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Merkel sieht längeren Gesprächsprozess bei Lebensmittelpreisen

Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei dem Spitzentreffen zur Ernährungsindustrie vor zu hohen Erwartungen an die Veranstaltung gewarnt, bei der mit den großen Handelskonzernen über die Lebensmittelpreise gesprochen werden soll. "Wenn man die Vorberichterstattung liest, dann denkt man natürlich, dass hier schon Endverhandlungen stattfinden", sagte Merkel zu Beginn des Treffens im Kanzleramt in Berlin. "Das ist es nicht, sondern wir sind in einem längeren Gesprächsprozess, das haben wir auch mit den Landwirten ausgemacht", stellte sie klar.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) werde diese Gespräche fortsetzen. Merkel betonte aber, es gehe "nicht darum, irgendwelche staatlich verordneten Mindestpreise ihnen aufzuoktroyieren". Vielmehr gehe es "um faire Beziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren". Die Kanzlerin stellte fest, es gebe "eine gewachsene Sensibilität gegenüber Qualität", aber auch gegenüber Umweltauflagen für die Landwirte - das Thema Düngeverordnung habe eine große Rolle gespielt.

Merkel nannte es "unbestritten, dass es eine relativ hohe Konzentration der Handelsakteure gibt". Dies werde vom Kartellamt immer wieder betrachtet. Damit ruhe "natürlich auch sehr viel Erwartung" auf denen, die große Anteile am Handel repräsentierten. "Ich freue mich, mit Ihnen heute über alle Aspekte zu sprechen, auch über Dinge, die Sie uns vielleicht zusagen können", erklärte sie in Richtung der großen Lebensmittelhandelskonzerne. "Dass wir regionale Anbieter stärken, das würde ich mir schon wünschen."

Handel betont Abhängigkeit von Weltmarktpreisen 

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, verteidigte allerdings noch kurz vor dem Spitzentreffen den Status quo. "Deutschland liegt bei Lebensmittelpreisen 2 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt", sagte er dem RBB. Außerdem würde es den Bauern in Deutschland nicht helfen, wenn die Preise hierzulande erhöht würden. "Wir sehen, dass man über Jahrzehnte die Landwirtschaft auf Export getrimmt hat (und) immer mehr Mengen produziert wurden", sagte Genth. Da sei man abhängig von Weltmarktpreisen, die man gar nicht hier beeinflussen könne.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, forderte den Handel unterdessen auf, die Verbraucher für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln zu sensibilisieren. "Lebensmittel dürfen nicht zu Schnäppchenpreisen verramscht werden", verlangte er. Auch der Handel müsse seinen Teil dazu beitragen, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass höhere Standards im Stall oder auf dem Feld einen höheren Preis erforderten. Dieser müsse dann auch bei den Erzeugern ankommen. "Werbung mit Dauerniedrigpreisen bewirken das Gegenteil", hob Rukwied hervor.

Die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) forderte eine verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung. "Wir brauchen ein Tierhaltungskennzeichen, wo jede Wurst, jedes Stück Fleisch, das hier in Deutschland auf den Markt kommt, nachvollziehbar macht, wie die Tiere gehalten sind", sagte Künast im ARD-Morgenmagazin. Nötig sei eine "verpflichtende Haltungskennzeichnung durch die Kette" - auch in der verarbeitenden Industrie und im Handel. Davon ausgehend könne man ein Finanzsystem überlegen, damit gute Tierhaltung anders bezahlt werde.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/apo

(END) Dow Jones Newswires

February 03, 2020 05:23 ET (10:23 GMT)

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