Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann hat seine Kritik an den Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) bekräftigt. In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Mundo äußerte Weidmann zudem die Einschätzung, dass die Anleihekäufe nicht schon Ende September 2018 enden werden.
"Die Notenbanken sind die größten Gläubiger der Staaten geworden. Die Finanzierungsbedingungen der Staaten hängen bei Anleihekäufen viel unmittelbarer von unserer Geldpolitik ab als in normalen Zeiten", sagte Weidmann dem Blatt.
Seiner Einschätzung nach könnte das dazu führen, dass politischer Druck auf den EZB-Rat ausgeübt wird, die Geldpolitik länger locker zu halten, als das aus Sicht der Preisstabilität eigentlich gerechtfertigt wäre. Der Bundesbank-Präsident wies darauf hin, dass die Nettoanleihekäufe bis mindestens September 2018 fortgeführt werden. "Und sie werden sicherlich auch danach nicht abrupt gestoppt", fügte er hinzu.
Weidmann, der als Präsident der Bundesbank dem EZB-Rat angehört, gilt als ein möglicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi, der im Oktober 2019 aus dem Amt scheidet. Allerdings unterscheiden sich seine geld- und ordnungspolitischen Auffassungen zum Teil deutlich von denen seiner südeuropäischen Kollegen.
Das gilt vor allem für den Ankauf von Staatsanleihen, mit denen die EZB laut Weidmann die Grenze von Geld- und Finanzpolitik "verwischt". Das macht eine Kandidatur Weidmanns weniger aussichtsreich. Weidmann selbst hat sich zu seinen Ambitionen bisher nicht geäußert.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/sha
(END) Dow Jones Newswires
January 08, 2018 07:10 ET (12:10 GMT)
Copyright (c) 2018 Dow Jones & Company, Inc.
