Düsseldorf (ots) - Das Wahlergebnis in Griechenland wird die weltweiten Ängste bei Politikern, Finanzleuten und Bürgern nicht zerstreuen. Im Gegenteil. Normale Sparer, die ihr Geld nicht außerhalb der Euro-Zone anlegen können, werden angesichts des knappen Resultats noch nervöser. Die G-20-Gruppe wird heute bei ihrem Treffen verbissen darum kämpfen müssen, dass die Finanzmärkte nicht ins Trudeln geraten. Sie wird auch Druck auf Kanzlerin Merkel ausüben, in der Euro-Krise ihren Kurs der Vernunft aufzugeben. Und das alles wegen des kleinen Griechenlands. Ist das nicht übertrieben? Immerhin droht das Horrorszenario, dass die Griechen heute ihre kompletten Ersparnisse nach Hause tragen wollen. Um das zu vermeiden, werden dann Bankautomaten abgeschaltet und Geldinstitute geschlossen. Griechenland versänke im Chaos - und würde sich bald vom Euro verabschieden. Wobei die Frage berechtigt ist, ob das für die Griechen wirklich schlimm wäre. Sie erhielten eine schwächere Währung. Sie würden zwar viel Vermögen verlieren, für Importe mehr bezahlen müssen und etliche Monate oder sogar Jahre wirtschaftlich stark gebeutelt werden. Doch dann könnte eine Erholung einsetzen, weil wegen der günstigen Umtauschkurse Urlaub in Hellas genauso wie griechische Produkte für den Rest Europas konkurrenzlos preiswert würden. Ansonsten hätte das Ausscheiden aus dem Euro aus deutscher Sicht vor allem eine emotionale Komponente. Griechenland ist eben das Ursprungsland abendländischer Kultur und der Demokratie. Viele Ältere sehen es verklärt, weil sie Hellas in romantischen Jugendjahren als gastfreundliches Traumland erlebten. Gefährlich wird der Euro-Ausstieg aus anderen Gründen: Nach dem Abschied würden die Griechen ihre Schulden nie zurückzahlen. Das wäre bitter für den Rest Europas, aber finanzierbar. Doch wenn andere Länder, etwa Spanien oder sogar Italien, sich ebenfalls verabschieden, würde das extrem teuer. Am Ende bliebe womöglich nur eine Kern-Euro-Zone mit Deutschland, Frankreich und anderen eher nördlichen Ländern übrig. Diese stark gebeutelte Rumpf-Gemeinschaft wird sich dann selbstkritisch fragen, ob es nicht von Anfang an besser gewesen wäre, unter sich zu bleiben.
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