Von Archibald Preuschat
FRANKFURT (Dow Jones)--Telefonica Deutschland, besser bekannt unter seiner Marke O2, verwöhnt weiterhin seine Investoren. Die Dividende für das laufende Jahr soll um 1 Eurocent auf 0,25 Euro je Aktie steigen und weitere Anhebungen der Ausschüttung für 2017 und 2018 sind geplant, hieß es bei der Vorlage des Zweitquartalsberichts am Mittwoch. Derweil muss das nach SIM-Karten größte Mobilfunkunternehmen Deutschlands seine Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr nach unten anpassen, da sich insbesondere im Niedrigpreis-Segment der Wettbewerb verschärft hat.
Telefonica Deutschland gab darüberhinaus eine exklusive Kooperation mit Sky Deutschland bekannt, von der sie sich einen höheren Datenverbrauch verspricht.
Die Erlöse aus mobilen Diensten, bei der Umsätze mit Endgeräten herausgerechnet werden, sanken im zweiten Quartal um 1,7 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro. Drei Monate zuvor hatte der Rückgang lediglich 1,3 Prozent betragen. Damit läuft Telefonica Deutschland auch in diesem Quartal wieder Gefahr, die schwächste Umsatzentwicklung im deutschen Mobilfunkgeschäft präsentieren zu müssen.
Vodafone Deutschland hatte bereits in der vergangenen Woche einen um 0,3 Prozent geringeren Umsatz mit mobilen Diensten gemeldet. Die Deutsche Telekom wird ihre Quartalszahlen erst in gut zwei Wochen vorlegen.
Telefonica Deutschland konnte seine Kundenzahl zwar auf 43,42 Millionen nach 42,62 Millionen ein Jahr zuvor steigern, doch stammt der Zuwachs hauptsächlich aus dem Großkundengeschäft, also insbesondere von Drillisch und United Internet. Beide Unternehmen treten als sogenannte virtuelle Netzbetreiber auf und nutzen das Netz von Telefonica Deutschland. Drillisch muss Telefonica Deutschland auch einen Teil seiner Netzkapazitäten freihalten. Das verfügte die EU-Kommission, als sie Telefonica Deutschland den Kauf von E-Plus gestattete. Gerade im Niedrigpreis-Segment habe sich der Wettbewerb aber verschärft, so das MDAX-Unternehmen aus München.
Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Sondereffekten (OIBDA) wuchs leicht um 1,2 Prozent auf 459 Millionen Euro. Unterm Strich steht, anders als in zahlreichen Quartalen zuvor, mit 252 Millionen Euro ein deutlicher Gewinn. Dieser resultiert im Wesentlichen aus dem Verkauf von 2.350 Stahl-und Betonmasten an die auf Telekommunikations-Infrastruktur spezialisierte Telxius, eine Tochter der spanischen Muttergesellschaft Telefonica. Das brachte Telefonica Deutschland einen Nettoerlös von 352 Millionen Euro ein.
Nach unten einschränken musste Telefonica Deutschland freilich den Umsatzausblick im Kerngeschäft Mobilfunk. Nunmehr sieht ihn das Unternehmen leicht rückläufig, anstatt wie zuvor noch stagnierend bis leicht negativ. Bestätigt wurde indes die Prognose für das operative Ergebnis (bereinigtes OIBDA), es wird im Gesamtjahr im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich über den 1,76 Milliarden Euro des Vorjahres erwartet.
Telefonica-Deutschland-Chef Thorsten Dirks sieht die "Strategie der konsequenten Datenmonetarisierung" aufgehen. Finanzvorstand Rachel Empey rechnet damit, dass sich Investitionen in Marke, Netz und IT im zweiten Halbjahr zunehmend positiv auswirken. "Wir werden in diesem Jahr bereits mehr als die Hälfte der für 2019 angestrebten jährlichen Synergien von 800 Millionen Euro beim Operating Cash Flow erreichen", so Empey in einer Mitteilung.
Telefonica Deutschland hat zudem am Mittwoch eine exklusive Kooperation mit dem Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland bekanntgegeben. Sie wird O2 Kunden zu attraktiven Konditionen und ohne langfristige Vertragsbindung mobilen Zugang zu hochwertigen Filmen, Serien und insbesondere Sportinhalten wie Fußball-Bundesliga und Champions League bieten, heißt es.
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July 27, 2016 01:31 ET (05:31 GMT)
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