Von Florian Faust
NEW YORK (Dow Jones)--Die Wall Street zeigt sich am Donnerstag erneut sehr volatil. Nach zwischenzeitlichen Verlusten drehen die US-Börsen ins Plus und knüpfen damit an die Erholungsbewegung aus dem späten Vortagesgeschäft an. Doch weder ein positiver Philly-Fed-Index, noch ein taubenhaft gestimmter Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) reißen das Ruder herum. Letztlich sind es die sich erholenden Ölpreise, die die Trendwende an den US-Börsen einleiten. Gegen Mittag US-Ostküstenzeit gewinnt der Dow-Jones-Index 1,1 Prozent auf 15.947 Punkte. S&P-500 und Nasdaq-Composite steigen um 1,0 bzw. 0,7 Prozent.
"Der Einstieg institutioneller Investoren auf diesem überverkauften Niveau wäre wünschenswert, aber diese warten auf Beschwichtungen durch die Federal Reserve, (...) dass sie sich mit Zinserhöhungen im laufenden Jahr Zeit lässt", sagt Marktstratege Quincy Krosby von Prudential Financial. Allerdings liefern die Daten des Tages Argumente sowohl für wie auch gegen weitere Leitzinserhöhungen in den USA. Der Philly-Fed-Index belegt, dass sich die Lage der US-Industrie in der Region Philadelphia spürbar aufgehellt hat. Der Konjunkturindex stieg deutlicher als erwartet, blieb aber unter null. Dagegen enttäuschen die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten: Denn in der Vorwoche haben wider Erwarten mehr US-Bürger erstmals Anträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Die Zahl der Anträge erreichte den höchsten Stand seit sechs Monaten.
EZB-Präsident Mario Draghi hat derweil eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt, wenngleich die EZB aktuell noch stillhält. "Die Aussagen werden als eine Art Vorankündigung für weitere Lockerungsmaßmahmen im März interpretiert", sagt ein Händler. Insgesamt attestierten Marktbeobachter Draghi, nichts wirklich Neues gesagt zu haben. Die Reaktion an den Aktienmärkten fällt daher auch nur bedingt positiv aus. An den Devisenmärkten wertet der Euro jedoch in der Folge ab. Die Gemeinschaftswährung sinkt auf 1,0824 nach Wechselkursen über 1,09 vor den Draghi-Aussagen.
Vom Ölpreis kommt indes kein neues Störfeuer - im Gegenteil: Trotz eines stärker als erwartet ausgefallenen Lageraufbaus der Erdölbestände erholen sich die Ölpreise vom Vortageseinbruch auf frische Zwölfjahrestiefs. Das American Petroleum Institute hatte zuvor einen noch deutlicheren Anstieg der wöchentlichen US-Ölvorräte in Aussicht gestellt. Insofern sorgen die Regierungsdaten nun für eine gewisse Erleichterung. "Der Markt ist reif für eine Erholung", sagt Energieberater Kyle Cooper von IAF Advisors. Aufgrund der Fördersenkungen in den USA rechnen viele Händler mittelfristig mit steigenden Preisen. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuert sich um 3,2 Prozent auf 29,24 US-Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 3,0 Prozent auf 28,73 Dollar.
Der Goldpreis fällt dagegen auf 1.095 Dollar nach Kursen über 1.100 am Vorabend, wofür Händler die Stärke des Dollar und die Stabilisierung der Börsen verantwortlich machen. Am US-Rentenmarkt drehen die Notierungen mit der Stabilisierung bei Aktien ins Minus. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steigt um 1 Basispunkt auf 2,0 Prozent.
Und nicht zuletzt müssen neue Unternehmenszahlen verarbeitet werden. Der Telekomkonzern Verizon hat im traditionell schwierigen vierten Quartal besser abgeschnitten, als Analysten erwartet hatten. Die Aktie legt um 2,6 Prozent zu. Bei der Fluggesellschaft United Continental verfehlte das bereinigte Ergebnis je Aktie die Analystenschätzung, der wichtige Sitzladefaktor stieg aber. Die Aktie gewinnt 0,2 Prozent. Wettbewerber Southwest Airlines hat den Gewinn in der vierten Periode nahezu verdreifacht, die Titel ziehen um 1,6 Prozent an. Der Chiphersteller Xilinx hat im dritten Geschäftsquartal positiv überrascht. Der Kurs springt um 10,4 Prozent nach oben. Der Versicherer Travelers überzeugt zwar beim Gewinn, die Einnahmen bleiben aber hinter den Markterwartungen zurück. Die Papiere verlieren 1,2 Prozent.
=== INDEX zuletzt +/- % absolut DJIA 15.946,92 1,14 180,18 S&P-500 1.878,04 1,01 18,71 Nasdaq-Comp. 4.504,42 0,73 32,73 Nasdaq-100 4.170,11 0,82 33,83 DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8.35 Uhr Mi, 18.23 Uhr EUR/USD 1,0828 -0,82% 1,0917 1,0924 EUR/JPY 127,35 0,10% 127,22 127,09 EUR/CHF 1,0959 0,20% 1,0936 1,0947 GBP/EUR 1,3102 1,02% 1,2970 1,2983 USD/JPY 117,60 0,92% 116,53 116,33 GBP/USD 1,4189 0,20% 1,4161 1,4180 ===
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January 21, 2016 12:02 ET (17:02 GMT)
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