Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Um eine Pleitewelle im Einzelhandel zu verhindern, fordert der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, eine gesetzliche Regelung, damit Vermieter von Ladengeschäften auf einen Teil ihrer Mieteinnahmen verzichten. "Es kann nicht sein, dass der Einzelhändler allein auf dem Schaden durch die verfügten Geschäftsschließungen sitzen bleibt, während der Vermieter nach der Stundung seine volle Miete erhält", sagte Genth dem Nachrichtenportal T-online.de.
"Die Vermieter müssen auf einen Teil ihrer Mieteinnahmen verzichten, sonst türmen sich erhebliche Schuldenberge bei den Händlern auf." Vorbild könne eine entsprechende Regelung in Österreich sein: "Fair wäre ein Verzicht von 50 Prozent der Miete", sagte Genth. "Auch das verstehe ich unter Solidarität." Besonders im mittelständischen Einzelhandel sei die finanzielle Lage "desaströs". Viele Betriebe hätten bislang weder Soforthilfen noch Kredite erhalten. "Unsere mittelständischen Händler überleben ohne Umsatz im Schnitt acht Wochen", so der Verbandschef.
Ab dem 20. April, dem frühestmöglichen Zeitpunkt für Lockerungen der Corona-Maßnahmen, bliebe so nur noch ein Monat, um massenweise Insolvenzen abzuwenden. "Die Frühjahrsmode, die jetzt keiner kauft, will im Sommer niemand mehr haben", sagte Genth. "Viele Händler sitzen auf verderblicher Ware." Nötig sei deshalb eine Exit-Strategie. "Wir könnten die Läden schrittweise wieder öffnen", sagte Genth. Um ausgefallene Umsätze nach der Krise ein Teilen nachzuholen, plädierte er zusätzlich für eine Lockerung des Ladenöffnungsgesetzes. Nach der Krise sollten alle Geschäfte auch sonntags öffnen dürfen.
Mit Blick auf das bevorstehende Ostergeschäft rief der Handel zudem zu einer vorausschauenden Planung auf. "Überlegen Sie bereits jetzt, was Sie für die Feiertage benötigen", empfahl Genth den Kunden in einer gemeinsamen Pressemitteilung des HDE und des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Eine sorgfältige Einkaufsplanung sei gerade unter dem Eindruck der Corona-Krise wichtig. Aufgrund der Abstandsregelungen und Zugangsbeschränkungen könnten in den Lebensmittelgeschäften aktuell nicht so viele Kunden pro Stunde bedient werden wie vor der Krise.
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April 03, 2020 04:22 ET (08:22 GMT)
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