Das Weltwirtschaftsforum in Davos startet. Für die WirtschaftsWoche vor Ort sind Roland Tichy, Sebastian Matthes und Tim Rahmann. Sie berichten laufend aktuell und bieten spannende Einblicke hinter die Kulissen.
Mit mehr als 2500 führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hat am Mittwoch in Davos das 43. Weltwirtschaftsforum seine Arbeit aufgenommen. Im Mittelpunkt steht die Suche nach neuen Ideen und Impulsen für mehr wirtschaftliches Wachstum zur Überwindung der Folgen der Finanzkrise. Zudem wollen die Teilnehmer - unter ihnen fast 50 Staats- und Regierungschefs - über Möglichkeiten zur Stärkung der Abwehrkräfte gegen neue Krisenschübe beraten.
Für die WirtschaftsWoche vor Ort sind Chefredakteur Roland Tichy, Technik-Ressortleiter Sebastian Matthes und Online-Politikredakteur Tim Rahmann. Hier im "Davos Diary" berichten sie in den kommenden Tagen von ihren Eindrücken:
+++Donnerstag, 11:15+++
Viel hatten die Besucher nicht erwartet, als es hieß, der britische Regierungschef David Cameron werde über Freihandel, nicht aber über das angekündigte EU-Referendum reden. Doch Cameron überraschte die Massen, die sich im Kongresssaal tummelten. Am Ende seiner Rede stellte er sich den Fragen des Plenums und verteidigte seinen Vorstoß, die Briten über einen EU-Austritt abstimmen zu lassen. "Wir führen die Debatte, weil sie gut ist für Großbritannien, für Europa und für die Weltwirtschaft", so Cameron.
Die EU müsse sich ändern und wirtschaftsfreundlicher werden. Steuern müssten gesenkt, Vorschriften abgeschafft werden. Cameron sprach sich gegen Eurokratie aus, betonte aber, stets ein verlässlicher Partner und Vorkämpfer für Europa gewesen zu sein. "Die EU verdankt uns den Binnenmarkt, wir haben den Anstoß gegeben!" Auch habe man als erste europäische Nation Frankreich seine Unterstützung im Mali-Konflikt zugesagt.
Cameron hat mit seiner leidenschaftlichen Rede deutlich gemacht: Auf ein Großbritannien, das sich für Deregulierung und freie Märkte einsetzt, kann die EU nicht verzichten. (T. Rahmann)
+++ Donnerstag, 09:55 +++
Henry Kissinger eröffnet mit seiner Analyse zur Lage der Welt den Gipfeltag. Dass er kein Fan von US-Präsident Barack Obama ist, macht er schnell deutlich. "Obama war nicht meine erste Wahl", sagt der Republikaner. Das habe auch außenpolitische Gründe: Der Abzug von US-Truppen aus Afghanistan drohe, vorschnell zu erfolgen.
Zunächst müsse garantiert werden, dass Afghanistan selbst in der Lage ist, sich zu verteidigen - und ein partnerschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbarn wie Pakistan hat. Hier hätte Obama vermitteln sollen. Im Nahohst-Konflikt plädiert Kissinger für eine Zwei-Staaten-Lösung. Hier müsse Obama mehr auf Israel einwirken. Gleichzeitig müsse international alles dafür getan werden, dass der Iran nicht in den Besitz der Atombombe gelange. (T. Rahmann)
+++Mittwoch 17:15+++
Twitter ist bei Groß-Events wie dem Weltwirtschaftsforum meist hilfreich. Man liest, welche Erfahrungen andere Besucher machen, erfährt, wo die spannendsten Vorträge stattfinden und trifft immer wieder neue, interessante Menschen. Um Tweets, die sich um ein Event drehen, zu kennzeichnen, richten die Veranstalter oft sogenannte Hashtags (#) ein. Der für Davos lautet #WEF. Wird ein solcher Hashtag besonders oft genutzt, registrieren das ...
Den vollständigen Artikel lesen ...