FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 7. März 2018. Es ist viel passiert seit unserer letzten Stimmungserhebung. Vor allem auf der politischen Bühne. Und für die größte Aufregung dürfte wohl die Bombe gesorgt haben, die US-Präsident Donald Trump am vergangenen Donnerstag platzen ließ: Die USA beabsichtigten, auf Stahl- und Aluminiumimporte in Zukunft Strafzölle in Höhe von 25 bzw. 10 Prozent zu erheben. Mit einem Mal sprach man von einem drohenden Handelskrieg, der vor allen Dingen für die EU schlecht ausgehen könnte. Zumal von großartigen Gegenmaßnahmen bislang nicht viel zu hören war. Ob es tatsächlich zu Vergeltungsmaßnahmen in Form von entsprechenden Abgaben auf US-Importe wie Bourbon-Whisky, Jeans, Harley-Davidson-Motorräder, Orangen und Erdnussbutter kommt - mancherorts zuckten zumindest Finanzmarktakteure lediglich mit den Schultern. Auch wenn führende Mitglieder der Republikaner Donald Trump von seinem Vorhaben abzubringen versuchen - der oberste Wirtschaftsberater Trumps Gary Cohn hat gestern bereits seinen Hut genommen.
Nun hatten die von uns befragten mittelfristig orientierten Anleger natürlich auch noch andere Ereignisse zu verarbeiten, wobei das SPD-Mitgliedervotum zugunsten einer neuen großen Koalition wohl noch zu den positiven Nachrichten im Berichtszeitraum gehörte. Aber auch mit der Italien-Wahl und den daraus folgenden unsicheren politischen Verhältnissen dortzulande konnten die Börsianer eigentlich noch recht gut umgehen. Denn der DAX hatte seit unserer vergangenen Erhebung temporär bis zu knapp 5 Prozent an Wert verloren, wovon heute zum Erhebungszeitpunkt noch ein Minus von 3 Prozent übrigblieb.
Interessanterweise konnten sich jedoch unsere institutionellen Investoren im Gegensatz zu früheren vergleichbaren Situationen nicht dazu durchringen, angesichts der DAX-Schwäche wesentlich neue bullishe Engagements einzugehen, geschweige denn alte aufzustocken. Dies wird an unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index sichtbar, der sich gegenüber der Vorwoche gerade einmal um 2 Punkte auf einen Stand von +16 Punkten befestigte.
Ordentlich hinzugemischt
Ganz anders die Privatanleger, bei denen sich eine größere Gruppe dafür entschied, die optisch günstigen Kurse zu Käufen in die Schwäche zu nutzen, wobei möglicherweise zu bereits bestehenden bullishen Engagements sogar hinzugemischt wurde. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist um 11 Punkte auf einen Stand von +24 Punkten gestiegen, wobei sich der Zustrom ins Bullenlager fast gleichmäßig auf vormals pessimistisch und neutral eingestellte Akteure verteilt.
Dieses auffallend ungleiche Verhalten zwischen institutionellen und privaten Anlegern mag verschiedene Gründe haben. Letztere scheinen weiterhin davon auszugehen, dass es sich bei der DAX-Bewegung seit dem Allzeithoch vom Januar dieses Jahres immer noch nur um eine gesunde Korrektur handelt. Eine Meinung, die sich unter den institutionellen Akteuren offensichtlich nicht in gleichem Maße und zuletzt überhaupt nicht niedergeschlagen hat. Ob diese Akteure mehr als ihre privaten Pendants wissen? Oder ob sie aus früheren Aktionen hinzugelernt haben, dass es sich nicht immer auszahlt, in die Schwäche hinzuzukaufen? Gut möglich, dass zumindest ein Teil dieser Gruppe auch größere Abflüsse ausländischen Kapitals gesehen hat und deswegen gegenüber der Vorwoche zurückhaltend geblieben ist.
Unter dem Strich hat es wahrscheinlich auch keine Panikverkäufe während der vergangenen Tage gegeben. Tatsächlich ist die Stimmung der institutionellen Marktteilnehmer vor allen Dingen in der relativen Betrachtung der vergangenen Monate sowieso nicht als optimistisch, sondern als neutral zu bezeichnen. Und auch bei den Privatanlegern kann man nicht von extrem bullishen Werten sprechen. Damit wird der DAX per Saldo zumindest aus heimischen Quellen nicht gefährdet. Im Gegenteil: Unsere jüngste Umfrage belegt, dass zumindest noch gutes Nachfragepotenzial vorhanden ist. Die eigentliche Bedrohung für das Börsenbarometer geht damit von ausländischen Kapitalabflüssen aus.
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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