Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der Staat kann sich in diesem Jahr nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) über deutlich mehr Steuereinnahmen freuen als noch im Mai geschätzt. Allerdings werden laut DIW dann 2016 weniger Steuereinnahmen zu Buche stehen als veranschlagt.
Bund, Länder und Gemeinden nehmen dieses Jahr laut DIW rund 671,8 Milliarden Euro Steuern ein. Die Schätzung des Institutes liegt damit um 5,3 Milliarden Euro über der amtlichen Steuerschätzung vom Mai. Damit erhielte der Staat dieses Jahr knapp 28 Milliarden Euro mehr als im vergangenen.
Allerdings rechnet das DIW auch damit, dass der deutsche Fiskus 2016 um 1,6 Milliarden weniger Steuern einnimmt als im Mai geschätzt. Mit 689,8 Milliarden Euro sollen es nach den Berechnungen der Berliner Ökonomen 18 Milliarden mehr sein als in diesem Jahr. Die DIW-Prognose berücksichtigt, dass die Politik die Steuerzahler im kommenden Jahr entlasten und die in den Jahren 2014 und 2015 durch die kalte Progression erzielten Mehreinnahmen zurückgeben will. Tatsächlich schlagen Steuerrechtsänderungen sogar mit einem Minus von 5,4 Milliarden Euro zu Buche - sie sollen aber zum größten Teil durch die gute Konjunktur wettgemacht werden.
"Die Steuern sprudeln weiter kräftig", hob DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden hervor. Das Einnahmenplus gehe maßgeblich auf eine gute Lage am Arbeitsmarkt zurück. Die sich gegenüber den Haushaltsplanungen in diesem Jahr abzeichnenden Steuermehreinnahmen fallen nach der Analyse des Institutes vor allem im Bundeshaushalt und bei den Ländern an. "Der Bund kann die sich nunmehr im Haushalt einstellenden Überschüsse nutzen, um die aktuellen Herausforderungen, beispielsweise in Zusammenhang mit der steigenden Flüchtlingszahl, zu bewältigen", betonte van Deuverden.
Die nächste offizielle Steuerschätzung findet vom 3. bis zum 5. November in Nürnberg statt. Ihre Ergebnisse bilden dann die Grundlage für die weiteren Haushaltsplanungen des Bundes.
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September 15, 2015 09:07 ET (13:07 GMT)
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