Von Stefanie Haxel
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck stimmt seine Aktionäre auf ein Übergangsjahr ein. "Eines ist heute schon klar: Geschäftlich wird 2018 ein anspruchsvolles Jahr", sagte Konzernchef Stefan Oschmann am Freitag auf der Hauptversammlung des DAX-Konzerns in Frankfurt. "Wir investieren in unsere Zukunft. Diese Anstrengungen werden sich auszahlen", versprach der den Aktionären.
Ab 2019 werde der Konzern wieder in allen wichtigen Kennzahlen zulegen, bekräftige Oschmann frühere Aussagen bei der Vorlage Geschäftszahlen für 2017 im März. "Denn dann rechnen wir mit deutlichen Erträgen aus unseren neuen Medikamenten", sagte. "Unser Laborgeschäft sollte weiter schneller wachsen als der Markt. All das sollte die Talsohle, die wir 2019 für Performance Materials erwarten, mehr als ausgleichen", sagte er mit Blick auf das Geschäft mit Spezialchemikalien und Hightech-Materialien, in dem Merck zurzeit wegen des verschärften Wettbewerbs bei Flüssigkristallen im wichtigen Wachstumsmarkt China Marktanteile verliert.
Im kommenden Jahr sollen der Umsatz, der Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Sondereffekten (EBITDA pre) und die entsprechende Marge wieder steigen. Zunächst aber bestünden die Einflüsse, die im vergangenen Jahr das Geschäft und das Ergebnis gelastet haben, fort.
"Die Situation am Markt für Flüssigkristalle bleibt herausfordernd, vor allem in China", sagte Oschmann. Merck investiere weiter stark in die Entwicklung neuer Medikamente und in die Einführung neuer Produkte und spüre zudem weiter Gegenwind an den Devisenmärkten. "Die Schwäche des US-Dollars sowie die Entwicklung verschiedener Währungen in Wachstumsmärkten machen uns zu schaffen."
Sorgen bereiteten dem Konzern auch politische Entwicklungen, sagte Oschmann und verwies auf den Brexit, der Merck vor große Herausforderungen stelle. In Großbritannien, das Ende März 2019 die Europäische Union verlassen wird, beschäftigt Merck rund 1.500 Mitarbeiter in 15 Niederlassungen. Oschmann appellierte dafür, Zölle, Grenzkontrollen und sonstige Handelshemmnisse auf ein absolutes Minimum zu beschränken, um keine Engpässe in der Arzneimittelversorgung riskieren.
"Was für den Brexit gilt, das gilt auch ganz allgemein", sagte er weiter und betonte wie schon ein Jahr zuvor die Wichtigkeit offener Märkte und fairer Handelsbedingungen für Wohlstand und Wachstum. Das Zölle und sonstige Handelshemmnisse als politische Druckmittel eingesetzt würden, sei brandgefährlich. "Handelskriege kennen keine Gewinner."
Für den Konzern erwartet Merck 2018 weiterhin ein moderates organisches Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr. Dem dürften jedoch negative Währungseffekte entgegenwirken, vor allem in der ersten Jahreshälfte. Beim EBITDA pre sieht Merck währungsbereinigt einen leichten prozentualen Rückgang. Zusätzlich sollten negative Währungseffekte zu einem weiteren Rückgang der operativen Kennzahl um 4 bis 6 Prozent führen.
Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr will der Konzern mit der Vorlage seiner Erstquartalszahlen am 15. Mai veröffentlichten.
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April 27, 2018 05:39 ET (09:39 GMT)
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