Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag
unter Konjunktursorgen gelitten. Der Dax weitete seine
Verluste im Handelsverlauf aus: Am Nachmittag gab der Leitindex um
1,00 Prozent auf 7.030,59 Punkte nach und markierte den niedrigsten
Stand seit mehr als zwei Monaten. Für den MDax ging es um
1,45 Prozent auf 11.083,47 Punkte bergab und der TecDax verlor 0,86 Prozent auf 795,66 Punkte.
Die Sorgen um die weitere konjunkturelle Entwicklung belasteten
die Aktienmärkte, sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank mit
Blick auf die BIP-Daten mehrerer Eurozonen-Länder. "Vor allem die
schlechter als erwarteten Wachstumszahlen aus den Peripherieländern
drücken auf die Stimmung." Von durchwachsenen US-Daten kamen
ebenfalls keine positiven Impulse. Für Verunsicherung sorgte laut
Gitzel auch der anstehende Regierungswechsel in Japan. Händler
Markus Huber vom Broker ETX Capital sah den Dax zudem wegen der
Sorgen um die fiskalische Klippe in den USA sowie negativ
aufgenommener Zahlen von Wal-Mart Stores unter
Druck.
MERCK KNAPP IM PLUS NACH ZAHLEN UND HÖHEREM AUSBLICK
Die Aktien der Merck KGaA gehörten mit einem knappen
Plus bereits zu den Spitzenwerten im Dax. Der Pharma- und
Chemiekonzern schloss das dritte Quartal mit einem überraschend
starken operativen Ergebnis ab und schraubte die Umsatzprognose für
2012 erneut nach oben. Analyst Peter Spengler von der DZ Bank sprach
von einem exzellent ausgefallenen Zahlenwerk. Ein Börsianer sah
zudem den höheren Ausblick als Stütze.
Im MDax büßten die Titel von GSW Immobilien nach
Zahlen und der Platzierung einer Wandelanleihe marktkonforme
anderthalb Prozent ein. Das Berliner Immobilienunternehmen verdiente
in den ersten neun Monaten dank höherer Mieteinnahmen und deutlich
mehr Wohnungsverkäufen ordentlich Geld. Mit der 183 Millionen Euro
schweren Wandelanleihe will GSW den weiteren Expansionskurs
finanzieren. Kepler-Analyst Burkhard Sawazki sah die Zahlen für das
dritte Quartal leicht über den Erwartungen. Zudem erhöhe die
Kapitalmaßnahme die finanzielle Flexibilität des Unternehmens.
Allerdings erscheine die Aktie bereits fair bewertet.
FUCHS PETROLUB AM MDAX-ENDE - AIR BERLIN LEGEN ETWAS ZU
Für die Papiere von Fuchs Petrolub ging es am
Indexende um knapp sechs Prozent bergab. Als Belastung sahen es
Händler an, dass die Aktie des Schmierstoff-Herstellers entgegen den
Erwartungen einiger Anleger nicht in den Index MSCI Germany
aufgenommen werde. Bei den Technologiewerten fielen Evotec um anderthalb Prozent, nachdem das Biotech-Unternehmen eine
Kooperation zur Wirkstoffentwicklung gegen Infektionskrankheiten
eingegangen ist.
Die Aktien von Air Berlin rückten dagegen im SDax
moderat vor. Die angeschlagene Fluggesellschaft verdiente im
wichtigen Sommerquartal unter dem Strich mehr als doppelt so viel
wie ein Jahr zuvor, wogegen der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT)
nur wenig stieg. Die Verluste aus dem ersten Halbjahr konnte der
Lufthansa-Konkurrent damit nicht ausgleichen. Nun will
sich das Unternehmen von der Mehrheit an seinem Vielfliegerprogramm
"Topbonus" trennen, um sein Jahresergebnis aufzubessern, und weitere
Einsparpotenziale prüfen. Commerzbank-Analyst Johannes Braun sah das
Quartals-EBIT unter seinen Erwartungen. Dagegen sagte ein Händler,
der Verkauf von Topbonus kompensiere die schwachen Zahlen./gl/tih
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
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