Von Christian Grimm
BERLIN (Dow Jones)--Der Rechtsdienstleister MyRight hat Klage gegen den Volkswagen-Konzern erhoben und will damit im Dieselskandal auch Schadenersatz für deutsche VW-Käufer durchsetzen. MyRight habe die Klage beim Landgericht Braunschweig einreicht, bestätigte das Hamburger Unternehmen auf Nachfrage. Der Klage hätten sich bereits 100.000 VW-Kunden angeschlossen.
Anders als in den USA verweigert VW bisher Käufern aus Deutschland und Europa die Zahlung von Schadenersatz oder den Rückkauf der von den Manipulationen betroffenen Modellen aus dem eigenen Markenportfolio. MyRight will das mit seiner Musterklage ändern. Auf der Website wirbt das Unternehmen damit, dass Autokäufer bis zu 5.000 Euro Schadenersatz erhalten könnten oder VW das Fahrzeug zurückkauft. Gewinnt MyRight den Prozess, würden 35 Prozent Provision fällig. Der Vorteil für den Kunden liegt darin, dass nicht sofort Anwaltshonorare fällig werden, sondern nur im Erfolgsfall der Klage. Vertreten wird MyRight dabei von Christopher Rother, dem Deutschlandchef der bekannten US-Kanzlei Hausfeld.
Allerdings gibt es - anders als in den Vereinigten Staaten - das Instrument der Musterklage in Deutschland nicht, weshalb Rother anhand eines VW-Käufers einen Präzedenzfall schaffen will. MyRight will weitere Klagen an anderen Landgerichten folgen lassen. Dabei wird argumentiert, dass die Wolfsburger ihre Autos unter Vorspielung falscher Tatsachen verkauft und damit die Kunden getäuscht haben.
VW reagierte abwartend auf den juristischen Vorstoß. "Wir haben zur Kenntnis genommen, dass MyRight für den 3. Januar 2017 die Einreichung von Diesel-Klagen angekündigt hat. Die Klagen wurden uns bisher noch nicht zugestellt, sodass wir uns zu deren Inhalt aktuell nicht äußern können", erklärte der Industriekonzern.
Der Autohersteller verweist bisher auf eine aus seiner Sicht andere Rechtslage in Europa und bietet den betroffen Fahrzeughaltern lediglich eine Umrüstung an. Volkswagen hatte im September vergangenen Jahres einräumen müssen, bei 11 Millionen Wagen verschiedener Konzernmarken eine illegale Schummelsoftware eingebaut zu haben, die die Abgasreinigung manipuliert. Im normalen Straßenbetrieb blasen die Fahrzeuge wesentlich mehr giftiges Stickoxid in die Luft als unter definierten Laborbedingungen ermittelt. In den USA einigte sich VW in einem Vergleich mit der US-Justiz auf die Zahlung von knapp 15 Milliarden Dollar.
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January 03, 2017 09:23 ET (14:23 GMT)
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