Von Thomas Rossmann
NEW YORK (Dow Jones)--Mit einem leichten Minus dürfte die Wall Street am Donnerstag in den Handel starten. Damit scheint die Aufwärtsbewegung vom Wochenbeginn zunächst einmal ihren Schwung verloren zu haben. Weiterhin gibt die Berichtssaison den Ton für den Aktienmarkt an. Zudem "spielt die Musik" derzeit nach Aussage von Teilnehmern vor allem an den Rohstoffmärkten, wo die Ölpreise ihren Anstieg fortsetzen. Dies wird als positives Zeichen für die Weltkonjunktur gewertet. Auch die meisten anderen Rohstoffe wie Nickel, Kupfer oder Platin legen zu.
Der Future auf den S&P-500 deutet aktuell auf eine knapp behauptete Eröffnung am Kassamarkt hin.
Ölpreise legen weiter zu - Treffen am Wochenende im Blick
Die Ölpreise klettern erneut auf ein Dreieinhalbjahreshoch. Nach dem kräftigen dreiprozentigen Anstieg am Vortag legt Brent um weitere 1,3 Prozent auf 74,44 Dollar zu. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI steigt um 1,1 Prozent auf 69,21 Dollar. Teilnehmer verweisen zur Begründung auf eine ganze Reihe positiver Impulse. So hat sich der Anstieg der US-Ölproduktion in der vergangenen Woche verlangsamt. Zudem haben sich die US-Lagerbestände stärker reduziert als erwartet. Daneben fielen auch die Benzinlagerbestände wesentlich stärker als erwartet. "Das ist außerhalb der Saison extrem untypisch", heißt es von den Rohstoff-Experten der Commerzbank.
Im Fokus steht aber auch ein Treffen zwischen Saudi-Arabien und Russland am Wochenende. Beide Länder haben sich vor etwa 18 Monaten darauf geeinigt, die Produktion zu drosseln, um die Preise anzuheben. Dieses Vorhaben hat funktioniert. Nun müssen sich die beiden Ölschwergewichte über das weitere Vorgehen einigen. Daher werden sich Vertreter beider Länder treffen, um die Einhaltung unter den 24 Ölstaaten zu überprüfen, die sich im Dezember 2016 zu den Kürzungen bereit erklärten. "Es ist normal, dass die Märkte vor dem Treffen zulegen und eine positive Rhetorik einpreisen", sagt Öl-Stratege Bjornar Tonhaugen von Rystad Energy.
US-Daten haben wenig Einfluss
Die jüngsten US-Konjunkturdaten bewegen den Handel bislang kaum. So lagen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 232.000 leicht über der Erwartung von 225.000. Die Erstanträge liegen damit jedoch bereits seit 163 Wochen unter der Marke von 300.000, die längste Periode seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1967.
Der Philadelphia-Fed-Index legte im April entgegen der Erwartung auf plus 23,2 Punkte von plus 22,3 im März zu. Ökonomen hatten dagegen mit einem leichten Rückgang auf plus 20,1 gerechnet. Der Subindex für den Auftragseingang gab allerdings spürbar nach auf plus 18,4 von plus 35,7 Punkte.
Eine halbe Stunde nach der Eröffnung wird dann noch der Index der Frühindikatoren für den März bekannt gegeben.
Berichtssaison weiter der Taktgeber für die Börse
Positive Signale lieferten am Mittwoch nachbörslich Alcoa, American Express und Amazon. Alcoa hat etwas höhere Einnahmen ausgewiesen als von den Analysten erwartet. Der Nettogewinn sank zwar auf 150 (225) Millionen Dollar. Auf bereinigter Basis entsprach das je Aktie 77 Cent, wogegen die Konsensschätzung lediglich auf 70 Cent lautete. Laut Alcoa hat sich das Preisniveau insgesamt verbessert. Den Ausblick hob Alcoa deswegen und wegen eines insgesamt günstigeren Marktumfelds deutlich an. Die Aktie zeigt sich vorbörslich mit einem Plus von knapp 4 Prozent.
American Express hat im ersten Quartal den Gewinn um 31 Prozent gesteigert. Der Kreditkarten-Konzern verdiente netto 1,63 Milliarden Dollar, je Aktie 1,86 Dollar. Die Einnahmen stiegen um 12 Prozent auf 9,72 Milliarden Dollar. Analysten hatten einen Gewinn von 1,71 Dollar je Anteilsschein geschätzt. Die Aktie gewinnt 3,3 Prozent.
