Von Hendrik Varnholt
FRANKFURT (Dow Jones)--Volkswagen kämpft mit dem Konjunktureinbruch in China, doch profitiert von der Euroschwäche und den eigenen Sparbemühungen. Der nun weltgrößte Automobilkonzern hat vor dem Hintergrund im zweiten Quartal zwar abermals den operativen Gewinn gesteigert, aber unter dem Strich deutlich weniger verdient als noch ein Jahr zuvor. Trotz der Entwicklung in China sehen sich die Volkswagen-Verantwortlichen weiter auf dem Weg, die meisten Jahresziele für das laufende Geschäft zu erreichen. Die entsprechenden Gewinn- und Umsatzprognosen ließen sie bei der Quartalszahlenvorlage am Mittwoch unverändert. Mit einem Wachstum der Auslieferungszahl rechnen die VW-Chefs aber nicht mehr.
Das operative Gewinnwachstum fiel im vergangenen Quartal so deutlich aus wie von Analysten erwartet: Der Volkswagen-Konzern verdiente wie von den Branchenexperten geschätzt 3,49 Milliarden Euro und damit rund 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Autoherstellers erhöhte sich allerdings noch deutlicher um etwa 10 Prozent auf 56,04 Milliarden Euro. Die operative Marge des Konzerns lag damit bei 6,2 Prozent, nach 6,5 Prozent ein Jahr zuvor.
Die Zahl der weltweiten Auslieferungen entwickelte sich gegensätzlich zu Umsatz und Gewinn: Wie aus Daten hervorgeht, über die Volkswagen schon Mitte Juli berichtet hatte, übergaben die Konzernmarken im zweiten Quartal rund 2,55 Millionen Fahrzeuge an ihre Kunden. Das waren fast 3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Volkswagen war gemessen an den Auslieferungszahlen in der ersten Hälfte dieses Jahres gleichwohl der weltgrößte Autohersteller: Die Auslieferungen des zuvor größten Autokonzerns Toyota schrumpften noch stärker. Grund für das Minus bei Volkswagen ist vor allem der Absatzeinbruch in China. In dem Land, das in den vergangenen Jahren zu Volkswagens größtem Markt geworden ist, lieferte der Konzern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 9 Prozent weniger Fahrzeuge aus.
Weil Volkswagen die Geschäfte in China gemeinsam mit Partnern betreibt, wirkt sich die Entwicklung in dem Land allerdings kaum auf den operativen Gewinn des Konzerns aus. Der Erfolg der at-equity bilanzierten chinesischen Joint-Ventures fließt stattdessen zum größten Teil in das Finanzergebnis ein. Zu diesem leisteten die Gemeinschaftsunternehmen im vergangenen Quartal nach Berechnungen von Dow Jones Newswires nur noch einen Beitrag von rund 1,1 Milliarden Euro, nach etwa 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Ohne die derzeitige Schwäche des Euro wäre der Rückgang offenkundig noch deutlicher ausgefallen.
Nach Steuern verdiente Volkswagen wegen der Entwicklung in China und angesichts weiterer Veränderungen im Finanzergebnis nur noch 2,73 Milliarden Euro und damit rund 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum sowie deutlich weniger als von Analysten mit 3,00 Milliarden Euro geschätzt. "Die Ergebnisse im ersten Halbjahr zeigen, dass Volkswagen auch in einem immer härteren Marktumfeld sehr gut aufgestellt ist und eine überzeugende Produktpalette hat", zitierte Volkswagen gleichwohl seinen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn.
Für das Gesamtjahr sagt VW am Mittwoch denn auch unverändert eine operative Gewinnspanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent voraus. Der Konzern wiederholt zudem die Prognose, nach der der Konzernumsatz in diesem Jahr um bis zu 4 Prozent steigen soll. Für die PKW-Sparte gehen die Volkswagen-Chefs unverändert von einer Gewinnspanne zwischen 6,0 und 7,0 Prozent aus. Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge soll den Angaben zufolge aber nur noch "auf dem Niveau des Vorjahres" liegen.
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July 29, 2015 02:48 ET (06:48 GMT)
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