Von Barbara Kollmeyer und Florian Faust
NEW YORK (Dow Jones)--Die Konsolidierung an der Wall Street dürfte am Mittwoch in eine neue Runde gehen. Anleger dürften sich mit Blick auf den "Super-Donnerstag" kaum aus der Deckung locken lassen, heißt es im Handel. Teilnehmer erklären die seit Wochenbeginn zu beobachtende Vorsicht unter anderem mit den bevorstehenden Terminen am Donnerstag. Die wichtigsten globalen Aktienindizes haben sich im Juni bislang weniger als 1 Prozent bewegt, betonen Analysten die Zurückhaltung. Denn neben den britischen Unterhauswahlen und der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt vor allem die Anhörung des von US-Präsident Donald Trump entlassenen früheren FBI-Direktors James Comey vor einem Senatsausschuss für steigende Nervosität. Dabei geht es um die "Russland-Affäre". Die Angelegenheit hat mit der jüngsten Krise im Nahen Osten zusätzliche Brisanz erhalten, denn laut Medien- und Geheimdienstberichten könnte Russland auch bei der Krise um Katar die Finger im Spiel gehabt haben.
Der Aktienterminmarkt suggeriert eine gut behauptete Handelseröffnung am Kassamarkt. Händler sprechen angesichts der Sprengkraft möglicher Comey-Enthüllungen bereits von der "Ruhe vor dem Sturm." "Risikoreiche Vermögenswerte sind aktuell offenbar nicht ideal. Denn jedes der drei anstehenden Ereignisse könnte einen Ausverkauf am Aktienmarkt nach sich ziehen. Dies erklärt das Verhalten am Aktienmarkt, der sich in der Defensive befindet", sagt Marktstratege Hussein Sayed von FXTM. Ebenfalls wenig Kaufargumente für US-Aktien liefert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Denn sie hat ihre Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr leicht angehoben, für die USA jedoch gesenkt.
Inflationserwartung belastet Euro
Am Devisenmarkt wirft die EZB-Sitzung ihre Schatten bereits voraus. Denn der Euro gerät kräftig unter Druck, der US-Dollar wertet entsprechend auf. Laut einer Agenturmeldung wird die EZB ihre Inflationsprognosen über den gesamten Horizont senken. EZB-Präsident Mario Draghi werde die Projektionen auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag vorstellen. Der Euro fällt in der Folge auf 1,1218 Dollar nach Wechselkursen um 1,1277 vor der Meldung. Auf diesem Niveau war die Gemeinschaftswährung auch am Vorabend gehandelt worden.
Belastet vom festeren Dollar verliert Gold 0,3 Prozent an Wert, die Feinunze kostet aktuell 1.290 Dollar. Das Edelmetall war am Vortag mit der Krise im Nahen Osten um Katar auf Jahreshoch geklettert, als Anleger vermeintliche sichere Anlegerhäfen angesteuert hatten. Daneben waren unter anderem auch US-Staatsanleihen gesucht. Die kommen jedoch am Mittwoch minimal zurück, die Rendite zehnjähriger US-Titel klettert im Gegenzug um einen Basispunkt auf 2,15 Prozent. Am Vortag war die Rendite noch auf den tiefsten Stand seit November 2016 gesunken.
Der zulegende Dollar drückt auch auf die Ölpreise. Anleger warten hier allerdings auf die wöchentlichen US-Lagerbestandsdaten, die im Tagesverlauf zur Veröffentlichung anstehen. Einen Vorgeschmack liefern die parallel erhobenen Daten des Branchenverbandes API vom Vorabend. Diese zeigen einen deutlichen Lagerabbau bei Erdöl, jedoch einen fast ebenso kräftigen Vorratsaufbau bei Benzin. Wegen der Urlaubssaison in den USA arbeiten viele Raffinerien an der Kapazitätsgrenze, denn viele US-Bürger verreisen mit dem eigenen Wagen. Die Benzinnachfrage im Sommer steigt daher regelmäßig. Die Daten könnten aber dahingehend interpretiert werden, dass die Raffinerien zu optimistisch bei ihren Nachfrageprognosen gewesen seien, heißt es im Handel. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligt sich um 1,1 Prozent auf 47,68 Dollar je Fass, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 1,2 Prozent auf 49,53 Dollar. Zudem geht weiterhin die Sorge um, dass die Spannungen der Opec-Mitglieder Katar und Saudi-Arabien eine gemeinsame Linie innerhalb des Erdölkartells erheblich erschweren dürfte.
Navistar unter Abgabedruck
Navistar International stürzen vorbörslich um 7,2 Prozent ab. Der Hersteller von Dieselmotoren für den Nutzfahrzeugsektor verbuchte einen höher als befürchtet ausgefallenen Verlust im zweiten Quartal. Die Tesla-Aktie legt um 0,6 Prozent zu. Das für den Massenmarkt konzipierte Model 3 ist noch nicht auf dem Markt, da denkt Tesla-Chef Elon Musk schon über ein neues Werk für die künftige SUV-Variante Model Y nach. Musk hofft, dieses Modell 2019 auf den Markt bringen zu können. Womöglich werde die Nachfrage nach dem Model Y sogar die des Models 3 übersteigen, glaubt er.
Mit Abgaben hat die Aktie von United Natural Foods im nachbörslichen US-Handel auf die Bekanntgabe von Quartalszahlen reagiert. Zwar legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zu, blieb damit allerdings unter der Analystenschätzung. Beim bereinigten Gewinn je Aktie wurde die Schätzung des Marktes leicht übertroffen. Die Aktie des Lebensmittelkonzerns wird vorbörslich bislang nicht gehandelt.
=== DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Di, 17.27 Uhr EUR/USD 1,1229 -0,4% 1,1279 1,1268 EUR/JPY 122,80 -0,5% 123,40 123,10 EUR/CHF 1,0843 -0,1% 1,0849 1,0853 GBP/EUR 1,1498 +0,0% 1,1444 1,1438 USD/JPY 109,36 -0,0% 109,38 109,24 GBP/USD 1,2912 +0,0% 1,2906 1,2887 US-Anleihen Laufzeit Akt. Rendite Bp zu Vortag Rendite Vortag +/-Bp YTD 2 Jahre 1,29 -0,8 1,30 8,8 5 Jahre 1,72 0,2 1,72 -20,7 7 Jahre 1,96 0,4 1,96 -28,6 10 Jahre 2,15 0,4 2,15 -29,4 30 Jahre 2,81 -0,1 2,81 -25,7 ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 47,68 48,19 -1,1% -0,51 -16,0% Brent/ICE 49,53 50,12 -1,2% -0,59 -15,7% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.291,83 1.294,00 -0,2% -2,17 +12,2% Silber (Spot) 17,67 17,71 -0,2% -0,04 +11,0% Platin (Spot) 953,55 961,00 -0,8% -7,45 +5,5% Kupfer-Future 2,54 2,55 -0,2% -0,00 +1,0% ===
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June 07, 2017 09:01 ET (13:01 GMT)
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