Kabel Deutschland (KDG) hat die
hochgesteckten Erwartungen an eine Steigerung der Dividende in den
kommenden Jahren enttäuscht, um zunächst ein höheres
Investitionsbudget vorzuhalten. Wie Finanzvorstand Adrian Siemen im
Interview der Börsen-Zeitung sagt, galt es abzuwägen, "ob wir nicht
heute die Ausschüttung zugunsten höherer Investitionen und damit
höheren Wachstums niedriger halten, um morgen einen noch höheren
Return für unsere Aktionäre zu erwirtschaften". Kabel Deutschland
mangele es nicht an Investitionsmöglichkeiten mit attraktiven
Renditechancen, betonte der Manager. Deshalb habe das Unternehmen
für die Rendite auf das eingesetzte Kapital eine recht hohe Hürde
gesetzt. "Wenn wir investieren, rechnen wir mit einem internen
Zinsfuß von 13 Prozent".
Siemen, der im Oktober vergangenen Jahres den langjährigen
Finanzchef Paul Thomason abgelöst hat, betonte jedoch, dass er auch
weiterhin Aktienrückkäufe als "Mittel der Aktionärsvergütung"
keineswegs ausschließe, "nicht zuletzt, weil wir es fallbezogener
einsetzen können als eine Dividende". Für das abgelaufene
Geschäftsjahr 2011/12 will KDG erstmals eine Dividende von 1,50 Euro
je Aktie ausschütten, die im laufenden Turnus stabil bleiben soll.
Sie wurde durch Aktienrückkäufe über 60 Mill. Euro ergänzt.
Obwohl der Finanzvorstand davon ausgeht, dass die Akquisition
von Telecolumbus für 600 Mill. Euro finanziell schnell verdaut
werden kann und "die Zielverschuldung binnen ein bis zwei Jahren
wieder in die Bandbreite des 3 bis 3,5-fachen Ebitda" (Ergebnis vor
Steuern, Zinsen und Abschreibungen) zurückgeführt werden kann, seien
weitere Zukäufe derzeit kein Thema. "An Primacom sind wir
nicht interessiert", betonte Siemen, der durchblicken ließ, dass es
äußerst schwierig würde, nach Telecolumbus noch eine solche
Akquisition über die Kartellhürden zu bringen.
Auch eine Stärkung des eigenen Breitbandgeschäfts durch einen
Erwerb von Kundenstämmen alternativer Telekomnetzbetreiber,
beurteilt Siemen zurückhaltend. Auf die Frage, ob er die praktisch
zum Verkauf stehenden privaten Festnetzkunden von Vodafone
übernehmen würde, wich der Manager aus. Er sagte
jedoch, es sei für KDG "eine rein kommerzielle Frage", ob man die
eigene Endkunden-Infrastruktur wie die Deutsche Telekom gegen eine Gebühr für Fremdnutzer (Reseller) öffne. Im Streit mit
ARD und ZDF über die Einspeisegebühr ins Kabelnetz, die die Sender
nicht mehr zahlen wollen, setzt Siemen auf eine
Verhandlungslösung./he
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AXC0055 2012-07-01/16:26