Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat vor flächendeckenden Schulschließungen infolge der Zunahme der Neuinfektionen mit dem Coronavirus gewarnt. "Das müssen wir unbedingt vermeiden", sagte Esken bei einem Pressestatement in Berlin. "Wir wollen keinen Corona-Schuljahrgang produzieren in diesem Jahr." Dazu müsse man zusammenhalten. "Wenn sich abzeichnen sollte, dass wieder flächendeckend Problematik entsteht, dann müssen wir auch wieder flächendeckend Maßnahmen ergreifen", hob die SPD-Chefin hervor. Dies sei so vereinbart.
"Gerade auch, dass der Altersschnitt der positiv Getesteten jetzt so stark sinkt, muss ein Alarmsignal sein." Man müsse den Menschen deutlich sagen, dass Masken tragen, Abstand halten, Handhygiene und Kontaktbeschränkungen weiter gälten. Bei dem Schulgipfel am Vortag im Kanzleramt sei erörtert worden, wie man verhindern könne, dass im Herbst wieder eine neue Welle durch die Schulöffnung entstehe und Schulen wieder ganz geschlossen werden müssten.
Esken sagte, sie sei "sehr zufrieden mit den Ergebnissen" des Treffens mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bildungspolitikern der Länder, bei dem unter anderem vereinbart worden war, die Digitalisierung an den Schulen zu beschleunigen. Dafür sollen alle Lehrer mit Endgeräten ausgestatte und die Schüler einen kostengünstigen Zugang zum Internet erhalten. Esken sagte, die Kosten für die Lehrerendgeräte beliefen sich auf 500 Millionen Euro.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte unterdessen, "dass wir am Beginn einer zweiten Welle sind, dass wir jetzt reagieren müssen". Man müsse dies auch klar sagen. "Es gibt zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass wir so nicht weitermachen können wie jetzt", hob er im ZDF-Morgenmagazin hervor. Die Menschen seien unvorsichtiger geworden, Reiserückkehrer verbreiteten das Coronavirus. "In den Schulen werden wir mehr Fälle sehen", warnte Lauterbach. Nun müsse sich insbesondere der Bund wieder stärker im Sinne gemeinsamer Absprachen engagieren, forderte er. Das habe Deutschland "durch die erste Welle gebracht".
Auch der Bundeselternrat warnte vor einer Verschärfung der Situation an den Schulen durch eine steigende Zahl von Schulschließungen. "Die coronabedingten Schulschließungen von Klassen und Schulen sind alarmierend", sagte der Bundesvorsitzende Stephan Wassmuth der Funke-Mediengruppe. "Ich fürchte, dass wir mit der Rückkehr von mehr Schülerinnen und Schülern auch mehr Schließungen sehen werden." Der Schulgipfel sei zu spät gekommen, er hätte vor den Ferien stattfinden müssen.
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August 14, 2020 04:18 ET (08:18 GMT)
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