Apple, Microsoft, Intel und Amazon machen gute Geschäfte und verbuchen sogar teils Rekordgewinne. Trotzdem stehen sie an der Börse unter Druck. Langfristig orientierten Privatanlegern bieten sich Kaufgelegenheiten.
Wenn sich im Februar die G20-Staaten zum Finanzgipfel treffen, wird es auch um die Besteuerung multinationaler Technologiekonzerne gehen. Frankreich und Großbritannien ist es nämlich ein Dorn im Auge, dass Konzerne wie Apple oder Amazon in einigen Ländern riesige Gewinne einfahren, aber nur vergleichsweise wenig Steuern in diesen Ländern zahlen. Vor allem Apple stand wegen seiner besonders cleveren Steuerstrategie wiederholt in der öffentlichen Kritik.
Dass die Finanzminister mehr Geld der IT-Riesen abhaben wollen, ist zugleich eine Art Ritterschlag für die High-Tech-Riesen. Denn es zeigt, dass in der digitalen Wirtschaft gewaltige Summen verdient werden – vor allem, wenn die Anbieter von Hardware, Software und IT- oder Internet-Services auf allen wichtigen Weltmärkten erfolgreich vertreten sind. Inzwischen haben einige der Unternehmen eine Ertragsstärke erreicht, die sogar das Steueraufkommen mancher Staaten in den Schatten stellt.
Im Technologiesektor überstrahlt derzeit vor allem ein Thema die Geschäfte der IT-Riesen. Beherrschend ist derzeit der Höhenflug der mobilen Endgeräte wie Smartphones und Tablet-Computer - allerdings verbunden mit einem gleichzeitigen Rückgang bei den Verkäufen von PCs und Notebooks. Weil die Nutzer dadurch auch vermehrt von mobilen Geräten auf das Internet zugreifen, ist diese Entwicklung letztlich auch für Internet-Dienstleister eine entscheidende Herausforderung. Die Wachstumsfelder sind hart umkämpft, Schnelligkeit, Innovationskraft und nicht zuletzt ein dickes Portmonee die entscheidenden Wettbewerbsvorteile.
Offenbar wird das in der laufenden Berichtssaison an der Börse. Viele Ikonen der IT-Industrie haben inzwischen ihre Zahlen für das vierte Quartal 2012 vorgelegt – und damit auch eine erste Bewertung des Gesamtjahres vorgenommen. Vielfach war 2012 für die Technologiekonzerne ein erfolgreiches Jahr – auch wenn nahezu jedes der Unternehmen mit Problemen zu kämpfen hat.
Die Frage, die deshalb viele Anleger umtreibt, ist: Können die Top-Unternehmen der Technologiesparten ihren Wachstumskurs halten? Die Antwort auf diese Frage entscheidet zumindest kurzfristig über die Richtung, die der Aktienkurs einschlägt.
Langfristig aber stehen die Zeichen nicht schlecht: Der Dow Jones, wichtigster Börsenindex für die großen Industriewerte an der New Yorker Börse, erreichte bereits ein Fünf-Jahres-Hoch. Mit der Normalisierung auf dem US-Immobilienmarkt und der allmählichen Erholung der US-Konjunktur hellt sich die Stimmung in der Wirtschaft auf.
Davon und von ihrer internationalen Präsenz profitieren auch die Geschäfte der IT-Giganten, die allesamt ehrgeizige Wachstumsstrategien verfolgen.
Aber es lauern zahlreiche Risiken: Gelingt der Aufschwung in den USA nicht, hat das negative Strahlkraft auf die Weltmärkte. Zudem sind die Technologiemärkte einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die Investoren der Technologieaktien sind zwar optimistischer als noch 2012, aber sie bleiben auch nervös. Unerwartete Nachrichten werden mit starken Kursausschlägen quittiert. An der Börse konnten die Unternehmen daher auch vor dem Hintergrund eines rasant steigenden Aktienmarktes nicht durchweg punkten. Selbst dann nicht, wenn Sie alte Rekorde gebrochen haben.
Apple erzielte im vierten Quartal einen neuen Rekord
Die Nervosität der Anleger bekam zuletzt Amazon zu spüren. Als der weltweit führende Online-Händler am Dienstagabend seine Zahlen präsentierte, ging es für die Aktie munter runter und dann wieder rauf. Klar, Amazon hat den Umsatz im Jahr 2012 auf 21,3 Milliarden Dollar gehievt, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber der Reingewinn fiel um 45 Prozent auf 97 Millionen Dollar und sorgte kurz für Bestürzung unter Anlegern, die Aktie fiel auf 260 Dollar. Stunden später notierte die Aktie wieder im Plus und kam dann sogar auf ein Rekordhoch von 288 Dollar.
Die deutlich über den Analystenschätzungen liegende Gewinnmarge fand dann allgemeinen Anklang. Amazon hat 2012 erneut viel in Versandzentren investiert und auch den E-Book-Reader Kindle modernisiert und den Absatz vorangetrieben. Über kurz oder lang sollte Amazon stärker davon profitieren, dass sich der gewinnträchtigere Handel mit elektronischen Büchern prächtig entwickelt und die Kosten durch die neuen Niederlassungen sinken.
Ein Gegenbeispiel ist Apple: Die Kultmarke aus Cupertino verdiente im vierten Quartal so viel wie noch nie, der Aktienkurs aber bleibt im Sturzflug. Allein im vierten Quartal erzielte Apple einen Gewinn von 13,1 Milliarden Dollar – neuer Rekord. Der Verkauf von iPhones und iPads wuchs um zweistellige Raten, der Umsatz erreichte schwindelerregende 54,5 Milliarden Dollar – ebenfalls eine neue Bestmarke. Aber an der Börse gab der Kurs der Apple-Aktie nach der Bekanntgabe zeitweise um zwölf Prozent nach – der größte Tagesverlust seit 2008. Der Grund: Die Erwartungen der Analysten lagen teilweise noch höher und eine vorsichtige Prognose der Konzernspitze für das neue Geschäftsjahr bremst die Euphorie.
Investoren befürchten, dass ...
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