.
Nachdem J.P. Morgan den Stresstest der amerikanischen Notenbank Fed bestanden hatte, hatte das Institut seine Dividende von 25 auf 30 Cent erhöht und den Rückkaufplan verkündet. Die Aufsichtsbehörden stimmten zu, unter der Voraussetzung, dass die Bank weiter daran arbeite, die Kapitalbedingungen unter Basel III zu erfüllen.
Dimon gab zu, dass die Verluste diesen Plan gefährdeten: "Wir haben uns selbst und gegenüber den Aufsehern verpflichtet, dass wir auf dem Pfad zu Basel III bleiben. Und jetzt verdienen wir offensichtlich nicht so viel Geld wie geplant".
Die Vorgaben von Basel III basieren auf dem Verhältnis von Kapital zu den risikobehafteten Vermögenswerten. Durch die eingefahrenen Verluste und den dadurch geringeren Gewinnen würde diese Quote sinken.
David Trone, Chef für Bankenresearch bei JMP Securities, sagte, dass es ein fatales Signal gewesen wäre, in der gegenwärtigen Lage mit Bankkapital Aktien zurückzukaufen. Basierend auf den Risiken in Europa senkte Trone seine Bewertung von J.P. Morgan auf "verkaufen".
"Es ist einfach politisch korrekt, keine Aktien zurückzufahren, wenn man unter Beobachtung steht und durch einen großen Fehler die Aufmerksamkeit der Regulierer auf sich gelenkt hat", sagt Trone. Der Schritt könne zudem ein Hinweis dafür sein, dass die Verluste noch weiter angewachsen seien. Dimon hatte aber erklärt: "Sie sollten das nicht als Anzeichen für die Größe des Verlustes interpretieren".
-Von Christian Berthelsen und Liz Moyer, The Wall Street Journal;
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May 22, 2012 00:40 ET (04:40 GMT)
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