Nach den jüngsten Kursgewinnen haben
die europäischen Börsen am Dienstag etwas nachgegeben. Als Belastung
sahen Experten die Zurückhaltung der Anleger vor am Nachmittag
anstehenden Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen aus den USA.
Stratege Stan Shamu vom Broker IG sprach indes von einer unverändert
guten Grundstimmung.
Bis zum Mittag sank der EuroStoxx 50 um 0,39 Prozent
auf 2.733,75 Punkte. Für den Cac 40 ging es um ebenfalls
0,39 Prozent nach unten auf 3.766,04 Punkte. Der Londoner FTSE 100
verlor 0,11 Prozent auf 6.287,39 Punkte. Neben den Zahlen
von Philips standen das gestiegene deutsche GfK-Konsumklima und eine
Geldmarktauktion in Italien im Fokus der Anleger. Das
hochverschuldete und krisengeschwächte Euroland musste abermals
geringere Zinsen für kurzfristige Schulden bezahlen.
Als europaweit stärkste Branche präsentierten sich die Titel von
rohstoffabhängigen Unternehmen: Im Stoxx Europe 600 legte der
Sektorindex um 0,58 Prozent zu. Dagegen büßten die
Bankentitel am Ende der Sektorübersicht 1,03 Prozent ein.
Die Institute des Euroraums nutzten das wöchentliche
Hauptrefinanzierungsgeschäft der Europäischen Zentralbank (EZB)
nicht dazu, einen Teil ihrer avisierten Rückzahlungen aus
langfristigen Notkrediten zurückzuholen. Dem Schweizer
Branchenvertreter UBS droht derweil neues
Ungemach: Ein Gericht in New York erlaubte es der US-Steuerbehörde
IRS, von der UBS die Daten aller in den USA steuerpflichtigen Kunden
anzufordern, deren Gelder zur Privatbank Wegelin flossen. Die Aktie
büßte knapp zwei Prozent an Wert ein.
Die Philips-Aktien legten hingegen nach
einem verhaltenen Start zuletzt um mehr als zwei Prozent zu und
waren damit Spitzenreiter im EuroStoxx. Der Elektronikkonzern muss
zwar für Absprachen im Fernsehgeschäft eine hohe Kartellstrafe
zahlen - diese und weitere Kosten für den Umbau des Konzerns
drückten ihn im Schlussquartal trotz gestiegener Umsätze tief in die
Verlustzone. Börsianer sahen allerdings das um diese Kosten
bereinigte operative Ergebnis (EBITA) über den Erwartungen. Zudem
wollen die Niederländer ihr schwächelndes Geschäft mit der
Unterhaltungselektronik an den japanischen Partner Funai abgeben.
Für die Titel des Bergbaukonzerns Anglo American ging es ungeachtet milliardenschwerer Abschreibungen auf
ein Eisenerz-Projekt in Brasilien um mehr als zwei Prozent hoch.
Trotz der Schwierigkeiten mit dem Vorhaben hält Anglo American an
dem aktuellen Ziel fest, Ende 2014 das erste Erz aus Brasilien
verschiffen zu können. Ursprünglich war von Ende 2013 die Rede
gewesen. Man sei von der mittel- und langfristigen Attraktivität des
Projekts aber überzeugt, sagte Cynthia Carroll, die nach ihrem
Rücktritt als Konzernchefin im Oktober die Geschäfte kommissarisch
führt./gl/rum
ISIN GB0001383545 FR0003500008 EU0009658145
AXC0108 2013-01-29/12:39