Amazon steigen um 1,8 Prozent. Der Online-Händler hat die Anzahl der Prime-Kunden mitgeteilt, die laut Bairds "in line bis leicht über den Erwartungen" liegen. Mehr als 100 Millionen Kunden zahlen damit für besondere Dienstleistungen einen Aufschlag an Amazon.
Die Papiere von Procter & Gamble fallen dagegen 2,9 Prozent. Der US-Konsumgüterkonzern kauft von der deutschen Merck KGaA das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten für 3,4 Milliarden Euro. Für den US-Konzern, der mit langsamem Wachstum in Schlüsselmärkten und sinkenden Umsätzen in seinem großen Gillette-Rasierergeschäft zu kämpfen hat, ist die Übernahme eine der größten Akquisitionen der vergangenen Jahre.
Zudem hat Procter die Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal des Geschäftsjahres um einen Tag vorgezogen. Der Konzern hat nach einem kleinen Wachstum den Jahresausblick leicht angehoben. Er erlöste einen Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar. Das war ein Plus von 4 Prozent und entsprach einem organischen Wachstum von 1 Prozent. Der Gewinn je Aktie legte um 2 Prozent auf 95 Cent zu. Absolut betrachtet erreichte das Nettoergebnis 2,54 Milliarden Dollar, 1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Konzern bestätigte zwar, im laufenden Geschäftsjahr ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 3 Prozent erzielen zu wollen, sieht dieses aber nun eher am unteren Ende der Prognosespanne.
Kaum Bewegung bei Devisen, Gold und Anleihen
Weiter wenig Bewegung gibt es am Devisenmarkt. Das Währungspaar Euro/Dollar bewegt sich auf dem Niveau des Vortages. Auch die Aussagen des "Beige Book" können den Dollar nicht beflügeln. Darin zeigte sich ein weiter positives Bild der US-Konjunktur. Der Euro notiert aktuell bei 1,2381 Dollar.
Auch der Goldpreis bewegt sich weiter in einer engen Spanne seitwärts. Nachdem er am Vortag auf den höchsten Stand seit einer Woche gestiegen war, fällt der Preis für die Feinunze um 0,1 Prozent auf 1.349 Dollar. Mit den Entspannungen bei den Krisenherden Syrien und Handelsstreit ist das Interesse der Anleger nach dem "sicheren Hafen" recht gering. Nach Aussage von Analysten bewegt sich der Goldpreis seit Jahresbeginn in einer Spanne zwischen 1.310 und 1.360 Dollar.
Auch am Anleihemarkt geben die Notierungen weiter nach. Die Rendite zehnjähriger Papiere steigt um weitere 3 Basispunkte auf 2,90 Prozent.
=== US-Anleihen Laufzeit Akt. Rendite Bp zu Vortag Rendite Vortag +/-Bp YTD 2 Jahre 2,43 0,4 2,43 123,0 5 Jahre 2,75 2,2 2,73 82,9 7 Jahre 2,85 2,5 2,83 60,7 10 Jahre 2,90 3,0 2,87 45,8 30 Jahre 3,09 3,5 3,06 2,6 DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8.06 Uhr Mi, 17.11 Uhr % YTD EUR/USD 1,2381 +0,02% 1,2372 1,2378 +3,1% EUR/JPY 132,89 +0,14% 132,94 132,77 -1,8% EUR/CHF 1,1978 -0,09% 1,1988 1,1973 +2,3% EUR/GBP 0,8693 -0,24% 0,8712 1,1496 -2,2% USD/JPY 107,32 +0,10% 107,45 107,27 -4,7% GBP/USD 1,4243 +0,27% 1,4200 1,4229 +5,4% Bitcoin BTC/USD 8.241,89 +0,7% 8.180,70 8.010,85 -39,7% ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 69,21 68,47 +1,1% 0,74 +14,8% Brent/ICE 74,44 73,48 +1,3% 0,96 +13,6% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.348,73 1.349,53 -0,1% -0,80 +3,5% Silber (Spot) 17,30 17,19 +0,6% +0,10 +2,1% Platin (Spot) 944,65 940,00 +0,5% +4,65 +1,6% Kupfer-Future 3,14 3,10 -0,6% -0,02 -5,3% ===
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April 19, 2018 09:05 ET (13:05 GMT)
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