Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Aussage von Ratsmitglied Jens Weidmann bald mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik beginnen, dies aber mit Rücksicht auf die Finanzmärkte in schonender Weise tun. Bei einer Rede in Wien sagte Weidmann laut vorab verbreitetem Redetext: "Zu den Herausforderungen, die relativ schnell zu meistern sind, gehört, die Netto-Anleihekäufe durch das Eurosystem zu beenden, ohne dass dies zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führt."
Weidmann fügte hinzu: "Das Ende der Nettokäufe ist jedoch erst der Anfang eines mehrjährigen Prozesses der geldpolitischen Normalisierung. Gerade deswegen ist es aber auch so wichtig, tatsächlich bald anzufangen." Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank ist, ist ein aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi, vertritt allerdings geldpolitisch oft Ansichten, die besonders in Südeuropa auf wenig Gegenliebe stoßen.
In Wien, wo er das Große Goldene Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich entgegennahm, sagte Weidmann zu den Auseinandersetzungen im EZB-Rat: "Ich halte ein vielfältiges Meinungsbild für einen Gewinn. Es kann jedenfalls nicht falsch sein, über den richtigen Weg zu diskutieren, solange man sich im Ziel einig ist."
Er und das österreichische EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny brächten jeweils ihre nationale Expertise, ihren Erfahrungshintergrund und ihre geldpolitische Prägung ein, aber nicht um nationale Interessen zu fördern, sondern um eine gute Geldpolitik für den Euroraum zu machen. "Ebenso ist für die anderen EZB-Ratsmitglieder die Verantwortung für den Euroraum als Ganzes der Maßstab", sagte er.
Weidmann bezeichnete die Erwartung der Finanzmärkte, dass die EZB ihre Leitzinsen "etwa zur Mitte des Jahres 2019" anheben wird, als "nicht ganz unrealistisch". Mittelfristig müsse die Geldpolitik, im Einklang mit dem Preisausblick, normalisiert und so geldpolitischer Handlungsspielraum zurückgewonnen werden.
Weidmann sagte weiter: "Das Ziel eines krisenfesten Ordnungsrahmens für die Währungsunion wird sich nur mittel- bis langfristig erreichen lassen, wenngleich wichtige Weichen schon zügiger gestellt werden."
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March 26, 2018 06:00 ET (10:00 GMT)
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