Mario Draghi kam am Donnerstag an den Börsen denkbar schlecht an, entgegen sonstiger Gepflogenheiten. Die Aussagen des EZB-Präsidenten zu Anleihekäufen durch die Notenbank bescherten den Aktienmärkten einen rabenschwarzen Tag. Der DAX brach um 2 Prozent auf 9.196 Punkte ein, das ist der tiefste Stand seit Mitte August. Der Euro-Stoxx-50 büßte sogar 2,8 Prozent auf 3.106 Punkte ein. Trotz Details zu den schon in Kürze beginnenden Anleihekäufen konnte Draghi die Investoren diesmal also nicht überzeugen. Auf die Stimmung drückten auch die enttäuschenden Börsendebüts von Rocket Internet und Zalando.
Die EZB will mindestens zwei Jahre lang Wertpapiere kaufen und so ihre Bilanz um bis zu eine Billion Euro aufblähen. Selbst vor griechischen und zypriotischen Papieren wollen die Notenbanker nicht zurückscheuen. Doch die Skepsis im Markt war unüberhörbar. "Das war nicht der von den Märkten erhoffte Blankoscheck", sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Die ankaufbaren Volumina seien nicht groß genug, das sei letztlich die Nachricht des Tages.
Ebenso sah es Jan Holthusen von der DZ Bank: "Vom Ankaufprogramm für Covered Bonds (...) erwarten wir nicht allzuviel". Denn es dürfte der EZB schwer fallen, überhaupt Verkäufer für größere Bondpakete zu finden. Die jüngst weiter gesunkenen Inflationserwartungen sprächen dafür, dass die EZB die Anleihekaufprogramme bereits Anfang kommenden Jahres auch auf Staatsanleihen ausweitet. Das stützte nach anfänglichen Verlusten den Euro-Rentenmarkt.
An den Aktienbörsen zogen dagegen die enttäuschten Anleger am Nachmittag immer stärker an der Reißleine. Nach dem Schlussgong an den europäischen Kassamärkten setzten die Terminmärkte den freien Fall noch fort. Der Euro konnte dagegen zum US-Dollar leicht aufwerten auf 1,2660, befindet sich aber Beobachtern zufolge unverändert in einem starken Abwärtstrend.
Aktien von Rocket Internet beendeten den Handel mit einem Kurs von 37 Euro, das sind 5,50 Euro weniger als der Ausgabepreis von 42,50 Euro. In ihrem Sog brachen auch Zalando um fast 12 Prozent ein. "Viele Erstzeichner haben nur darauf spekuliert, einen schnellen Gewinn mitzunehmen. Danach wurden nur noch die Kursverluste minimiert", sagte ein Händler. Der Einbruch der Aktienmärkte habe der im Vorfeld angeheizten Stimmung für die beiden Börsengänge zudem "einen Bärendienst erwiesen".
Europaweit führte der Bankensektor die Verlierer an, er brach um mehr als 4 Prozent ein und wurde nur noch vom Ölsektor übertroffen. Am stärksten gerieten die Börsen der Eurozone-Peripherie unter Druck. In Madrid büßte der Leitindex 3,1 Prozent ein, die Mailänder Börse meldete einen Kursrutsch von 3,9 Prozent. "So sieht das also aus, wenn Mario Draghi zwar die Erwartungen erfüllt, aber nichts darüber hinaus liefert", sagt ein Händler.
Weiter steil abwärts geht es mit den Ölpreisen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI rutscht auf 88,98 Dollar und liegt nur noch knapp 2 Dollar über dem Jahrestief vom Januar. Ähnlich sah es bei der Nordseesorte Brent-Öl aus. Der jüngste Preisdämpfer kam am Vortag aus Saudi-Arabien, das angesichts der derzeitigen Ölschwemme seine offiziellen Verkaufspreise gesenkt hatte.
Der am Mittwoch berichtete erste Ebola-Fall in den USA lastete erneut auf dem Reise- und Freizeitsektor. Die Aktien von Fluggesellschaften wie der britisch-spanischen IAG, die Lufthansa und von Air France-KLM fielen um weitere 2,6 bis 3,1 Prozent.
Ein knapp 400 Millionen Euro schweres Aktienrückkaufprogramm des Baudienstleisters Hochtief ließ den Aktienkurs um 6,3 Prozent steigen. Hochtief waren damit der größte Kursgewinner aller deutschen Standardwerte.
Verluste gab es auch im Stahlsektor. Der Chef des österreichischen Stahlherstellers Voestalpine rechnet für Europas Stahlindustrie mit einem schwächeren zweiten Halbjahr. Das drückte die Papiere von Voestalpine, ThyssenKrupp, Salzgitter und Klöckner & Co um 1,9 bis 3,8 Prozent nach unten. Auch der Chef des Stahlhändlers Klöckner & Co gab einen pessimistischen Ausblick auf die Entwicklung der Stahlnachfrage in Europa.
Pessimistische Prognosen des US-Düngemittelproduzenten Agrium lasteten auf dem Kurs von K+S, der um 3,1 Prozent fiel. Aktien von United Internet verbilligten sich um 3 Prozent, das Unternehmen ist ein Großaktionär von Rocket Internet.
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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.106,42 -88,66 -2,8% -0,1%
Stoxx-50 2.972,23 -73,90 -2,4% +1,8%
Stoxx-600 332,05 -8,17 -2,4% +1,2%
XETRA-DAX 9.195,68 -186,35 -2,0% -3,7%
FTSE-100 London 6.446,39 -111,13 -1,7% -4,5%
CAC-40 Paris 4.242,67 -122,60 -2,8% -1,2%
AEX Amsterdam 406,22 -10,58 -2,5% +1,1%
ATHEX-20 Athen 344,70 -0,97 -0,3% -10,4%
BEL-20 Bruessel 3.131,84 -66,77 -2,1% +7,1%
BUX Budapest 17.717,78 -241,61 -1,3% -4,6%
OMXH-25 Helsinki 2.847,34 -50,44 -1,7% +0,4%
ISE NAT. 30 Istanbul 90.248,64 -167,80 -0,2% +9,5%
OMXC-20 Kopenhagen 748,24 -15,13 -2,0% +21,6%
PSI 20 Lissabon 5.683,27 -187,57 -3,3% -16,2%
IBEX-35 Madrid 10.418,10 -335,10 -3,1% +5,1%
FTSE-MIB Mailand 19.894,88 -811,43 -3,9% +4,9%
RTS Moskau 1.095,11 -18,31 -1,6% -24,1%
OBX Oslo 535,94 -15,55 -2,8% +6,4%
PX Prag 973,65 -14,99 -1,5% -1,6%
OMXS-30 Stockholm 1.353,93 -27,66 -2,0% +1,6%
WIG-20 Warschau 2.434,37 -28,23 -1,1% +1,4%
ATX Wien 2.148,73 -41,48 -1,9% -15,6%
SMI Zuerich 8.654,71 -134,82 -1,5% +5,5%
DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8.33 Uhr Mi, 17.23 Uhr
EUR/USD 1,2663 0,19% 1,2639 1,2595
EUR/JPY 136,95 -0,36% 137,44 138,02
EUR/CHF 1,2080 0,06% 1,2072 1,2069
USD/JPY 108,15 -0,58% 108,77 109,56
GBP/USD 1,6129 -0,49% 1,6209 1,6196
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October 02, 2014 12:30 ET (16:30 GMT)
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