Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat erneut deutliche Kritik am Verhalten des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Schuldenstreit mit den europäischen Gläubigern um Griechenland geübt. Träfen die pessimistischen Wachstumsannahmen des Washingtoner Fonds wirklich zu, würde dies nach seiner Überzeugung dem Eingeständnis gleichkommen, dass alle Hilfsprogramme für Athen vergeblich waren, erklärte er bei einem Steuerforum.
"Wir streiten gerade mit dem IWF darüber, welche Wachstumsannahme für Griechenland für die nächsten 40 bis 50 Jahre die richtige ist", sagte Schäuble bei einer Veranstaltung des Instituts Finanzen und Steuern in Berlin. "Der IWF ist bisher nicht bereit, mehr als 1 Prozent Wachstum für die nächsten 40 Jahre zu unterstellen - was übrigens die Erklärung ist, dass alle Programme vergeblich waren", meinte der Finanzminister mit sarkastischem Unterton. "Mit 1 Prozent Wachstum dürfte Griechenland niemals das Gap zu den anderen Mitgliedsländern der Eurozone schließen können."
Die Finanzminister der Euro-Länder hatten bei Verhandlungen vergangene Woche in Brüssel erneut keine Einigung erreicht, um den Weg für weitere Hilfsgelder an Athen zu ebnen. Nun wird eine Verständigung beim nächsten Treffen der Eurogruppe am 15. Juni erhofft. Griechenland braucht spätestens im Juli weitere 7 Milliarden Euro an frischen Mitteln aus dem Hilfspaket von insgesamt 86 Milliarden Euro. Das griechische Parlament hat dafür ein Paket aus Rentenkürzungen und höheren Steuern über knapp 5 Milliarden Euro beschlossen.
Athen dringt aber wie der IWF noch auf konkretere Vereinbarungen zu Schuldenerleichterungen. Der IWF hält diese für nötig, weil er deutlich weniger Wachstum für Griechenland ansetzt als die europäischen Gläubiger, und deshalb einen deutlich geringeren Primärüberschuss im Haushalt als die bisher angepeilten 3,5 Prozent für erreichbar hält. Schäuble hat dies wiederholt kritisiert und erklärt, für Verhandlungen über Schuldenerleichterungen fehle ihm das nötige Mandat des Bundestages.
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May 30, 2017 11:53 ET (15:53 GMT)
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