Schwache Konjunkturdaten und Sorgen über
Europas Schuldenkrise haben den Dax am Freitag auf den
niedrigsten Stand seit zwei Monaten gedrückt. Nach einem
richtungslosen Start büßte der deutsche Leitindex am Nachmittag 1,45
Prozent auf 7.100,54 Punkte ein und knüpfte so an die negative
Entwicklung der vergangenen zwei Tage an. Auf Wochensicht zeichnet
sich ein Verlust von gut dreieinhalb Prozent ab. Der MDax sank um 1,05 Prozent auf 11.262,84 Punkte und der TecDax gab um 0,79 Prozent auf 800,29 Punkte nach. Auch für den Euro
ging es bergab.
Börsianer verwiesen auf schwache Industrieproduktionsdaten aus
Frankreich und Italien, die den seit der US-Wahl zu spürenden
Verkaufsdruck nochmal verstärkt hätten. Dazu kämen anhaltende Sorgen
über die Euro-Schuldenkrise. Händlerin Anita Paluch vom Broker Gekko
Markets erinnerte daran, dass in Griechenland am Sonntagabend über
den Haushalt für 2013 abgestimmt wird. Aus EU-Ratskreisen hieß es,
die Eurogruppe der Finanzminister dürfte kommenden Montag noch nicht
über die nächste Hilfszahlung entscheiden. Als weiteren
Belastungsfaktor sieht die Expertin den hartnäckigen Widerstand
Spaniens gegen einen offiziellen Hilfsantrag beim Krisenfonds ESM,
was die Europäische Zentralbank zur Untätigkeit verdamme.
ALLIANZ SEHR SCHWACH: ZAHLEN OHNE ÜBERRASCHUNGEN
Nach der jüngsten Zahlenflut standen vor dem Wochenende
vergleichsweise wenig Unternehmensbilanzen auf der Agenda. Die
Aktien der Allianz gehörten mit einem Minus von gut zwei
Prozent zu den schwächsten Werten im Dax. Der Versicherungskonzern
verdiente im dritten Quartal unterm Strich zwar nahezu sieben Mal so
viel wie ein Jahr zuvor und hielt trotz Hurrikan "Sandy" an seinen
gerade erhöhten Gewinnerwartungen fest. Von Börsianern hieß es aber,
die endgültigen Ergebnisse entsprächen den zuvor veröffentlichten
Eckdaten. Sie enthielten keine Überraschungen und daher auch keine
Kurstreiber. Die Papiere der Commerzbank sowie der
Deutschen Bank gaben nach schwachen Zahlen von Konkurrent
Credit Agricole um viereinhalb beziehungsweise
knapp sechs Prozent nach und belegten die beiden letzten Plätze im
Leitindex.
Am MDax-Ende büßten die Rheinmetall-Titel nach
schwachen Zahlen knapp acht Prozent ein. Der Autozulieferer und
Rüstungskonzern wurde früher als erwartet von der Wirtschaftskrise
eingeholt und strich zudem seine Umsatz- und Gewinnprognosen
zusammen. Ein Händler machte vor allem die kräftig gesenkte Prognose
für den Kursrutsch verantwortlich. Die neuen Ziele lägen weit unter
den aktuellen Analystenerwartungen.
EUROMICRON NACH ZAHLEN AM TECDAX-ENDE - AUFTRAG HILFT NORDEX
Bei den Technologiewerten sanken Drillisch um etwa 0,7
Prozent. Ein Börsianer sah den Umsatz des Mobilfunkanbieters unter
den Konsensschätzungen, wogegen der Gewinn die Erwartungen erfüllt
habe. Die Zahlen seien kein Kurstreiber, da sich die Aktie bereits
nach den jüngst veröffentlichten Zahlen der Drillisch-Beteiligung
Freenet überdurchschnittlich entwickelt habe.
Die Euromicron-Titel büßten als TecDax-Schlusslicht
über elf Prozent ein. Der Spezialist für Netzwerke und
Glasfaserkabel litt unter einer unerwartet schwachen Nachfrage. Ein
Händler verwies darauf, dass Euromicron von einem verhaltenen
Quartal gesprochen habe. "Es sind zwar keine verlässlichen
Schätzungen für das Unternehmen verfügbar, aber wenn Euromicron sich
unzufrieden zeigt mit dem Quartal, warum sollten dann Anleger
zufriedener sein?". Dagegen setzten sich die Aktien von Nordex
mit einem Plus von knapp zwei Prozent an die Indexspitze.
Ein Großauftrag aus Südafrika für den Bau eines Windparks "sorgt für
Fantasie und treibt die Aktien", sagte ein Händler./gl/edh
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
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