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18.01.2016 | 08:17
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Vaupels Klartext·Mehr Nachrichten von Vaupels Klartext

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich melde mich hiermit aus dem südlichen Afrika. Und wie Sie sich denken können, würde ich das nicht erwähnen, wenn ich hier nicht auch in Bezug auf die "Emerging Markets" recherchiert hätte. Wie Sie wissen, ist Südafrika einer der sogenannten "BRICS"-Staaten (BRICS steht für "Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika).

Südafrika ist für die Weltwirtschaft eine wichtige Größe: Rund die Hälfte der weltweiten Platin-Produktion kommt von dort, auch bei Chrom sind es über 40% der Weltproduktion und bei Mangan deutlich über 50%. Über 54 Mio. Einwohner und ein BIP pro Kopf (auf Basis der Kaufkraftparität) von über 13.000 US-Dollar sind beachtlich und machen Südafrika zur größten Industrienation Afrikas südlich der Sahara.

Die südafrikanische Währung, der Rand, hat sich in den letzten Monaten allerdings sehr schlecht entwickelt. Gegenüber dem Euro hat der Rand in den letzten 12 Monaten um rund 37% abgewertet. Und das ist bei einer großen Währung erheblich! Hier der Chart:

EUR in südafrikanischen Rand (EUR/ZAR)

Südafrikanischer Rand
Quelle: Finanzen100

Anmerkung zum Chart: Dargestellt ist, wieviel Rand für einen Euro bezahlt werden. Hier gilt es, um die Ecke zu denken: Wenn der Rand abwertet, müssen mehr Rand pro Euro auf den Tisch gelegt werden - was dann im Chart einen Anstieg bedeutet.

Insbesondere seit letzten November brach der Rand deutlich an. Ich habe dazu interessante Hintergrundgespräche geführt. So hatte der südafrikanische Präsident den bewährten Finanzminister Nhlanhla Nene (der dafür bekannt war, auch unpopuläre Maßnahmen durchzuführen, wenn sie im Interesse des Staates waren) mit einem eher "Ja-Sager" (des van Rooyen) zu ersetzen.

Und was war das - wäre das auch hierzulande vorstellbar? Es gab massive Proteste, der Art "wir wollen den glaubwürdigen Finanzminister zurück!" Die Wirtschaft setzte den Präsidenten unter Druck. Und dieser reagierte umgehend: Nach nur vier Tagen wurde die Personalie rückgängig gemacht. Beziehungsweise, nicht ganz: Der alte Finanzminister kam nicht zurück, aber dafür ein Dritter, das nennt man wohl politische Schachzüge: Pravin Gordhan. Bei diesem neuen Finanzminister fand ich recht gut, dass er direkt zu Beginn sagte, Südafrika müsse sparen und dass man nur das kaufen könne, was man sich leisten könne.

Für die Währung Südafrikas waren diese Turbulenzen natürlich nicht gut - entsprechend die drastische Abwertung des Rands in den letzten Wochen. Hinzu kommen die seit Längerem bestehenden Belastungsfaktoren. So habe ich in der Einleitung geschrieben, dass Südafrika bei diversen Metallen zu den wichtigsten Förderländern der Welt gehört. Die Preise für diese Metalle sind aber im Keller, was die entsprechenden Exporterlöse drastisch verringert hat. Das gepaart mit diversen Streiks und einer nicht immer zuverlässigen Stromversorgung hat nicht gerade dazu beigetragen, dass sich der Rand erholen könnte.

In Namibia habe ich mit Vermögensverwaltern gesprochen und dabei wurde mir unter der Hand eine interessante Möglichkeit mitgeteilt: Namibia ist in einer Währungsunion mit Südafrika verbunden (CMA = Common Monetary Area). Der namibische Dollar entspricht vom Wert her 1:1 dem südafrikanischen Rand.

In Namibia allerdings hat die Abwertung des Rand (37% gegenüber dem Euro in den letzten 12 Monaten!) einige aufhorchen lassen. Denn dies verteuert natürlich die Importe des Landes aus Europa und den USA massiv.

Namibia mit besseren Wirtschaftsdaten als Südafrika

Dabei kann Namibia derzeit bessere Fundamentaldaten als Südafrika vorweisen. So ist z.B. die Inflationsrate mit aktuell 3,7% in etwa halb so hoch wie in Südafrika, und das Wirtschaftswachstum soll im laufenden Jahr bei ca. 4,2% liegen. Für 2017 prognostiziert die Bank of Namibia dann sogar einen Anstieg auf 5,7% Wirtschaftswachstum. In Südafrika hingegen sollen es in diesem Jahr gerade einmal 1,3% werden. In Namibia liegt das BIP pro Kopf rund doppelt so hoch wie in Nigeria.

Wenn Namibia den namibischen Dollar vom südafrikanischen Rand lösen würde, dann würde einiges dafür sprechen, dass sich der Namibia-Dollar dann erst einmal besser als der Rand entwickeln würde. Aus Sicht der namibischen Wirtschaft könnte das günstig sein - auch deshalb, weil das Land mindestens 75% seiner Importe aus Südafrika bezieht. Die würden dann relativ gesehen günstiger, für die Importe aus Europa und den USA wäre es auch gut.

Allerdings halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass diese Loslösung vom südafrikanischen Rand in den nächsten Monaten schon erfolgen wird: Denn diese Währungsunion hat auch und besonders politische Gründe, und brachte für Jahre schließlich auch Stabilität für Namibia durch diese Verbindung mit dem großen Nachbarn.

Namibia hat inzwischen einige Eurobonds platziert (Rating für Namibia: Baa3 von Moody's Investors Service und BBB- von Fitch). Anders als der Name impliziert haben diese einen Nominalwert in US-Dollar und werden auch in Frankfurt gehandelt. Der Kupon von 5,5% und die Notierung unter Pari, Laufzeit gut 5 Jahre, ließen mich einen Blick auf diese beiden Anleihen werfen.

Und hier noch das Zitat zum Tag:

"Behandle deinen Gast zwei Tage lang als Gast, aber am dritten Tag gib ihm eine Hacke."

- Suaheli-Sprichwort

Herzliche Grüße von der Südhalbkugel!

Ihr

Michael Vaupel


© 2016 Vaupels Klartext