Von Christian Grimm
BERLIN (Dow Jones)--Die Beschäftigten von Kaiser's-Tengelmann müssen weiter um ihre Jobs zittern. Der Handelsgipfel am späten Donnerstagabend mit Tengelmann-Eigner Karl-Erivan Haub und den Chefs von Edeka und Rewe, Markus Mosa und Alain Capparos, konnte sich am Donnerstagabend nicht auf einen Erhalt der gesamten Kette einigen.
"In einem konstruktiven dreistündigen Gespräch sind die Beteiligten überein gekommen, die Gespräche zeitnah fortzuführen mit dem erklärten Ziel, eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden", erklärten die drei Unternehmen sowie die Gewerkschaft Verdi. Mit am Tisch saß außerdem die Handelskette Markant aus der Schweiz, die ebenfalls Teile von Kaiser's-Tengelmann kaufen will. Zu Ort und Zeit einer neuen Spitzenrunde wurden keine Angaben gemacht.
Rewe-Chef setzt auf Aufteilung
Am Nachmittag vor dem Treffen hatte bereits Rewe-Chef Caparros die Marschroute ausgegeben: "Wir können die Arbeitsplätze bei Kaiser's-Tengelmann sichern, indem wir gemeinsam den Weg freimachen für eine faire Aufteilung der Märkte", erklärte er.
Er ist nicht bereit, die Klage gegen die Sondererlaubnis für den Verkauf der 450 Kaiser's-Tengelmann-Märkte an den Konkurrenten Edeka zurückzuziehen. Die 16.000 Beschäftigten hatten an ihn appelliert, den Kampf vor Gericht abzubrechen, um alle Stellen zu retten. Doch Rewe fürchtet einen zu starken Machtgewinn der Nummer 1 im Einzelhandel, die dann noch größer würde.
Caparros Angebot lautet, in allen Märkten, die sein Konzern übernimmt, die Jobs für 5 Jahre zu sichern, nach Tarif zu zahlen und die Mitbestimmung über Betriebsräte zu garantieren.
Für die Beschäftigten von Kaiser's-Tengelmann geht das zweijährige Bangen damit weiter. Etwa die Hälfte aller Arbeitsplätze gilt als massiv gefährdet, weil bei einer Zerschlagung zum Beispiel Lager, Verwaltung und Fleischwerke nicht mehr gebraucht werden. Schon im Laufe des Tages trifft sich der Tengelmann-Aufsichtsrat, um über die Zukunft der verlustbringenden Sparte zu beraten.
Seit Jahren in den roten Zahlen
Die Supermarktkette steckt seit langem in der Krise und verliert seit mehr als 15 Jahren Geld. Mitte vergangenen Jahres summierten sich die Verluste auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Situation verschlechterte sich danach weiter. Die Süddeutsche Zeitung berichtete zuletzt von stark rückläufigen Umsätzen sowie Problemen, einen "ordentlichen Geschäftsbetrieb" aufrechtzuerhalten. Mitarbeiter kündigten, Lieferanten würden wettbewerbsfähige Konditionen verweigern, Mietverträge nicht mehr verlängert.
Tengelmann-Chef Haub hatte von Beginn an den Verkauf der Supermarktkette an den Marktführer Edeka als einzige Chance zur Rettung der angeschlagenen Läden gesehen und offen mit einer Abwicklung gedroht, sollte der Verkauf nicht durchkommen. Alternativen, etwa die Übernahme durch andere Konkurrenten wie etwa die Kölner Rewe-Gruppe, lehnte er ab.
Dagegen wehrten sich die Wettbewerber und stoppten nach einem langen juristischen Kampf vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf die von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zwischenzeitlich erteilte Sondererlaubnis für den Verkauf an Edeka. Gabriel geht zwar dagegen vor dem Bundesgerichtshof vor, der Mitte November über eine Beschwerde entscheidet, doch das Problem ist die Zeit. Die juristischen Auseinandersetzungen könnten sich über Jahre hinziehen. Zeit, die Tengelmann nicht hat. "Wir können kein dreijähriges Rechtsverfahren durchstehen", hatte Haub mehrfach erklärt.
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September 23, 2016 00:13 ET (04:13 GMT)
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