Von Thomas Leppert
FRANKFURT (Dow Jones)--Mit deutlichen Kursgewinnen sind die europäischen Börsen in die Handelswoche gestartet. Unterstützung bekommen sie von der Wall Street, die klar im Plus eröffnet hat. Im größeren Bild bilden die europäischen Indizes weiterhin einen Boden aus, der von teils heftigen Schwankungen begleitet wird. Nachdem der DAX vor sechs Tagen noch auf dem Jahrestief bei 9.325 Punkten notiert hat, handelt er aktuell 5 Prozent darüber. Einige Aktien machen die Aufwärtsbewegung nicht mit. K+S brechen um 25 Prozent ein, nachdem die kanadische Potash-Group kein Übernahmeinteresse mehr hat.
Der DAX steigt am Nachmittag um 3,0 Prozent auf 9.835 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gewinnt mit Kursgewinnen der Rohstoffwerte sogar 3,4 Prozent. Der Sektor der Öltitel legt um 4,7 Prozent zu, während sich ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent um 2,3 Prozent auf 49,26 US-Dollar verteuert. Die Minenwerte steigen im Schnitt um 4,8 Prozent.
Thema Nummer eins ist nach wie vor der schwache US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag: "Eine Zinserhöhung in den USA ist zumindest für den Oktober vom Tisch, vermutlich sogar für den Rest des Jahres", meint ein Marktteilnehmer. Das gebe anderen Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank oder der chinesischen Notenbank mehr Raum für eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Der Euro handelt wenig verändert bei gut 1,1221 Dollar.
Am deutschen Aktienmarkt ist das Werben der kanadischen Potash-Group für den nordhessischen Wettbewerber K+S zu Ende, die Aktie der Kasseler verliert in Folge ein Fünftel an Wert. Potash wollte den Wettbewerber gerne einvernehmlich übernehmen und hatte Ende Mai einen Preis von 41 Euro je Aktie angeboten - was allerdings nie auf Gegenliebe stieß. Seitdem hätten die "herausfordernden makroökonomischen Bedingungen zu einem signifikanten Rückgang der globalen Rohstoff- und Aktienmärkte beigetragen", begründet Potash-CEO Jochen Tilk den Rückzug. Potash will das Geld nun anderweitig ausgeben - und möglicherweise eigene Aktien zurückkaufen.
K+S brechen um 24 Prozent auf 23,52 Euro ein. Marc Gabriel, Aktienanalyst des Bankhauses Lampe, empfiehlt die Aktie zu kaufen. Die schlechten Nachrichten seien nun eingepreist. Nun müsse das K+S-Management liefern, das während des Werbens der Kanadier immer wieder betont hatte, dass das Unternehmen mehr wert sei. Zudem schließt Gabriel nicht aus, dass Potash einen zweiten Versuch startet, K+S zu übernehmen. Die Aktionäre dürften nach diesem Kursdebakel ein offenes Ohr für ein erneutes Werben der Kanadier haben.
Zu teils kräftigen Kursbewegungen kommt es bei den Minenwerten. So steigt die Aktie des Rohstoffhändlers Glencore um 15 Prozent, nachdem sich das Unternehmen am Wochenende offen für Übernahme gezeigt hat. Glencore setzen damit ihren volatilen Handel fort, während das Management sich bemüht, Sorgen um die Konzernfinanzen und fallende Rohstoffpreise zu zerstreuen. ArcelorMittal gewinnen knapp 7,5 Prozent, nachdem die Analysten der Citigroup den Wert gleich um zwei Stufen auf "Buy" hochgenommen haben.
Den Tagesgewinner im DAX stellt mit einem Plus von 7,5 Prozent die Aktie von RWE. Während die Börse weiterhin auf die Aussagen der Politik aus der vergangenen Woche setzt, wonach der Atomausstieg nicht allein zu Lasten der Versorger gehen dürfe, stellte das Wirtschaftsministerium klar. "Es wird keine staatliche Hilfe geben", sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Für den Minister stehe die Haftung der Unternehmen für den Abriss und die Lagerung der Brennstäbe im Zentrum.
ThyssenKrupp steigen um 3,9 Prozent. "Ich erwarte mindestens 100 Millionen Euro zusätzliche Einsparungen pro Jahr", sagte Stahl-Chef Andreas Goss der "Rheinischen Post". Im TecDAX beurteilen Marktteilnehmer die Perspektiven von Nordex positiv. Das Windenergieunternehmen übernimmt Acciona Windpower für 785 Millionen Euro. Nordex will sich mit der Übernahme neue Märkte erschließen und zwar unter anderem in Schwellenländern. Der Kurs steigt um 6,5 Prozent. Die Aktie von Acciona, der Mutter von Acciona Windpower, rückt in Madrid um 9,1 Prozent vor.
Die Finanzmärkte in Spanien reagieren positiv auf die Hochstufung durch S&P. Die Ratingagentur beurteilt die Kreditwürdigkeit des Landes nun mit "BBB+" nach "BBB" und damit eine Stufe höher als zuvor. "Das zeigt: Die Erholung in der Peripherie trägt Früchte", sagt ein Marktteilnehmer. Der IBEX gewinnt 3,7 Prozent.
=== INDEX Stand +-% Euro-Stoxx-50 3.199,79 +3,61% Stoxx-50 3.073,93 +3,22% DAX 9.837,21 +2,97% FTSE 6.295,40 +2,70% CAC 4.629,37 +3,82% EUREX Stand +-Ticks Bund-Future 156,65% -50 DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8.25 Uhr Fr, 17.30 Uhr EUR/USD 1,1213 -0,21% 1,1237 1,1274 EUR/JPY 134,84 -0,05% 134,91 134,44 EUR/CHF 1,0939 0,23% 1,0914 1,0919 USD/JPY 120,29 0,21% 120,04 119,24 GBP/USD 1,5176 -0,26% 1,5215 1,5225 ===
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October 05, 2015 10:29 ET (14:29 GMT)
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