EMFIS.COM - 06.11.2010 (www.emfis.com) Die Aussicht auf positive Quartalsberichte katapultierte die Kurse der chinesischen Solarfirmen nach oben - der Auftakt zu einer Rallye? Das Solactive China Solar Index Zertifikat (DB2CSL) verteuerte sich im Wochenvergleich um 5,8 Prozent auf 6,88 Euro. Der Index enthält die Aktien von 9 großen chinesischen Solarunternehmen.
Mit einem Paukenschlag begann am Montag auch bei den chinesischen Solarfirmen die Berichtssaison. Den Anfang machte der vertikal integrierte Konzern JinkoSolar. Und die Zahlen des Unternehmens für das dritte Quartal schlugen die Analystenerwartungen um Längen: Der Umsatz legte im Jahresvergleich um 260,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Yuan (215 Millionen US-Dollar) zu, während der Nettogewinn sogar um 1.766,9 Prozent auf 259,5 Millionen Yuan stieg. Das Unternehmen, das erst im letzten Mai gelistet wurde und sich selbst als einen der am schnellsten wachsenden Hersteller von Solarprodukten bezeichnet, dürfte diesen Titel noch eine Weile behalten können.
Solch spektakuläre Zahlen konnte ReneSola in seinem Quartalsbericht am Freitag allerdings nicht vorweisen. Doch das Unternehmen schlug sich recht wacker, denn das Gewinnergebnis lag immer noch weit über den Analystenschätzungen. Der mittelgroße Solarkonzern, der wie viele andere Firmen aus dieser Branche letztes Jahr von der Wirtschaftskrise noch arg gebeutelt wurde, ist im dritten Quartal wieder in die Gewinnzone vorgestoßen. Von Juli bis Ende September wurden Solarwafer und -module mit einer Kapazität von 324,9 Megawatt verkauft - damit hat sich der Absatz gegenüber dem Ergebnis von 146,9 Megawatt im gleichen Zeitraum des Vorjahres mehr als verdoppelt. Insgesamt kam ReneSola auf einen Nettogewinn von 60,1 Millionen US-Dollar, während der Verlust im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch bei 10,2 Millionen US-Dollar gelegen hatte. Auch die Bruttogewinnmarge konnte weiter zulegen: Im dritten Quartal lag sie bei 32,5 Prozent, was einer Steigerung von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht und einer Verzehnfachung verglichen mit 2009.
Für das vierte Quartal rechnet ReneSola mit einem Gewinn im Bereich von 340 bis 360 Millionen US-Dollar. Ähnlich wie JinkoSolar kündigte auch ReneSola an, die Produktion weiter auszubauen, um den derzeitigen Solarboom ordentlich zu melken. Im nächsten Jahr will das Unternehmen 150 Millionen US-Dollar investieren, um die Produktionskapazität bei Solarwafern von derzeit 1,2 Gigawatt auf 1,8 Gigawatt zu erhöhen. Die Modulproduktion soll im gleichen Zeitraum von 375 Megawatt auf 600 Megawatt angehoben werden.
Trotz der guten Nachrichten konnte sich die Aktie von ReneSola aber nicht zu den Hochständen vom Oktober aufschwingen, obwohl der Kurs in den Tagen vor Bekanntgabe der Quartalszahlen ordentlich zulegte. Nach der Veröffentlichung korrigierten die Papiere des Konzerns an der New Yorker Börse sogar um 0,8 Prozent, was verdeutlicht, dass es während dieser Berichtsaison nicht zwangsläufig zu einem Kursfeuerwerk kommen muss. Weil viele Marktbeobachter derzeit ohnehin von einem starken dritten Quartal ausgehen, dürfte es für die chinesischen Solarfirmen in den nächsten Wochen nicht gerade leicht werden, die Investoren so nachhaltig zu beeindrucken, dass es zu weiteren Kursgewinnen kommt. Zwar stehen die Chancen dafür nicht gerade schlecht, doch der Fall ReneSola zeigt, dass bereits eine recht hohe Erwartungshaltung in den aktuellen Kursen eingepreist ist. Es dürfte also spannend bleiben.
Um die positive Stimmung im Solar-Sektor noch weiter einzuheizen, hat Yingli Green Energy das Bruttomargenziel für das dritte Quartal schon vor Bekanntgabe der definitiven Zahlen angehoben. Aufgrund einer gesteigerten Effizienz beim Herstellungsprozess erhöhte das Unternehmen die ursprüngliche Schätzung von 28 bis 30 Prozent auf 31 bis 32 Prozent. Geholfen haben auch die besser als erwarteten Preise, die Yingli für seine Produkte verlangen konnte. Der Absatz soll von Juli bis Ende September im Jahresvergleich voraussichtlich um die 25 Prozent zugelegt haben, was sich mit Yinglis ursprünglicher Schätzung deckt.
Unterdessen bricht der chinesische Branchenprimus Suntech Power zu neuen Ufern auf: Zusammen mit dem australischen Unternehmen Infigen Energy, einem Spezialisten für erneuerbare Energie, hat der Solarkonzern beim australischen Staat Mittel für den Bau von vier Solarkraftwerken im Bundesstaat New South Wales beantragt. Das Geld soll aus einem 1,5 Milliarden australische Dollar (1,52 Milliarden US-Dollar) schweren Solarförderprogramm kommen. Mit dieser Investitionshilfe will die Regierung in Canberra ihr ehrgeiziges Ziel erfüllen, bis zum Jahre 2020 mindestens 20 Prozent des in Australien verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Die Kosten für die von Suntech vorgeschlagenen Projekte belaufen sich auf insgesamt 780 Millionen australische Dollar. Über die Vergabe der Fördermittel soll im ersten Halbjahr 2011 entschieden werden.
Die im Solactive China Solar Index enthaltenen Einzelwerte sind:Yingli Green Energy HoldingJA Solar HoldingsCanadian SolarTrina Solar Solarfun Power Holdings ReneSola China Sunergy Suntech Power Holdings LDK Solar
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