
EUR/CHF bewegte sich in den vergangenen sechs Wochen zunächst seitwärts und sank anschließend kontinuierlich. Derzeit notiert das Währungspaar bei 1,07. Somit wertete der Schweizer Franken im Berichtszeitraum gegenüber dem Euro um 1,5% auf. Der Schweizer Franken steht seit Monaten unter enormem Aufwertungsdruck, da er als sicherer Hafen in politisch stürmischen Zeiten gilt. Um die Schweizer Wirtschaft vor einem zu starken Franken zu schützen, kauft die Schweizerische Nationalbank Fremdwährungen auf dem Devisenmarkt und fährt eine ultralockere Geldpolitik mit einem Einlagenzinssatz von -0,75%.
In den letzten Wochen fiel jedoch auf, dass die Sichteinlagen, die ein Gradmesser für die Interventionen der Schweizer Zentralbank am Devisenmarkt sind, nur noch in geringem Maße angestiegen sind. Stiegen die Sichteinlagen bis Mitte Oktober noch kontinuierlich an und lag der Wechselkurs stabil bei 1,09, wertete der Franken seitdem - mit Beginn der Inaktivität - kontinuierlich auf. Es stellt sich die Frage, ob die SNB tatsächlich dazu bereit ist, unter allen Umständen einen Wechselkurs deutlich über 1,05 zu halten oder ob sie dazu übergeht ihn auf einem tieferen Niveau zu stabilisieren und eine Absenkung zu akzeptieren.
Die wirtschaftliche Lage in der Schweiz ist auch weiterhin stabil und in einem sehr guten Zustand. So wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,6% gegenüber dem Vorquartal, die Arbeitslosenquote blieb im September und Oktober bei niedrigen 3,2% und befindet sich damit auf Vollbeschäftigungsniveau. Einzig die Inflationsraten verfehlen mit -0,2% yoy die Zielvorgaben. So bekräftigte Thomas Jordan, Chef der SNB, dass er gewillt ist, bei Bedarf die geldpolitischen Zügel weiter zu lockern. Dies bezog sich auch auf politische Turbulenzen, die den Aufwertungsdruck auf den Franken weiter steigen lassen könnten.
Der überraschende Triumph Donald Trumps bei den US-Präsidentschafts-wahlen sorgte zunächst für große Kursausschläge bei EUR/CHF. Dass der Franken jedoch als "Safe-Haven"-Währung zunächst aufwertete lag wahrscheinlich daran, dass die SNB ihre Ankündigung wahrmachte und auf dem Devisenmarkt intervenierte. Letztendlich beruhigten sich die Kapitalmärkte schnell wieder. Ein Scheitern des Verfassungsreferendums im Dezember in Italien und ein Erstarken der eurokritischen Fünfsternebewegung könnten die EU jedoch erneut in stürmisches Fahrwasser bringen und den Schweizer Franken als sicheren Hafen weiter aufwerten lassen. Wir erwarten deshalb, dass der Kurs des Währungspaars EUR/CHF weiter sinken wird.
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