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23.12.2016 | 15:30
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HSH Nordbank·Mehr Nachrichten von HSH Nordbank

Politische Ereignisse könnten Auftrieb verleihen

Nach starken Gewinnen im ersten Halbjahr 2016 hat der Goldpreis in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben. Für 2017 erwarten wir eine temporäre Wiederaufnahme des Aufwärtstrends - vor allem wegen der politischen Risiken. Jedoch bleibt der Gegenwind durch die Aufwertung des US-Dollar und den Anstieg der Anleiherenditen im kommenden Jahr weiter bestehen. Die in diesem Jahr nur verhaltene Goldnachfrage in Asien dürfte sich dagegen beleben.

Goldpreis erlebte ein gespaltenes Jahr

Der Goldpreis erlebte ein gespaltenes Jahr 2016. Im ersten Halbjahr verzeichnete er einen Anstieg um 25 %. Anfang Juli erreichte der Goldpreis bei 1375 US-Dollar/Feinunze sein Jahreshoch und gleichzeitig den höchsten Wert seit März 2014. Diese Entwicklung war vor allem durch die Schockwellen und starke Risk-off Bewegungen an den Aktien- und Anleihemärkten nach dem Brexit-Referendum bestimmt. Mit einer Beruhigung der Lage an den Märkten ging auch die Hausse am Goldmarkt zu Ende. Einer Seitwärts-bewegung in den Sommermonaten folgte im vierten Quartal ein kräftiger Rückgang des Goldpreises. Bis Anfang Dezember fiel der Preis des Edelmetalls um 12 % auf gut 1160 US-Dollar/Feinunze.

Die Preisbewegungen bei Gold im abgelaufenen Jahr lassen sich vor allem anhand der Nachfrage nach Gold als Kapitalanlage erklären. Diese war im ersten Halbjahr sehr robust und übertraf dabei sogar die Schmucknachfrage, welche normalerweise die Hälfte der gesamten Goldnachfrage ausmacht. Wesentlicher Treiber der Nachfrage nach Gold als Kapitalanlage waren die Gold-Indexfonds (ETFs), welche laut World Gold Council (WGC) in den ersten sechs Monaten des Jahres Zuflüsse von 580 Tonnen verzeichneten.

Zusätzlich zu den Entwicklungen an den Kapitalmärkten lastete auf den Goldpreisen die schwache Konsumnachfrage nach Gold. Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Schmuck, Münzen und Barren war gemäß den Daten des WGC in den ersten neun Monaten des Jahres um 16 % niedriger als im Vorjahreszeitraum. Maßgeblich belastet wurde die private Konsumentennachfrage von einem deutlichen Rückgang in Indien und China - beide Länder zusammen machen etwa 45 % der globalen Goldkonsumnachfrage aus.

Konsumnachfrage in Indien und China

Während die chinesische Goldnachfrage im nächsten Jahr steigen dürfte, rechnen wir mit einem Rückgang der Nachfrage aus Indien. Im Zuge der Einführung einer Verkaufssteuer auf Goldschmuckwaren fragten die indischen Konsumenten in den ersten neun Monaten diesen Jahres bereits 29 % weniger Gold nach als im Vorjahreszeitraum. Dieser Trend dürfte sich im nächsten Jahr fortsetzen: Die Abschaffung der 500- und 1000-Rupien-Scheine werden vor allem für die Landbevölkerung - die oftmals über kein eigenes Konto verfügt - ein Hindernis für den Erwerb von Goldprodukten sein. Auch in China dürfte die Nachfrage zu Konsumzwecken weiter rückläufig sein: Laut einer Studie fragen vor allem junge Leute Goldschmuck mit geringerem Feingehalt nach, was die verkaufte Goldmenge senkt. Andererseits dürften das weiterhin starke Einkommenswachstum der Mittelschicht und die Angst vor einer Abwertung der chinesischen Währung - dem Renminbi - die Nachfrage stabilisieren.

Zentralbanken

Deutlich schwächer entwickelte sich in diesem Jahr zudem die Nachfrage der Zentralbanken, welche laut WGC in den ersten drei Quartalen um 33 % niedriger ausfiel als im Vorjahr. Angesichts der gestiegenen Goldpreise, fallender Währungsreserven sowie des stetigen Abwertungsdrucks auf die heimische Währung hielt sich insbesondere die chinesische Zentralbank mit Käufen merklich zurück. Auch die russische Zentralbank kaufte in den ersten neun Monaten des Jahres erheblich weniger Gold. Diese Schwäche stufen wir als ein temporäres Phänomen ein, da sich die russische Wirtschaft in Folge der derzeit relativ hohen Ölpreise deutlich besser entwickeln dürfte als bisher angenommen und somit auch mehr Deviseneinnahmen für den Goldkauf zur Verfügung stehen sollten. Ers te Anzeichen der Erholung spiegelten sich bereits in den Oktober-Daten wider. Aufgrund des weiterhin niedrigen Goldanteils in den Währungsreserven der Schwellenländer ist der Kauf von Gold aus Diversifikationsaspekten weiterhin naheliegend.

