Die Europäische Zentralbank (EZB) wird auf jüngst schwache Konjunkturdaten aus dem Währungsraum laut JP Morgan wohl mit einer abermaligen Lockerung ihrer Geldpolitik reagieren. Insbesondere die Einkaufsmanagerindizes, die im Mai auf ein Dreijahrestief gefallen sind, stellten die bislang erwartete Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr in Frage, heißt es in einem Kommentar vom Donnerstag. Dies dürfte den Druck auf die EZB erhöhen, die geldpolitischen Zügel abermals zu lockern.
Grundsätzlich sehen die Ökonomen der US-Bank sowohl Zinssenkungen als auch zusätzliche Geldspritzen für den Bankensektor als adäquate Reaktion an. "Wir vermuten aber, die erste Antwort der EZB werden neue Liquiditätsmaßnahmen sein." So laufe das Instrument der Vollzuteilung, über das sich die Geldhäuser so viel frisches Zentralbankgeld wie nötig beschaffen können, Mitte Juli aus. "Eine Verlängerung dürfte bereits im Juni verkündet werden."
Ob die Notenbank im Juni weitere Maßnahmen, etwa zusätzliche Langfristtender über ein Jahr, ankündigen wird, sei hingegen schwer zu sagen. Ein Stillhalten zumindest bis Juli hätte laut JP Morgan unter anderem den Vorteil, dass der Ausgang der Griechenlandwahl Mitte Juni abgewartet werden könnte. Im Herbst sei darüber hinaus eine weitere Zinssenkung der Notenbank vorstellbar.
Sollte sich die Lage an den Finanzmärkten jedoch stark eintrüben, sei freilich auch eine viel aggressivere Reaktion der EZB möglich, unterstreichen die Bankvolkswirte. "In diesem Fall würden zusätzliche Dreijahrestender und eine Reaktivierung des Anleihekaufprogramms ins Spiel kommen." Auch schnelle Zinssenkungen seien dann nicht auszuschließen./bgf/jkr
AXC0209 2012-05-24/15:02
