Schwache europäische Konjunkturdaten und
verhaltene Vorgaben haben den deutschen Aktienmarkt am Freitag
weiter ins Minus gedrückt. Nach einem richtungslosen Start büßte der
Dax zuletzt 0,58 Prozent auf 7.163,37 Punkte ein und
knüpfte so an die negative Entwicklung der vergangenen zwei Tage an.
Auf Wochensicht zeichnet sich ein Verlust von knapp drei Prozent für
den Leitindex ab. Der MDax sank um 0,32 Prozent auf
11.346,69 Punkte und der TecDax gab um 0,18 Prozent auf
805,25 Punkte nach.
Die französische Industrieproduktion sank im September
überraschend deutlich, was Börsianer als Belastung hervorhoben.
Nicht viel besser sah es in Italien aus, wenngleich der
Produktionsrückgang hier minimal geringer ausfiel als befürchtet.
Gute Daten aus der chinesischen Wirtschaft halfen dem Markt nicht.
ALLIANZ SCHWACH: ZAHLEN OHNE ÜBERRASCHUNGEN
Nach der jüngsten Zahlenflut standen vor dem Wochenende nur
wenige Unternehmensbilanzen auf der Agenda. Die Aktien der Allianz
gehörten mit einem Minus von gut einem Prozent zu den
schwächeren Werten im Dax. Der Versicherungskonzern profitierte im
dritten Quartal zwar besonders von Zuwächsen in der
Lebensversicherung und im Fondsgeschäft. Er verdiente auch unter dem
Strich fast sieben Mal so viel wie ein Jahr zuvor und hielt
anderthalb Wochen nach Hurrikan "Sandy" an seinen gerade erhöhten
Gewinnerwartungen fest. Von Börsianern hieß es aber, die endgültigen
Ergebnisse entsprächen den bereits veröffentlichten Eckdaten. Sie
enthielten keine Überraschungen und daher auch keine Kurstreiber.
Am MDax-Ende büßten die Rheinmetall-Titel nach der
Zahlenvorlage mehr als fünf Prozent ein. Der Autozulieferer und
Rüstungskonzern wurde früher als erwartet von der Wirtschaftskrise
eingeholt und strich seine Umsatz- und Gewinnprognosen zusammen. Ein
Händler machte vor allem die kräftig gesenkte Prognose für den
Kursrutsch verantwortlich. Die neuen Ziele lägen weit unter den
aktuellen Analystenerwartungen. In den ersten neun Monaten blieb der
Konzern zudem hinter den durchschnittlichen Schätzungen zurück.
DRILLISCH NACH ZAHLEN SEHR SCHWACH - EUROMICRON AM TECDAX-ENDE
Bei den Technologiewerten sanken Drillisch um gut zwei
Prozent. Der Mobilfunkanbieter steigerte den Gewinn vor Zinsen,
Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um acht Prozent, wogegen der
Umsatz um elf Prozent zurückging. Seinen Ausblick bestätigte das
Unternehmen. Beim Umsatz sei Drillisch hinter den Konsensschätzungen
zurückgeblieben, der Gewinn habe dagegen die Erwartungen erfüllt,
sagte ein Börsianer. Er sah in den Zahlen keinen Kurstreiber. Die
Aktien hätten sich bereits nach den jüngst veröffentlichten Zahlen
des Konkurrenten Freenet , an dem Drillisch beteiligt ist,
überdurchschnittlich entwickelt, begründete er seine Einschätzung.
Die Euromicron-Titel büßten als TecDax-Schlusslicht
fast zehn Prozent ein. Der Spezialist für Netzwerke und
Glasfaserkabel sprach von einem verhaltenen dritten Quartal, welches
unter einer schwachen Nachfrage infolge des sich abkühlenden
Investitionsklimas litt. Ein Börsianer sagte: "Es sind zwar keine
verlässlichen Schätzungen für das Unternehmen verfügbar, aber wenn
Euromicron sich unzufrieden zeigt mit dem Quartal, warum sollten
dann Anleger zufriedener sein?"/gl/rum
ISIN DE0008469008 DE0007203275 DE0008467416
AXC0108 2012-11-09/10:35