Ausblick auf das kommende Jahr

Die in diesem Jahr nur verhaltene Goldnachfrage in Asien dürfte sich dank der im vierten Quartal gefallenen Preise und einer verbesserten Einkommenslage der indischen Landbevölkerung nach einer besseren Monsunsaison beleben. Ein Knackpunkt ist allerdings die o.g. Bargeldknappheit in Indien, welche sich nicht ohne weiteres auflösen wird und die Goldnachfrage in 2017 weiter belasten wird. Hinzu kommt die sehr stark preiselastische physische Goldnachfrage auf dem indischen Subkontinent und im Reich der Mitte, wie es in diesem Jahr zu beobachten war. Eine Umfrage des WGC unter 1000 chinesischen und indischen Verbrauchern ergab, dass die Haushalte sehr zögerlich mit den Goldankäufen sind. Ein Drittel der Befragten gab an, dass sie mit ihren Goldkäufen warten, bis die Preise sinken.

Für höhere Goldpreise ist daher eine stärkere Investmentnachfrage notwendig. Diese hängt wiederum stark von den Erwartungen an die Geldpolitik, der Entwicklung des Außenwerts der eigenen Währung ggü. dem US-Dollar, den Anleiherenditen, den Aktienmärkten und vom Risikoappetit der Marktteilnehmer ab. Dies war insbesondere in den Wochen nach dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg von Donald Trump zu sehen. Der Markt erwartet für das kommende Jahr wegen stark gestiegener Inflationserwartungen bis zu drei weitere Zinsschritte, nachdem die Federal Reserve Bank am 14.12. die zweite Leitzinsanhebung in 10 Jahren beschloss. Dies ließ den Goldpreis auf ein Zehnmonatstief fallen. Im ersten Halbjahr 2017 gehen wir von einer weiteren Aufwertung des US-Dollar (bis hin zur Parität zum Euro) und einem moderaten Anstieg der globalen Anleiherenditen aus. Der Gegenwind für Gold von dieser Seite bleibt daher ungebrochen stark. Leicht anziehende Realzinsen dürften außerdem dafür sorgen, dass die Opportunitätskosten der Goldhaltung steigen. Die Lage der Weltwirtschaft ist gut und deutlich besser als noch vor einigen Monaten. China bleibt den Zahlen nach auf Kurs, auch wenn das Wachstum mit einem beunruhigenden Anstieg der Verschuldung einhergeht. Dies dürfte einerseits die Fed darin bestärken die Leitzinsen gemäß den Erwartungen im kommenden Jahr anzuheben und andererseits die Aktienmärkte auf Expansionskurs halten. Darunter dürfte der Goldpreis leiden

Aufgrund zahlreicher Unsicherheitsfaktoren könnte es jedoch jederzeit zu einem erneuten Anstieg der Risikoaversion an den Märkten kommen. Auslöser könnten die im nächsten Jahr anstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in einigen wichtigen EU-Ländern sein (Frankreich, Deutschland, Niederlande und möglicherweise Italien), falls dort EU-kritische bzw. populistische-Kräfte deutlichen Zulauf erhalten. Auch der für März vorgesehene Beginn des EU-Austrittprozesses von Großbritannien könnte für zusätzliche Unsicherheit sorgen. Nicht zu vernachlässigende Risiken für die Finanzmarktstabilität stellen das italienische Bankensystem und der chinesische Immobiliensektor dar. Ein weiteres Risiko liegt im unvorhersehbaren Handeln des neuen US-Präsidenten Trump, welcher am 20. Januar sein Amt antritt. Zunehmender Protektionismus und ein nicht auszuschließender Handelskrieg mit China könnten zu neuen Verwerfungen an den Finanzmärkten und einem erneut zögerlichen Handeln der Fed führen. Von diesen Ereignissen wird der Goldpreis proftieren. Zum Jahresende erwarten wir die Goldpreise in etwa auf dem gegenwärtigen Niveau. Im ersten Halbjahr dagegen dürfte der Preis des Edelmetalls stark von der Unsicherheit der politischen Ereignisse profitieren, die den Goldpreis durchaus auf 1300 US-Dollar/Feinunze katapultieren könnten. Spätestens im zweiten Halbjahr werden die fundamentalen Daten in den Vordergrund rücken, die, eher gegen einen Zuwachs bei den Goldpreisen sprechen.


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