HIV-Positive können mit ihrer Krankheit dank moderner Medikamente viel besser leben als früher. Viele arbeiten. Doch im Job offen über die Infektion zu reden - das wagen längst nicht alle.
Manchmal war es wie ein doppeltes Leben, ein Gefühl von Versteckspiel. Mehr als drei Jahre lang hat David seinen Kollegen die Krankheit verschwiegen. Niemandem fiel auf, dass er alle paar Wochen zum Arzt ging. Warum auch?
David ist Mitte 40 und wirkt topfit. Heute geht er in Berlin auf dem Weg zur Arbeit an großflächigen Plakaten mit seinem Gesicht vorbei. "Ich habe HIV" steht links neben seinem Foto. "Und die Akzeptanz meines Chefs", geht es unten weiter. Es sind Plakate zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember, die seit Ende Oktober in ganz Deutschland hängen. Sie signalisieren, dass beim Thema HIV noch längst nicht alles gesagt ist. HIV und Job - geht das überhaupt?
Ja, es geht. Aber erst, seit die Immunschwächekrankheit dank moderner Therapien vor rund 15 Jahren für viele Patienten zu einer chronischen Infektion wurde. Unheilbar noch immer, aber mit Tabletten beherrschbarer. Doch die Bilder von ausgemergelten und sterbenden Aidskranken aus den 80er Jahre sind in vielen Köpfen noch fest verankert. So fest, dass es für manche vielleicht eine Denkblockade ist, an HIV und Arbeit zu denken. Dabei können Männer und Frauen mit HIV-Diagnose und Therapie heute fast alle Berufe ergreifen. Nur in Kliniken gibt es Einschränkungen, bei Operationen zum Beispiel.
Ob Vorgesetzte und Kollegen aber um die Infektion wissen, steht auf einem anderen Blatt. Es gebe keine Pflicht, sich zu erklären, sagt David. "Man darf auch lügen." Wer die Wahrheit sagen möchte, dem rät David zur Besonnenheit. Auch, wenn er nun als Botschafter für das Bundesgesundheitsministerium, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Aids-Hilfe öffentlich sein Gesicht zeigt. Nur sein Nachname bleibt ungenannt. Das ist der Deal.
David arbeitet in Berlin in einer sozialen Einrichtung. Er mag seinen Job, hilft schwächeren Menschen gern. Doch bevor er über seine eigene Krankheit sprach, erkundigte er sich beim Betriebsrat nach der Position der Geschäftsführung zu HIV. Erst als die Rückmeldung nicht auf Ressentiments schließen ließ, suchte er das Gespräch mit seinem Chef. "Er hat nach dem ersten Schock gefragt, wie es mir gesundheitlich geht", erinnert sich David. Sein Job stand nicht in Frage. Doch er weiß, dass solche Offenheit auch andere Folgen haben kann - von Mobbing bis Kündigung.
"Tina, was kosten die Kondome?"
Dass David den Mut fand, sich über die Plakate auch ahnungslosen Kollegen und Bekannten zu offenbaren - das hat viel mit dem ersten Zuspruch zu tun. "Ich habe durchweg Anerkennung für meinen Schritt erfahren", sagt David. Einen Teil dieser Kraft gibt er nun zurück, als Ermutigung für andere Betroffene - und auch als Denkanstoß ...
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