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IWF senkt wegen Brexit-Beschluss globale Wachstumsprognosen

Von Ian Talley

WASHINGTON (Dow Jones)--Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognosen zum globalen Wachstum in diesem und nächsten Jahr leicht gesenkt, da der Brexit-Beschluss die Verbraucher- und Investorenstimmung spürbar belastet. Für beide Jahre wurde die Prognose um 0,1 Prozentpunkte gekappt, wie der Währungsfonds in einem Update zu seinem globalen Wachstumsausblick mitteilte.

Für 2016 wird jetzt ein Wachstum von 3,1 Prozent erwartet, die geringste Rate seit der Finanzkrise. Im Jahr 2017 erwartet der IWF dann eine etwas höhere Dynamik und eine Wachstumsrate von 3,4 Prozent.

Die Experten des IWF warnten aber, dass eine Reihe von Risiken - geopolitische Turbulenzen, steigender Protektionismus und terroristische Attacken - das Wachstum noch stärker drücken könnte. Zugleich drohten den Zentralbanken der Welt die geldpolitischen Optionen auszugehen, was sich zum Teil an den weltweit rekordtiefen Anleiherenditen ablesen lasse.

Viele Schwellenländer hätten zudem immer noch schwer mit der Wachstumsabschwächung in China zu kämpfen, dem starken Rückgang im Welthandel und dem tiefen Fall der Rohstoffpreise.

Brexit macht Strich durch die Rechnung 
 

"Das britische Referendum erzeugt zusätzlichen Abwärtsdruck in der Weltwirtschaft zu einer Zeit, in der das globale Wachstum bereits verlangsamt ist", sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Der IWF sei bereit gewesen, seine Wachstumsprognosen nach oben zu revidieren, vor allem angesichts der weniger scharfen Rezessionen in Brasilien und Russland. "Doch der Brexit hat nun einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagte Obstfeld.

Obwohl sich die Finanzmärkte von dem Ausverkauf kurz nach dem Brexit-Votum erholt haben, warnte der IWF, dass die Konsequenzen des Beschlusses langfristig wirken würden. Der IWF senkte die Wachstumsprognosen für Großbritannien, für 2017 sogar drastisch. Für 2016 wurde die Prognose auf 1,7 (zuvor: 1,9) Prozent und für 2017 auf 1,3 (zuvor: 2,2) Prozent nach unten genommen.

Für Deutschland wurde die Wachstumprognose 2016 leicht nach oben auf 1,6 (zuvor: 1,5) Prozent erhöht, für 2017 aber merklich auf 1,2 (zuvor: 1,6) Prozent gesenkt.

Die USA werden aus Sicht des IWF in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 2,2 (zuvor: 2,4) Prozent. Für 2017 wurde die Wachstumsprognose von 2,5 Prozent bestätigt.

Prognosen beruhen auf "günstigen Annahmen" 
 

Der IWF schränkte allerdings ein, dass seine derzeitigen Prognosen auf einer "günstige Annahme" beruhten, nämlich dass Großbritannien und die EU einen Großteil ihrer Handels-, Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen beibehielten.

Das ist aber keineswegs garantiert, angesichts der Unsicherheit über die endgültigen Beziehungen mit der EU. "Ein negativeres Ergebnis ist durchaus möglich", warnten die IWF-Ökonomen in dem Report.

Ein in die Länge gezogener und konfliktreicher Verhandlungsprozess könnte das globale Wachstum in diesem und im nächsten Jahr auf 2,8 Prozent drücken, erklärte der IWF. Der Brexit-Beschluss habe die Aufmerksamkeit bereits wieder auf die schon lange andauernde Bankenschwäche in Europa gelenkt, wobei einige Experten vor einer ausgewachsenen Finanzkrise warnten.

Der Brexit habe zudem die Sorgen in Japan über den Wechselkurs des Yen wieder aufleben lassen. Statt einer Aufwärtsrevision sah sich der IWF daher gezwungen, die Wachstumsprognose 2016 auf eine äußerst magere Rate von 0,3 (zuvor 0,5) Prozent zu senken. Für das nächste Jahr wird ein noch geringerer Zuwachs von 0,1 (zuvor: 0,2) Prozent erwartet.

Die größte Volkswirtschaft Afrikas, Nigeria, musste die größte Abwärtsrevision hinnehmen, da niedrige Ölpreise sowie Förder- und Stromausfälle das Investorenvertrauen untergruben. Für 2016 wurde die Prognose um satte 4,1 Prozentpunkte gesenkt. Der IWF rechnet jetzt mit einer Wirtschaftsschrumpfung um 1,8 Prozent. Im nächsten Jahr wird nur eine sehr leichte Erholung um 1,1 (zuvor: 3,5 Prozent) in Aussicht gestellt.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

Mitarbeit: Jason Douglas in London

DJG/DJN/apo/cln

(END) Dow Jones Newswires

July 19, 2016 09:00 ET (13:00 GMT)

Copyright (c) 2016 Dow Jones & Company, Inc.

© 2016 Dow Jones News
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