MÄRKTE EUROPA/Gut behauptet - Madrid und Wien hinken hinterher
Von Thomas Leppert
FRANKFURT (Dow Jones)--An den Börsen in Europa geht es zum Start in die neu Woche überwiegend nach oben mit den Kursen. Ausnahmen machen Wien nach der österreichischen Parlamentswahl und insbesondere Madrid. Dort sorgt die Erklärung des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont für neue Verunsicherung. Er schlägt der spanischen Zentralregierung vor, das "Mandat" der Katalanen für eine Unabhängigkeit für zwei Monate auszusetzen, um mit der Zentralregierung zu verhandeln, zurück.
Damit rückt Puigdemont nicht von seinen Äußerungen in der vergangenen Woche ab, in denen er das Recht der Katalanen auf einen unabhängigen Staat unterstrichen hat, von einer vollständigen Unabhängigkeitserklärung aber zunächst abgesehen hatte. Puigdemont sollte sich aber nach dem Willen der Madrider Regierung eindeutig festlegen, ob Katalonien in der vergangenen Woche die Unabhängigkeit erklärt hat oder nicht. Im Fall einer Unabhängigkeitserklärung dürfte die Zentralregierung der Region den Autonomiestatus entziehen und Puigdemont entmachten.
Der spanische IBEX verliert 0,7 Prozent auf 10.185, während der DAX um 0,2 Prozent zulegt auf 13.015 Punkte und der Euro-Stoxx-50 um 0,1 Prozent auf 3.606. Klare Gewinner sind die Rohstoffaktien. Hier helfen weiterhin die guten Importdaten Chinas im September. Daneben aber auch die zuletzt gestiegenen Ölpreise.
Rechtsruck in Österreich - ATX fällt leicht
In Wien gibt der ATX Prime um 0,1 Prozent nach. In Österreich hat die konservative ÖVP die Parlamentswahlen gewonnen. Die meisten Beobachter gehen nun von einem Rechtsruck aus und einer Regierungsbildung zusammen mit der rechtspopulistischen FPÖ aus unter dem bisherigen Außenminister Sebastian Kurz als Kanzler. Die FPÖ ist Brüssel und dem Euro gegenüber zwar kritisch eingestellt, fordert aber keinen Austritt Österreichs aus der Währungsunion; eine tiefer gehende Integration der EU, wie sie beispielsweise vom französischen Präsidenten Macron vorgeschlagen wird, dürfte sie aber skeptisch sehen.
Für die Finanzmärkte in der Breite spielt das österreichischen Wahlergebnis allenfalls eine untergeordnete Rolle. Am Devisenmarkt gibt der Euro zum Dollar etwas nach, nachdem er am Freitag im Umfeld diverser US-Konjunkturdaten zunächst deutlich gestiegen, dann aber wieder zurückgefallen war. Aktuell wird er mit 1,1793 Dollar gehandelt nach 1,1820 im späten US-Geschäft.
Auch wenn der Rechtsruck in Österreich sowie die erneute Schlappe der CDU bei den Landtagswahlen in Niedersachsen keine großen Spuren am Devisenmarkt hinterließen, so könnten die politische Entwicklungen den Anlegern nach Einschätzung der Commerzbank nicht gleichgültig sein. "Nach erneut deutlichen Verlusten der CDU bröckelt Angela Merkels Machtposition im Bund weiter", so Analystin Esther Reichelt. Damit steige aus Sicht von Euro-Investoren die Gefahr, dass Kanzlerin Merkel in den auf Bundesebene nun im Fokus stehenden Koalitionsverhandlungen zu größeren Zugeständnissen an die Liberalen gedrängt werden könnte. Und deren Europa-Standpunkte dürften dem Devisenmarkt wenig gefallen dürften, so Reichelt weiter.
Daneben profitiert der Dollar aber auch davon, dass US-Notenbankchefin Janet Yellen am Wochenende erneut Signale für eine weitere Zinserhöhung noch im laufenden Jahr ausgesendet hatte.
Bei Kühne + Nagel missfällt die Marge
Am Aktienmarkt stehen Kühne + Nagel nach Bekanntgabe der Drittquartalszahlen mit minus 4,1 Prozent kräftiger unter Abgabedruck. Das organische Umsatzwachstum ist laut den Analysten von Davy zwar rund 6 Prozent besser als erwartet ausgefallen, allerdings sei das operative Vorsteuerergebnis unter der Konsensschätzung. Dies sei unter anderem auf die schwache Margenentwicklung im Seefrachtgeschäft des Logistigkonzerns zurückzuführen.
In Madrid knickt der Kurs von Siemens Gamesa nach einer Gewinnwarnung um 6,5 Prozent ein. Das Windenergieunternehmen hatte am Freitag verkündet, der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen im gerade beendeten Geschäftsjahr werde nur rund 790 Millionen Euro erreichen und damit unter der bisher gültigen Prognose von etwa 900 Millionen bleiben.
Im TecDAX ziehen SLM Solutions um 2,4 Prozent an, gestützt von einem Neuauftrag für den 3D-Drucker-Hersteller. Um weitere 6,7 Prozent auf 34,00 Euro nach oben geht es für den Börsenneuling Voltabox. Das Papier des E-Mobilitätspezialisten war am Freitag mit 32 Euro aus dem Handel gegangen, über 30 Prozent über dem Emissionspreis von 24 Euro.
Unterdessen gehen die Aktien des Mikrobatterie-Herstellers Varta außerbörslich auf Tradegate mit 24 Euro um, obwohl sie derzeit in einer Spanne von 15 bis 17,50 Euro zur Zeichnung angeboten werden. Wegen der guten Nachfrage hat Varta nun die Angebotsfrist verkürzt und will die Aktie auch schon am 19. Oktober an die Börse bringen und nicht erst am 25. Oktober.
=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD Euro-Stoxx-50 3.605,84 0,04 1,29 9,58 Stoxx-50 3.205,92 0,19 6,16 6,49 DAX 13.013,86 0,17 21,99 13,35 MDAX 26.115,16 0,13 33,53 17,69 TecDAX 2.531,16 0,19 4,74 39,71 SDAX 12.084,19 0,01 0,80 26,94 FTSE 7.543,16 0,10 7,72 5,60 CAC 5.358,15 0,12 6,42 10,20 Bund-Future 162,17 0,07 1,29 DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8:22 Fr, 17:45 % YTD EUR/USD 1,1800 +0,06% 1,1793 1,1835 +12,2% EUR/JPY 131,99 +0,09% 131,87 132,48 +7,4% EUR/CHF 1,1516 +0,04% 1,1512 1,1533 +7,5% EUR/GBP 0,8879 -0,02% 0,8880 1,1232 +4,2% USD/JPY 111,84 +0,03% 111,80 111,94 -4,3% GBP/USD 1,3292 +0,10% 1,3280 1,3293 +7,7% ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 52,07 51,45 +1,2% 0,62 -8,7% Brent/ICE 57,95 57,17 +1,4% 0,78 -1,2% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.304,81 1.303,76 +0,1% +1,05 +13,3% Silber (Spot) 17,43 17,41 +0,1% +0,02 +9,4% Platin (Spot) 944,60 945,55 -0,1% -0,95 +4,5% Kupfer-Future 3,22 3,13 +2,7% +0,09 +27,5% ===
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October 16, 2017 07:02 ET (11:02 GMT)
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