Von Manuel Priego Thimmel
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Schaukelbörse an Europas Börsen geht weiter. Nach einer kurzen Schwächephase geht es mit den Kursen am Freitagnachmittag wieder kräftiger nach oben. Die Erwartung bald anstehender geldpolitischer Lockerungen stützt. Im Blick steht der Bankensektor. Die Europäische Kommission erlaubt Italien die Unterstützung seiner Banken. Ein EU-Vertreter sagte, das Stützungsprogramm beinhalte bis zu 150 Milliarden Euro an Staatsgarantien. Der DAX gewinnt 0,7 Prozent auf 9.755 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 geht es 0,6 Prozent auf 2.882 nach oben.
Nach einem massiven Kapitalabfluss im Zusammenhang mit der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, sieht Bank of America-Merrill Lynch (BoA-ML) Kaufgelegenheiten an den Aktienmärkten. Wie die Analysten ausführen, sind am vergangenen Montag insgesamt 9,5 Milliarden Dollar weltweit aus Aktien abgezogen worden. Das ist der neunthöchste gemessene Abfluss in den vergangenen zehn Jahren. Auf Wochenbasis seien 20,7 Milliarden Dollar abgeflossen - der höchste Wert seit August 2015. Der Bull & Bear Indikator des US-Hauses hat ein Kaufsignal generiert, da das Sentiment "extrem bearische" Niveaus erreicht hat.
Anleger hoffen auf weitere geldpolitische Lockerungen
An den Anleihemärkten der Peripherie der Eurozone geht es mit den Renditen am Freitag überwiegend weiter leicht nach unten. Die Risikoprämien hatten sich am Vortag kräftig gen Süden entwickelt. Auslöser waren Medienberichte, laut denen die Europäische Zentralbank (EZB) eine Änderung ihres Programms zum Ankauf öffentlicher Anleihen in Erwägung ziehe. Einige Ratsmitglieder möchten demnach, dass die EZB diese Papiere nicht entsprechend dem EZB-Kapitalschlüssel ankauft, sondern entsprechend dem Volumen der ausstehenden Anleihen.
Im Devisenhandel herrscht Ruhe. Das Pfund zieht gegen den Dollar leicht auf 1,3315 an. Auch der Euro erholt sich und wertet leicht auf 1,1150 gegen die US-Währung auf. Weiter gefragt ist Gold - der Preis für das Edelmetall steigt um 1 Prozent auf 1.335 Dollar die Feinunze. Gold profitiert von den wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten nach dem "Brexit" und der Erwartung weiterer geldpolitischer Lockerungen durch die Zentralbanken.
Erleichterungen für den Bankensektor
Für Europas Banken geht es im Schnitt 0,5 Prozent nach oben. Neben den Rekapitalisierungsplänen für die angeschlagenen italienischen Banken stützen auch Spekulationen, die Bank of England könnte die Kapitalanforderungen für den britischen Bankensektor als Folge des "Brexits" lockern. HSBC steigen um 1,1 Prozent und Barclays um 0,9 Prozent. In Mailand selbst können Bankenaktien sich allerdings nicht halten und drehen wieder überwiegend ins Minus. So fallen Intesa Sanpaolo 1,4 Prozent.
Anleger für VW optimistischer gestimmt
Gegen den allgemeinen Trend geht es für den Automobilsektor 3,1 Prozent nach oben. Stützend wirkt hier auch das Kursplus von VW von 5 Prozent. "Der Brexit-Einbruch hatte die US-Einigung mit den 2,0-Liter-Motoren vollkommen überlagert", sagt ein Händler. Dazu komme, dass der Markt erst jetzt merke, wie gut am Vorabend das Gerichtstreffen zu den 3,0-Liter-Motoren ausgefallen sei. Der Markt habe hier die Möglichkeit einkalkuliert, dass für über 80.000 Fahrzeuge nochmals Kosten von über 3 Milliarden Dollar anfallen könnten.
Tatsächlich habe man nun aber den Eindruck, dass die Lösung dieses Problems weit weniger kompliziert als befürchtet sei. "Das weckt natürlich die Hoffnung, dass es ohne große Strafzahlungen ausgehen könnte", so der Händler. Ein weiteres Gespräch zu diesem Thema hat der US-Richter für den 25. August angesetzt.
Deutsche Börse verlieren 1,2 Prozent. "In der Aktie wird die Fusion mit der LSE ausgepreist", heißt es im Handel. Zwar dürften die LSE-Aktionäre am Montag auf der Hauptversammlung der Fusion mit den Eschbornern zustimmen. Nach dem "Brexit" haben sich jedoch die kritischen Stimmen aus Politik und Aufsichtsbehörden gemehrt, die nahelegen, dass eine Fusion mit dem geplanten Sitz der neuen Holding in London nicht genehmigt wird. LSE fallen in London um 0,4 Prozent.
Nestle dürften nicht an Hershey interessiert sein
Derweil dreht sich das Übernahmekarussell weiter. Hershey hat das Gebot von Mondelez in einer Höhe von 23 Milliarden Dollar abgelehnt. Die Societe Generale (SocGen) hält ein Gebot von Nestle für Hershey für unwahrscheinlich. Die Ernennung von Ex-Fresenius-Vorstandschef Ulf Schneider zum neuen CEO von Nestle stelle die Weichen in Richtung Gesundheitspflege, unterstreicht auch RBC. An Übernahmen in traditionellen Geschäftsfeldern dürfte er kein Interesse haben, meinen die Analysten. Nestle steigen 0,9 Prozent.
=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD Euro-Stoxx-50 2.879,54 0,52 14,80 -11,87 Stoxx-50 2.820,31 0,25 6,98 -9,03 DAX 9.752,41 0,75 72,32 -9,22 MDAX 20.061,61 1,10 218,18 -3,43 TecDAX 1.613,26 0,76 12,22 -11,88 SDAX 8.840,74 0,67 58,51 -2,83 FTSE 6.554,06 0,76 49,73 4,99 CAC 4.267,29 0,70 29,81 -7,97 Bund-Future 166,88% 100 7,61 DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 11.19 Uhr Do, 17.36 Uhr % YTD EUR/USD 1,1157 +0,44% 1,1108 1,1102 +2,7% EUR/JPY 114,4856 +0,49% 113,9278 114,09 -21,0% EUR/CHF 1,0850 +0,11% 1,0838 1,0829 -0,3% EUR/GBP 0,8366 +0,13% 0,8352 1,1959 +13,6% USD/JPY 102,58 +0,04% 102,54 102,71 -12,6% GBP/USD 1,3335 +0,23% 1,3304 1,3269 -9,6% ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 48,32 48,33 -0,0% -0,01 +15,4% Brent/ICE 0,00 49,68 0% 0,00 +18,1% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.339,01 1.322,18 +1,3% +16,84 +26,2% Silber (Spot) 19,34 18,71 +3,4% +0,63 +39,9% Platin (Spot) 1.049,20 1.022,50 +2,6% +26,70 +17,7% Kupfer-Future 2,19 2,19 -0,2% -0,00 +1,8% ===
Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com
DJG/mpt/flf
(END) Dow Jones Newswires
July 01, 2016 09:45 ET (13:45 GMT)
Copyright (c) 2016 Dow Jones & Company, Inc.
