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Zinserhöhung - Das Phantom der Finanz-Oper

Sie will es eventuell tun, tut es dann aber nicht: Leitzinsen erhöhen. Wird sie es jemals tun? Langsam aber sicher verwirrt die Fed, wo sie eigentlich als bedeutendste Notenbank klare Kante zeigen sollte: Auf der einen Seite verdichten sich laut Frau Yellen die Argumente für eine Zinserhöhung und auf der anderen Seite senkt die Fed gleichzeitig ihre Wachstums- und Inflationsprognosen. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November ist das Thema Zinsangst bis mindestens Dezember auf Eis gelegt. Aufgrund bislang sehr bescheidener konjunktureller Erfolge revolutioniert die Bank of Japan ihre Geldpolitik: Sie strebt eine Inflation deutlich oberhalb ihres Ziels von zwei Prozent an. Insgesamt bleibt die internationale Geldpolitik das, was sie seit 2008 ist: Das entscheidende pro-Argument an den Finanzmärkten.

Fortsetzung des Einstiegs in den Ausstieg aus einer üppigen US-Geldpolitik oder auch nicht

Auf ihrer letzten Sitzung hat die Fed ihre Leitzinsen erneut unangetastet gelassen. Allerdings haben sich laut US-Notenbankpräsidentin Yellen die Argumente für baldige Zinsanhebungen verdichtet. Absurderweise hat die Fed jedoch mit erneut gesenkten US-Wachstumsprojektionen für 2016 (1,8 nach zuvor 2,0 Prozent) und einer ebenso verringerten langfristigen Wachstumseinschätzung (ebenfalls 1,8 auf 2,0 Prozent) diese Zinserhöhungsargumente wieder torpediert. Ohnehin signalisiert die seit einem Jahr schrumpfende US-Industrieproduktion, dass sich das amerikanische Verarbeitende Gewerbe tatsächlich in der Rezession befindet. In derartigen Situationen 2000 und 2007 hat die Fed mit Zinssenkungen reagiert.

kw-38-01-fed-funds-und-industrieproduktion

Die Lage am US-Immobilienmarkt hat sich gemäß Baubeginnen und -genehmigungen nach dem Zusammenbruch der Immobilienblase 2008 zwar verbessert. Nach einer gleichzeitigen Erholung der Häuserpreise bis 2013 - laut S&P/Case-Shiller U.S. National Home Price Index der 20 größten US-Städte - mit anschließend deutlicher Korrektur befinden sich die Häuserpreise aber seit Jahren in der Stagnation. Gründe für Zinserhöhungen sind nicht ersichtlich.

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Der US-Arbeitsmarkt zeigt einen soliden Stellenzuwachs. Unverkennbar ist jedoch die mangelnde Qualität des vermeintlichen US-Jobwunders. Grundsätzlich haben sich die Arbeitsmarktbedingungen laut dem von der US-Notenbank veröffentlichten, auf 19 Subindikatoren basierenden US-Labor Market Conditions Index seit Jahresbeginn im Trend verschlechtert. Die Lage am US-Arbeitsmarkt ist insgesamt zinserhöhungsunkritisch.

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Selbst der leichte Anstieg der US-Inflation im August von zuvor 0,8 auf aktuell 1,1 Prozent liefert wenig Argumente für Zinserhöhungen. Denn die Fed hat auch ihre Inflationsprognose für 2016 (1,3 nach 1,4 Prozent) gesenkt und geht davon aus, dass sie ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent frühestens 2018 erreicht. Ob dies dann wirklich der Fall sein wird, muss mit Blick auf eine schwache Weltkonjunktur und verhaltene Rohstoffpreise allerdings angezweifelt werden.

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© 2016 marktEINBLICKE
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